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Mittwoch, 13. Januar 2016

DER MANN, DER VOM HIMMEL FIEL (The Man Who Fell to Earth 1976 Nicolas Roeg)


Ein Außerirdischer landet auf der Erde, nennt sich Newton, nutzt sein Wissen für neue, bedeutende Patente und baut mithilfe dieser eine erfolgreiche Firma auf. Sein eigentliches Ziel ist es seinen Heimatplaneten vor der Wasserknappheit zu erretten. Als er seine Aufgabe fast erfüllt hat, kommen seinen Plänen Verrat und Korruption in die Quere...


Ein Außerirdischer ist auch nur ein Mensch...

„Der Mann, der vom Himmel fiel“ gehört zu jenen Filmen, die ich unglaublich gerne gut finden würde, mag ich ihn doch, obwohl er mich nicht überzeugen konnte, was kaum zu glauben ist. Immerhin ist der von Nicolas Roeg inszenierte Streifen handwerklich professionell umgesetzt, immer pendelnd zwischen fast hypnotischem Schwebezustand, gesellschaftskritischer Bodenständigkeit, empathischer Emotionalität und rationaler Beobachtungsgabe. Ein stimmiger Soundtrack und überzeugende Mimen sorgen für den Rest.

Roegs Werk ist jedoch ebenso wie sein „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ viel zu lahmarschig umgesetzt, was ich zwar üblicher Weise als Pluspunkt des 70er Jahre-Kinos zähle und was auch sowohl zum erzählten Stoff als auch zur Restinszenierung passt, aber „Der Mann, der vom Himmel fiel“ tritt zu oft auf der Stelle, was in seiner absichtlich umständlich gewählten Erzählform nicht nur äußerste Konzentration vom Zuschauer erwartet, was ich vollkommen in Ordnung fände, diese Vorgehensweise aber auch zu nutzen scheint, um sich in seinem intellektuellen Zustand zu suhlen.

So treffsicher die Aussagen gesetzt sind, die man erst einmal für sich entdecken muss, da sie einem lobenswerter Weise nicht auf dem silbernen Tablett serviert werden, ich hatte immer wieder das Gefühl, dass sich Roeg in dieser andersartigen Inszenierung intellektuell aufgeilt. Und damit wirkt mir das Ergebnis zu gewollt. Ein moralischer Schluss wertet das Gesamtergebnis noch einmal ab, zumal mir die letzten 20 Minuten eigentlich überhaupt nicht mehr gefallen haben, mit Ausnahme des sehr direkten, fast kindlichen Bittens des Aliens ihm nicht weh zu tun. So etwas wirkt für mich viel intensiver, ehrlicher und authentischer als die arrogant scheinende Kunstverkleidung eines Stoffes, der zwar tiefgründig ist, dies aber auch gewesen wäre, wenn er sich nicht so geradezu penetrant vor der Zuschauernähe gescheut hätte.

Oftmals funktioniert dieser künstleriche kopflastige Ansatz durchaus und schafft es einen gar in eine Art Rausch zu versetzen, was man ja irrtümlich erst einmal eher einem geistlosen Bilderrausch zutrauen würde. Roeg beweist, dass dies kein Widerspruch sein muss. Und über einige lange Phasen gefällt mir sein Ergebnis auch richtig gut, manches Mal auch in der von mir kritisierten extremen Langsamkeit. Aber als Gesamtwerk will mir „The Man Who Fell to Earth“ (Originaltitel) leider einfach nicht gefallen, trotz seiner vielen Pluspunkte, zu denen auch die Wahl der Hauptrollen-Besetzung gehört, gibt David Bowie doch glaubwürdig eine Andersartigkeit wieder, ohne dass man gleich von einer überragenden schauspielerischen Leistung sprechen müsste. Bowie wirkt einfach.

Was mir gefällt ist der in der Luft schwebende Gedanke, dass das Gute in der Welt nur isoliert vom Rest fruchten könnte. Ein Erfolg bleibt ihm in der Realität nicht gewährt, weil dies geradezu unlogisch wäre. Ab da wo vollstes Vertrauen ins Geschehen tritt, ist es vorbei mit dem Erreichen Newtons Ziele. Vertrauen und eine zu dominante Präsenz in der Öffentlichkeit werden zu Fehlern. Der Weg zum Ziel hätte stiller und versteckter stattfinden müssen. Und selbst dann bliebe die Frage im Raum, wie lange man etwas versteckt halten kann, bevor die Isolierung sich auflöst und Teil des traurigen Gesamten wird.

Der anspruchsvolle Gehalt des Streifens weiß zu wirken. Aber leider verennt sich „Der Mann, der vom Himmel fiel“ meiner Einschätzung nach zu oft in zu gewollter Kunst und Pseudo-Intellektualität, was auf der anderen Seite aber immerhin verhindert dass der emotionale Part nie an Kitsch grenzt. Kaum auszumalen was aus dem Stoff in den Händen der Disney-Studios geworden wäre. Dagegen ist das zu gewollt anspruchsvolle Ergebnis wie erzielt definitiv zehnfach vorzuziehen.

Ich mag den Film, weil er so abseits des Mainstreams inszeniert ist und weil er so liebevoll und verschroben umgesetzt ist. Ich mag ihn weil er das Publikum herausfordert und nicht einfach nur plump bedient. Und ich mag ihn für seine Optik und seinen Sound. Aber 20 Minuten hätte man locker kürzen können, um dem Ergebnis die angenehme Art langsamen Erzähl-Kinos der 70er Jahre zu bescheren. So aber, gepaart mit den mir zu gewollt scheinenden Aspekten, bleibt Roegs Werk für mich nur ein theoretisch geglückter Film - leider.


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