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Montag, 6. April 2015

ALICE, SWEET ALICE (1976 Alfred Sole)


Die 12jährige Alice benimmt sich aufmüpfig, ja geradezu merkwürdig. Deswegen gerät sie für manch einen auch unter Mordverdacht, als ihre jüngere Schwester auf mysteriöse Art ums Leben kommt. Aber schlummert in dem verstörten Biest wirklich eine Killerin?...


Mit Maske und Kapuze...

Die 70er Jahre waren der Run für Horrorfilme mit mörderischen Kindern. Die berühmtesten Vertreter waren wohl „Der Exorzist“ und „Das Omen“, und auch „Die Wiege des Bösen“ bekam einen recht hohen Bekanntheitsgrad beschert. „Ein Kind zu töten“, eine Art Vorgänger von Stephen Kings „Die Kinder des Zorns“, erlangte zumindest Kultstatus für ein alternatives Publikum.

Da wundert es nicht dass just zu dieser Zeit „Alice, Sweet Alice“ auf der Bildfläche erschien, der den Zuschauer am im Film gestellten Rätsel teilnehmen lässt, ob die 12jährige Alice für die Morde verantwortlich ist oder nicht. Selten war man bereiter einem Kind die Schuld in die Schuhe zu schieben wie im besagten Jahrzehnt, auch wenn Ausnahmerwerke wie „Das Dorf der Verdammten“ bereits schon früher Kinder in ein unheimliches Licht rückten. Ein Kniff um das Publikum in die Falle laufen zu lassen? Oder nur um es unsicher werden zu lassen, dass die offensichtliche Person doch der Täter ist?

„Communion - Messe des Grauens“ (Alternativtitel) geht durchaus einer interessanten Idee nach. Und da er nicht nur billig heruntergefilmt wurde und auch vor der Kamera glaubwürdige Darsteller agieren, ist er tatsächlich einen Blick wert. Aber großes Kino sieht dann leider doch anders aus. Dafür ist das Werk des gerade einmal drei Kinofilme gedrehten Regisseurs Alfred Sole eine Spur zu dröge ausgefallen. So sehr ich auch die langsame Art des 70er Jahre Kinos genieße, „Alice, Sweet Alice“ tritt zu oft auf der Stelle, setzt manches Mal falsche Schwerpunkte wenn er interessante Aspekte zur Nebensache erklärt, wie z.B. die psychiatrische Untersuchung der 12jährigen.

Auch ein stimmiger Grundton fehlt, der dem Streifen einen gewissen Spannungsbogen beschert. Absichtlich ins Groteske getauchte Figuren sind nicht sonderlich hilfreich dabei eine düstere Atmosphäre zu entfachen. Und da sich „Holy Terror“ (Alternativtitel) andererseits nicht gerade wie eine Satire schaut, weiß man auch nicht was die schrägen Figuren a la „Willard“ überhaupt sollen. Sole will viel und vergisst darüber hinaus einen echten Schwerpunkt zu setzen. Zwar reißen manch drastische Szenen, gerade gegen Ende, den Zuschauer des öfteren aus der etwas drögen Inszenierung heraus, und dies auch früh genug bevor es langweilig wird, aber etwas mehr Terror, Drama oder Spannungsgehalt hätte es durchaus geben können.

Etwas wunderlich ist es auch, dass Sole den Zuschauer etwa 30 Minuten vor Schluss plötzlich doch in die Wahrheit einweiht, um dem Zuschauer für den Rest des Streifens eine andere Perspektive zu bescheren. Okay, „Alice, Sweet Alice“ entstand Jahre vor dem ersten Videoplayer, man sah sich Filme, wenn überhaupt, im Kino mehrere Male an. Warum also nicht anstatt auf eine Zweitsichtung zu warten dem Zuschauer bereits in der Erstsichtung eine Blickwende auf die Dinge bescheren? Die Idee ist gar nicht mal so schlecht, beraubt dem Film aber dann doch eines Spannungsbogens, den er zum Ende hin dringend benötigt hätte, zumal die Auflösung nicht gerade vom Hocker haut.

Etwas konsequenter angegangen und „Communion“ (Alternativtitel) hätte durchaus mehr Reiz versprüht, zumal Sole ein gutes Gefühl für optische Höhepunkte hat. Das merkt man bereits am Outfit des Täters. Der gelbe Regenmantel zusammen mit der so schrecklich wirkenden Halloween-Maske weiß zu gefallen. Das grelle Gelb (gerade auch wegen der Kapuze), die Kindergröße und das scharfe Fleischermesser, diese Kombination weiß optisch wie psychologisch zu wirken. Etwas weniger Krimi-Orientierung und etwas mehr düstere oder dramatische Horrorgeschichte und der fertige Film wäre mehr geworden als Routine. Aber was soll‘s! Zumindest muss man von „Alice, Sweet Alice“ niemandem abraten. Das ist ja auch schon was wert.


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