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Mittwoch, 1. Juli 2015

NOCH TAUSEND WORTE (A Thousand Words 2012 Brian Robbins)


Literaturagent Jack redet viel und verletzt mit dem was er sagt häufig seine Mitmenschen. Eines Tages steht urplötzlich ein ausgewachsener Baum vor seinem Haus, der immer dann Blätter verliert, wenn Jack spricht. Pro Wort fällt ein Blatt, und was Jack auch tut: es wachsen keine nach...


Reden ist silber, Schweigen ist grün...

Man kennt sie zu genüge diese meist mit Fantasyelementen angereicherten Filme wie „Der Dummschwätzer“, „Klick“, „Mr. Destiny“ und „Der Ja-Sager“, Geschichten in denen Menschen mit charakterlichen Schwächen eine besondere Eigenschaft dazu dient sich moralisch zu überdenken. Der Nörgler muss akzeptieren dass sein Leben doch sehr schön ist, der Workaholic muss erkennen dass er seine Mitmenschen vernachlässigt, usw. In amerikanischen Filmen ist es üblich dass der Protagonist meist zum Familienmenschen umerzogen werden muss, ist die Familie für Amerikaner doch das wichtigste im Leben, solange sie nicht im Vorstand eines Großkonzernes sitzen. Und da ist auch „Nur tausend Worte“ keine Ausnahme, welche überraschend mit Mainstream-Eddie Murphy besetzt wurde - kein gutes Zeichen!

Auf ihn wäre man sicherlich nie für einen der oben genannten Vergleichsfilme gekommen, aber zu einem Werk mit der Thematik eines Mannes der nicht mehr viel sagen darf, ist Murphy freilich passend besetzt, wurde er doch als Laberbacke durch Filme wie „Nur 48 Stunden“, „Beverly Hills Cop“ und „Die Glücksritter“ bekannt. Als die ewig gleiche Nummer des schnell vor sich hinplappernden Komikers mit „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“ langsam nicht mehr auf so viel Gegenliebe stieß wie zuvor, wandte er sich kluger Weise von diesem Image ab und drehte den großartigen „Der Prinz aus Zamunda“. Dem folgten nur leider eher biedere und politisch korrekte Werke wie „Dr. Dolittle“, „Mensch, Dave!“ und „Die Geistervilla“, oder unausstehliche Klamaukwerke wie „Der verrückte Professor“ und „Norbit“. Sympathische Filme wie „Bowfingers große Nummer“ und „Aushilfsgangster“ blieben leider Ausnahmewerke.

Obwohl Eddie Murphy der richtige Mann für „Noch tausend Worte“ zu sein schien, durfte man also zu Recht misstrauig sein. Kann dieser Mann eine Geschichte tragen, die es so schon des öfteren gegeben hat und deren Verlauf man in etwa vorhersehen kann aufgrund der offensichtlichen moralischen Läuterung Jacks, die bevorsteht? Nun, ja, er kann! Murphy spielt seine Rolle sowohl in den komischen als auch in den ernsten Momenten glaubwürdig und mit sichtbarer Spielfreude. Er entpuppt sich als der Pluspunkt eines Filmes, der schlechter ausgefallen ist als er es hätte sein können, biedert man sich dem Massenpublikum doch mit manchen unfeinen Witzchen an, die hin und wieder der innereigenen Logik schaden. So gilt ein Stinkefinger beispielsweise als zwei ausgesprochene Worte, wohingegen Jacks Pantomime-Versuche stets als wortlos durchgehen.

Am unwitzigsten ist jene zu konstruierte und unglaubwürdige Szene ausgefallen, in welcher Jack ein Telefonat mithilfe von diversen sprechenden Spielzeugen meistert. Erleichtert darf der Zuschauer jedoch feststellen dass es solcher peinlicher Momente nur wenige gibt und sich die vorhersehbare Geschichte ansonsten recht angenehm seinem moralischen Ziel nähert. Ein an Murphys „Der Guru“ erinnernder Guru entpuppt sich als nicht so selbstgerecht wie jener aus „Schwer verliebt“, und auch im Kitschbereich hält man sich vergleichsweise zurück, in dem man die aus einer solchen Geschichte nicht wegzudenkenden Läuterung noch halbwegs ehrlich umsetzt. Man meint in Jack wahrlich einen ehrlichen Wandel zu erkennen, und dies obwohl seine Läuterung wesentlich weniger Laufzeit einnimmt, als man meinen sollte.

Damit bleibt „A Thousand Words“ (Originaltitel) ein überraschend angenehmes Filmerlebnis, das sicherlich keinen Innovationspreis gewinnen wird, aber dank sympathischer Umsetzung dem Freund dieser Art Film ein kurzweiliges Vergnügen bescheren wird. Trotz der nicht zu übersehenden Moral kommt sie nicht all zu selbstgerecht, streng und verkitscht daher, und sie weitet sich lediglich auf einen Bereich aus, den man nachvollziehen kann. Sprich man soll nicht gehirngewaschen werden um von oben alles mit sich machen zu lassen wie es z.B. bei „Mensch, Dave!“ der Fall war.

„Nur tausend Worte“ möchte einfach, dass man den Wert dessen was man sagt wieder zu schätzen lernt. Er möchte dass wir den Menschen unseres nahen Umfeldes genauso respekt- und gefühlvoll gegenübertreten wie sie es auch tun. Er spricht also wahre Werte an und keine konstruierten einer verdreht denkenden Gesellschaft. Ein europäischer Film wäre im Finale sicherlich strenger mit Jack umgegangen und konsequent geblieben. Das darf man bei den Amis freilich nicht erwarten. Denn neben den Familienwerten gibt es noch etwas an das sie uneingeschränkt glauben, und das ist die Vorstellung dass sich alles Schlimme wieder rückgängig machen lässt. Im Falle eines verträumten Werkes wie „Nur tausend Worte“ mag das noch okay sein darauf zu bauen, in vielen anderen Werken wird genau dieser Punkt zu einem fragwürdigen Propaganda-Werkzeug.


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