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Montag, 6. April 2015

11-11-11 - DAS TOR ZUR HÖLLE (11-11-11 2011 Darren Lynn Bousman)


Ein talentierter Autor leidet seit dem Tod von Frau und Kind an einer Schreibblockade. Von Alpträumen geplagt glaubt er dass schicksalshafte Ereignisse stets mit der Zahl 11 zusammenhängen. Als er aufgrund des Todes seines Vaters ins Elternhaus nach Spanien reist vermehren sich Visionen rund um das bald nahende Datum des 11.11. und der Schriftsteller glaubt, dass an diesem Datum etwas schreckliches passieren wird das er verhindern muss...


Kein Helau und Alaaf um 11:11 Uhr...

Pi“, „23“, „Number 23“ - Verschwörungen um Zahlen-Theorien gehören zum Kino ganz selbstverständlich dazu seitdem Verschwörungstheorien in den 00er Jahren ein immer dominanterer Teil innerhalb der Filmstoffe wurden, in Zeiten in denen man die Verbrechen der Regierungen gegenüber ihres eigenen aufgeklärten Volkes und die Lügen im Geschichtsunterricht vermehrt mitbekam. Von daher sind solche Werke ein natürlicher Prozess der Angstverarbeitung, und psychologisch gesehen ein interessanter Stoff noch dazu, darf man die Hauptfigur solcher Werke doch stets auf einem wackeligen Weg zwischen Irrsinn und Faktenentdeckung begleiten, oftmals nicht wissend ob man als Zuschauer gerade einen gesunden Geist begleitet oder einen kranken. Haben wir es mit Fakten oder Halbwahrheiten die zu Scheinfakten werden zu tun? Meist weiß man dies zunächst nicht.

„11-11-11“ nähert sich der Zahlen-Verschwörung auf eher klassische Horrorfilm-Art, rückt er die Dinge die hinter der Zahl stehen doch Richtung Teufel und Weltuntergang, was schon passt, hatte die Kirche doch schon seit je her viel mit Zahlenbedeutungen am Hut. Warum neben der 7 und der 666 also nicht auch die 11-11-11? Obwohl der mögliche Hintergrund der 11-11-11 im Film für den gesamten Untergang der christlichen Welt stehen könnte, spielt die Geschichte selbst eher in seinem eigenen kleinen Universum. Sie verlässt nie die Grenzen des kleinen Ortes in dem alles spielt und greift auch auf betroffene Personen bezogen auf keinen größeren Personenkreis zurück als jenen den er ziemlich von Anfang an präsentiert. Das war bei „Number 23“ mit Jim Carrey nicht anders und beraubt einem solchen Streifen mögliches Potential. Spaß genug haben beide Filme am Ende dennoch gemacht.

Bei „11-11-11 - Das Tor zur Hölle“ erschafft Regisseur Darren Lynn Bousman, den die meisten Wohl als Regisseur von „Saw 2“ bis „Saw 4“ kennen werden, der aber auch den herrlich schrägen „Repo! The Genetic Opera“ inszenierte, eine recht dichte Atmosphäre innerhalb dieses Miniuniversums, inmitten eines Szenarios aus Schein und Sein, bei dem man als erfahrener Genre-Zuschauer die finale Auflösung zwar erahnt, den Weg dahin jedoch aufgrund der stimmigen Umsetzung trotzdem zu genießen weiß.

Gut und logisch greifend fand ich die Idee dass es wer Ungläubiges ist, der glaubt zum Boten Gottes geworden zu sein. Alle Wahrheiten um ihn herum sprechen dafür. Und damit greift der Film den Kern dessen auf, was den Unsinn von Verschwörungstheorien ausmacht. Informationen werden als solche angenommen und weitergestrickt, ohne deren Quellen und Hintergründe bis zum Grundkern zurückrecherchiert hinterfragt zu haben. Eine zufällige Logik und zufällige Zusammenhänge ergeben sich daraus wie von selbst. Und wenn dann noch wie im hier vorliegenden Film Angst als Antrieb hinzu kommt, ist es mit dem rationalen Denken endgültig vorbei und der Drang die Gesellschaft retten/aufzuklären zu müssen nimmt Überhand.

Aufgrund des Wahns den die Hauptfigur erlebt mag im hier vorliegenden Film manches wild zusammengewürfelt wirken. Das kann man dem Streifen entweder ankreiden oder als sinnvolles Stilmittel ansehen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte, dürfte es Bousman doch sehr entgegengekommen sein nicht komplett auf einen roten logischen Faden aufbauen zu müssen inmitten eines unübersichtlichen Irrsinns, während das Szenario auf der anderen Seite das verworrene Gefühlsleben und Denken des Protagonisten psychologisch gesehen gut wiederspiegelt. Am Ende ist „11-11-11“ keineswegs so tief greifend wie er es hätte werden können, sondern lediglich ein kurzweiliger, etwas reißerischer Horrorbeitrag. Mir hat es jedoch gereicht. Ich benötige nicht immer den großen Wurf um interessiert am Ball zu bleiben. Und Bousman reichte dies wohl auch, macht „666 - The Prophecy“ (Alternativtitel) doch nie den Eindruck mehr erreichen zu wollen.

Vielleicht dauert es aufgrund der engstirnigen Denkweise der Hauptfigur ein wenig bis man sich in „11-11-11 - The Prophecy“ (Alternativtitel) hineingeguckt hat. Aber für Stammgäste im Genre lohnt sich das Durchhalten trotzdem, ist Bousmans Werk doch interessant genug ausgefallen um simple Erwartungen zu erfüllen. Wer einen intelektuelleren Stoff erwartet hat ist hingegen im falschen Film gelandet. Der sollte zum deutschen Streifen „23“ greifen, der nur bedingt mit der im Titel angedeuteten Zahlen-Verschwörung zu tun hat, oder, falls es ihm unbedingt um diese Thematik geht, zum künstlerisch wertvollen und wirklich grandios umgesetzten „Pi“. Wer nicht gleich großes Kino erwartet und einfach kurzweilige Horrorunterhaltung konsumieren möchte kann mit „11-11-11“ nicht viel falsch machen.


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