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Dienstag, 6. Januar 2015

SONATA (2004 Boris Undorf)


Die von ihrer Mutter streng erzogene und recht isoliert lebende Teenagerin Megan bekommt Post von einem stillen Verehrer. Das gefällt der Mutter überhaupt nicht...


Muße bis zum Knacks...

Ein Werk wie „Sonata“ ist schwer zu beschreiben. Geschichten um einen unter seinen zu dominanten Eltern leidenden jungen Menschen gibt es im Bereich der Horrorfilme zuhauf. Der berühmteste Vertreter dürfte wohl „Carrie“ sein. Es ist eine ideale Grundlage um Zuschauer mittels Leiden emotional an Figuren zu binden, während man gleichzeitig ein gesellschaftskritisches Thema hervorheben kann.  Die häufige Verwendung dieser Art Stoff braucht also nicht wundern. Und wer das ganze zudem noch psychologisch glaubwürdig zu verpacken weiß, der gewinnt mit dieser Thematik eigentlich schon automatisch.

„Sonata“ ist jedoch keinesfalls verkopft ausgefallen. Tief geht die psychologische Beleuchtung des hier vorliegenden Falles nicht. Aber tief genug um nicht hohl oder halbgar zu wirken. „Sonata“ trifft psychologisch ins Schwarze, setzt aber in jeglichem Punkt auf das Prinzip „weniger ist mehr“, so auch in dem was er zur Problemgrundlage erzählt. Weniger ist mehr ist das Nonplusultra, wenn man weit entfernt von Hollywoods Blogbustertum filmisch tätig sein möchte, gerade wenn man Film zu Kunst erklärt und nicht nur einfach eine Geschichte erzählen möchte.

Es geht nicht um das Was. Der Film erzählt was er erzählen muss, endet wie man es erwartet und überrascht den aufmerksamen Zuschauer mit nichts. Und aufmerksam muss man sein. „Sonata“ schaut man nicht mal so eben nebenher. Sein langsamer Aufbau, noch ruhiger vollzogen als beispielsweise im sehr nüchtern vorgetragenen „Das Mädchen, das die Seiten umblättert“, sortiert automatisch die Desinteressierten von den Interessierten aus. Oberflächliche Horror-Freaks sind schnell wegselektiert. Sie werden von Langeweile sprechen. Umgekehrt werden einige Überintelektuelle beklagen „Sonata“ sei nur ein hohles Gefäß, das Inhalt vorheuchelt.

Dabei geht es in dem für eine US-Produktion recht europäisch erzähltem „Sonata“ einzig um das Wie, um die Komposition. Und die darf sich nicht nur aufgrund ihrer auf Schlichtheit und Ruhe setzenden Art gewagt nennen, sie ist es auch in ihrem Blick auf die Personen und Situationen. Märchenhaft angehaucht, pendelnd zwischen der dünnen Grenze aus leichter Groteske und klischeelastiger Realitätsnähe umweht dem Streifen trotz dem Fehlen einer übernatürlichen Note eine surreale Atmosphäre, vielleicht darauf aufgrund des geistigen Wegdriftens der Teenagerin gesetzt, vielleicht auch nur um den Märchen-Aspekt zu bekräftigen. Vielleicht auch für beides!

So oder so ist „Sonata“ ein schwer zu greifendes Filmerlebnis, auf das man sich einlassen können muss, um etwas mit ihm anzufangen. Sinnlich erzählt erfordert es vom Zuschauer eine sensible Ader. Gleichzeitig gehört der Kopf eingeschaltet. Ein wunderbarer Schwebezustand zwischen beiden Herausforderungen steht dem Zuschauer bevor. Und ich bedauere jeden, der sich auf ein solch intensives Filmerlebnis wie „Sonata“ nicht einlassen kann. Es überrascht nicht, dass vielen dazu der Zugang fehlen wird. Es ist nur so unendlich traurig, dass manche sich nicht auf eine solche Erzählebene einlassen können, sei es nun aus Ungeduld oder mangelndem Respekt. Wenn die wüssten was ihnen entgeht...


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