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Samstag, 9. April 2016

PAPAYA - DIE LIEBESGÖTTIN DER CANNIBALEN (Papaya dei Caribi 1978 Joe D'Amato)


Die Reporterin Sara trifft auf einer exotischen Insel auf ihren Freund Vincent, der als Ingeneur vor Ort am Bau eines Atomkraftwerkes beteiligt ist. Zusammen lernen sie die Inselschönheit Papaya kennen, die sie an traditionellen Riten ihres Volkes teilnehmen lässt, womit die beiden ahnungslos in eine Falle hinein geraten, gestellt von einheimischen Gegnern besagtem Kraftwerkes...


Lendenrhythmus zu Trommelrhythmen...

Von dem hochgradig atmosphärisch dicht erzählten, meiner Meinung nach sehr sehenswerten, „Man-Eater“ einmal abgesehen konnte ich mit den Werken Joe D‘Amatos nie viel anfangen, ganz egal ob es von Liebhabern des alternativen Films verehrte Werke wie „Absurd“ oder „Sado“ waren, oder die ziemlich lieblos heruntergedrehten Erotik-Horrors a la „Porno Holocaust“ und „In der Gewalt der Zombies“. Da ich erst kürzlich den von mir bislang unterschätzten Kannibalenfilm für mich entdeckt habe, bin ich im Zuge meiner Erkundungstouren durch dieses Sub-Genre schließlich auch auf „Papaya - Die Liebesgöttin der Cannibalen“ gestoßen, und da auch manch anderer Regisseur von dem ich nicht viel hielt mir in diesem Bereich Film manch angenehme Überraschung bescherte, ließ ich mich erneut auf ein Werk des berüchtigten Joe D‘Amato ein.

Hat man den Film gesehen ist man entweder hinterher zu Tode gelangweilt oder schlichtweg berauscht von seiner Wirkung. Wenn man wie ich letztgenannte Erfahrung gemacht hat, ärgert es einen keineswegs mehr es bei dem deutschen Titel mit einem recht rassistischen Etikettenschwindel zu tun zu haben, ist „Die of Pleasure“ (Originaltitel) doch keineswegs ein Kannibalenfilm, er spielt lediglich vor exotischer Kulisse und handelt von einem Zusammenstoß der Kulturen zwischen den arroganten Zivilisierten und den davon unbeeindruckten Einheimischen. Papaya ist zudem nicht die Liebesgöttin dieser Ureinwohner, man könnte sie viel mehr als die prostituierte Rächerin bezeichnen, die jegliche Informationen mit ihrem erotischen Charme aus den Mitarbeitern des Kernkraftwerk-Baus herausvögelt, was dank der typisch für Italiens Nischenfilm lüsternen Umsetzung auch bestens funktioniert.

So darf man nicht klagen, dass in diesem Film nur die wenigsten Filmfiguren ihr Köpfchen benutzen, der Beischlaf zu Manipulationszwecken wird so ziemlich alle fünf Minuten praktiziert und dies mit Erfolg. Männer sind von Papayas Anziehungskraft geistig geradezu gelähmt und bezaubert, wird sie doch als die schönste Frau der Welt beschrieben, was bei solch männlichen Gesichtszügen wie der ihren schon ein wenig zu belustigen weiß, vergleichbar mit ähnlicher Übertreibung der Schönheitspreisung in „Meine Stiefmutter ist ein Alien“.

Aber Geschmäcker sind verschieden, Zeiten, Moden und Schönheitsideale haben sich geändert, und Papaya ist auch wahrlich keine hässliche Person, also spielt es für die Wirkung des Streifens, den man grob gesehen als Erotik-Drama mit Schwerpunkt Erotik bezeichnen kann, auch keine Rolle. D‘Amato geht es nicht um eine geistig nachvollziehbare sinnvolle Geschichte, „Papaya - Die Liebesgöttin der Kannibalen“ (Alternativtitel) ist ein Film den man mit all seinen Sinnen genießen soll. Man muss die Trommelrythmen ebenso auf sich wirken lassen wie die exotischen Kulissen und die nackten Körper, die sich hemmungslos, wenn meist auch fast frei von Bewegung, dem sexuellen Rausch hingeben.

Horror kann da suchen wer will. Den gibt es maximal in zwei Goreszenen zu sehen, die es einem zugegebener Maßen ein wenig schwer machen den Weg den die Einheimischen gehen gut heißen zu können. Allerdings will D‘Amatos Werk trotz moralischer Ansätze keineswegs ein moralisches Vorzeigewerk sein. Frei von einer einnehmenden Position zeigt der Film lediglich was passiert und macht dabei trotz der vorhandenen Möglichkeiten nicht wirklich einen gesellschaftskritischen Film aus diesem Stoff. Die Elemente hierfür blitzen auf, würden gar heuchlerisch und fragwürdig wirken wenn dies das Ziel des Streifens wäre, aber der Streit um den Bau eines Atomkradftwerks bildet lediglich den Hintergrund eines zwischenmenschlichen Dramas aus Begierde, Leidenschaft, Rache und Abhängigkeit.

D‘Amato schafft es hin und wieder zwischen optisch einfallslosem Bettgehoppse auch recht sinnliche und erotische Bilder einzufangen, wobei es ihm entgegen kommt, dass die Sexszenen im Gegensatz zu seinen oben erwähnten Nackedeifilmchen auch nicht völlig lustlos und demotiviert ausgeführt werden. Hier kann man lobend die Darsteller der Hauptrollen erwähnen, die so ziemlich alle besser spielen als es für diese Art Produktion üblich ist, was dem Film ungemein dabei hilft seinen Rausch auf den Zuschauer zu übertragen. Dieser sitzt keineswegs aufgrund der ewigen Korpulation notgeil dabei, sondern darf viel mehr mit D‘Amatos Werk eine sinnliche Erfahrung machen. Jenen denen es nicht gelingt sich einzufühlen werden mit diesem Nichts an Story jedoch eine todöde Erfahrung machen und „Papaya - Love Goddess of the Cannibals“ (Alternativtitel) als Langeweile in purster Reinform wahrnehmen.


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