Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Montag, 29. Juni 2015

PIGS (Daddy's Deadly Darling 1972 Marc Lawrence)


Eine geisteskranke junge Frau flieht aus der Nervenheilanstalt und kommt bei einem Farmer unter, in dessen Lokal sie arbeiten darf. Der Farmer merkt schnell dass mit der Frau etwas nicht stimmt, beschützt sie aber vor der Außenwelt, da er selbst einem mörderischen Hobby nachgeht: er verfüttert Gäste an seine Schweine...


Schwein gehabt?...

Man muss schon diese Underground-Produktionen des 70er Jahre Independent-Kinos mögen um mit dem schmuddeligen „Pigs“ etwas anfangen zu können. Fast verweigert er sich gänzlich einer Geschichte. Und eine Entwicklung der Charaktere gibt es ebenfalls kaum zu beobachten. Regisseur Marc Lawrence, welcher auch den Farmer spielt und der Vater der Hauptdarstellerin Toni Lawrence ist, konzentriert sich einfach auf den Ist-Zustand, lässt den Zuschauer beobachten was aufgrund der Zusammenkunft der beiden fehlgeleiteten Menschen passiert, und löst diesen Zustand nach einer gewissen Laufzeit wieder auf.

Uninteressant ist das nicht. Und so reißerisch wie erwartet ist „Daddy‘s Deadly Darling“ (Originaltitel) auch nicht ausgefallen. Dunkle Bilder verhindern dass die harte Geschichte all zu blutig umgesetzt ist. Dennoch lässt Lawrence das was im Film passiert gnadenlos passieren. Er schwinkt nicht die Moralkeule. Er hat kein Mitleid mit den Opfern der Killer. Auf der Gegenseite hebt er die Psychos aber auch nicht auf ein Podest wie es manch moderner Beitrag des Horror-Genres macht. Das was passiert wird eher nüchtern betrachtet.

Dass „Horror Farm“ (Alternativtitel) eine Billigproduktion war, ist nicht zu übersehen. Die Musikuntermalung besteht aus einem Song (der sich dafür aber auch sympathisch schwungvoll anhört), die Geschichte spielt an sehr wenigen Drehorten, und die Schauspieler sind auf typisch unbegabtem Underground-Film-Niveau wie man es z.B. auch aus „Die Tollwütigen“ kennt. Allerdings sind die Beteiligten bemüht dabei und spielen keineswegs lustlos. Ein Engagement bei den Hauptbeteiligten ist nicht zu übersehen, deswegen weiß dieser Schmuddelfilm auf seine trockene Art auch trotzdem irgendwie zu gefallen - wenn auch nicht auf seine komplette Laufzeit gesehen. Dafür passiert dann tatsächlich zu wenig, sowohl auf zwischenmenschlicher Ebene als auch in Bezug auf die Entwicklung der Geschichte.

Marc Lawrence, der übrigens nicht mit dem gleichnamigen Regisseur der Filme „Ein Chef zum Verlieben“ und „Mitten ins Herz“ verwechselt werden sollte, zeigt in seiner sleazy Inszenierung, dass er durchaus ein Gespür dafür hat sich in die kaputten Charaktere seiner Hauptfiguren hineinzufühlen. Beide Figuren sind auf unterschiedliche Art verstört. Die eine handelt unbewusst aus Zwang, der andere rechtfertigt seine bewussten Handlungen (angeblich wollen die Schweine nichts anderes mehr essen seit sie auf den Geschmack von Menschenfleisch gekommen sind). Auch die Darsteller begreifen ihre Figuren, gerade gegen Ende wenn die Frau geistig immer mehr abdriftet, lässt sich dies im Spiel der Darstellerin nicht mehr übersehen.

Dieses Gespür in Kombination mit dem absichtlichem Verzicht einer massentauglichen Erzählung macht deutlich, dass „Lynn Hart“ (Alternativtitel) eben kein uninspiriertes Werk ist. Schund und Geist vermischen sich zu einem sympathisch provozierenden, leicht misszuverstehenden Mix. Das weiß dem fertigen Film seinen Reiz zu bescheren, der einen ein Auge zudrücken lässt, dass das fertige Werk zu oft auf der Stelle tritt. Wirklich verzeihen könnte man dies „Pigs“ aber erst dann, wenn er nicht ganz so dunkel abgefilmt wäre wie geschehen. Die ewig zu dunkel eingefangenen harten Szenen in Kombination mit der Monotonie der Handlung lassen meine durchaus bestehende Sympathie für dieses Werk lediglich im theoretischen Bereich des Streifens aufblitzen. Praktisch gesehen war er mir einfach eine Spur zu uninteressant erzählt.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen