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Dienstag, 19. Juli 2016

DOOMSDAY BOOK (Inlyoomyeolmangbogoseo 2012 Pil-sung Yim u.a.)


Ein Mann verwandelt sich in einen Zombie und steckt damit die ganze Welt an. Ein Roboter entwickelt ein Eigenleben und erlangt in einem buddhistischen Tempel die Erleuchtung. Und ein Meteorit rast auf die Erde zu, weil ein Mädchen eine Billardkugel im Internet bestellt hat...


Das Ende ist nah...

Zwei Regisseure setzten sich zusammen und schrieben und inszenierten einen Episodenfilm, der jeweils vom Ende des Alltbekannten handelt, in zwei Episoden sogar vom Ende der Zivilisation. Die Ideen sind recht gewagt. Ein Blick auf meine Inhaltsangabe verrät wie schräg das klingt, was Pil-sung Yim und Jee-woon Kim sich da ausgedacht haben, selbst der Auslöser der Zombiegeschichte ist arg skurril gewählt. Was sich jedoch wie eine Komödie liest, besitzt durchaus ernsten Hintergrund. Zwar weht immer auch ein humoristischer Wind mit durch den Film, aber der ändert nichts an der vorhandenen Ernsthaftigkeit der Themen. Fast scheint es, als solle man erfahren, dass auch jede noch so idiotische Idee richtig umgesetzt das Potential zu einem Drama, oder zumindest zu einer Tragikomödie besitzt.

Am offensichtlichsten humoristisch ist die erste Episode ausgefallen, in welcher ein Mann aufgrund schlecht hergestellten Tierfutters zu einem Zombie wird und ganz nebenbei die restliche Menschheit ansteckt. Dies geschieht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, beginnt doch gerade die Herzensdame sich für ihn zu interessieren. Gerade flirtend mit ihr auf einer Bank sitzend sorgt der Beginn der Krankheit dafür, dass sich der eigentlich harmlose Mann in eine aggressive Bestie verwandelt und einen Passanten attackiert. Die Metamorphose kommt schleichend, und so versteht der von der Frau nun sitzen gelassene Mann nicht was mit ihm los ist. Wir erleben hier Herzschmerz auf schwarzer Humor-Basis, und nach und nach rückt die Weltuntergangsstimmung in den Vordergrund, dies jedoch nur um die Lovestory doch noch überraschend auf ein anti-romantisches Stinkefinger-Ende zuzusteuern. Diese Episode ist durchaus unterhaltsam ausgefallen, ist in einer Zeit, in der man mit Zombiefilmen zugeschmissen wird, streng genommen aber nicht wirklich der Rede wert.

Interessanter ist da schon die Geschichte eines Technikers, der wie so oft die Fehlfunktion eines der vielen in der Gesellschaft eingesetzten Roboters beheben soll und an seine Grenzen stößt. Denn besagter Roboter lebt in einem buddhistischem Tempel und steht kurz vor der Erleuchtung. Wenn nun Hersteller, Buddhisten, der Techniker und der Roboter zusammen kommen, entsteht eine ideenreiche, hintergründige und  fruchtbare Diskussion, welche „Doomsday Book“ ihren philosophischsten Part beschert. Nicht nur dass verschiedenste Blickwinkel ausgelotet werden und die ganze Chose mit äußerstem Respekt angegangen wird, es steckt auch einiges an Vorbereitung der Autoren in dieser Geschichte drin, gehen die Gedanken die hier geäußert werden doch tief und in verschiedene Richtungen, so dass da durchaus ein intensives Brainstorming stattgefunden haben muss, damit die Episode so gehaltvoll und tiefgründig ausgefallen ist, wie geschehen. Freilich wandert man auf dünnem Eis. Die Geschichte steht immer wieder kurz davor zu scheitern. Aber entscheidende, mögliche Fehler werden stets umschifft, so dass man diese Geschichte tatsächlich zu einem großartigen Erlebnis gemacht hat und damit zum Höhepunkt des Streifens.

Die dritte und letzte Geschichte ist eine Groteske, die der hanebüchensten Idee nach geht, eine Idee die mich nicht wirklich überzeugen konnte, deren Geschichte jedoch durch ihre nüchtern humoristische Umsetzung interessant wurde. In erster Linie weiß der skurrile Charakter des Onkels und sein nicht weniger skurriles Auftreten einen zum Schmunzeln zu bringen. Der Rest besteht letztendlich (noch mehr als Episode 2) aus dem Mut ein derart durchgeknalltes Thema so konsequent durchzuziehen. Etwas zu bemüht versucht man dem Geschehen einen nachvollziehbaren Rahmen zu geben, aber die geäußerten Spekulationen, warum geschehen ist was geschehen ist, mixen Esoterik mit Physik und werden nicht tief genug beleuchtet um eine mögliche Faszination zu sättigen oder überhaupt erst zu entfachen. Der konsequente Ablauf der Geschichte hingegen ist es, den man lobend erwähnen darf. Hier nutzt jede Gegenwehr nichts. Bekannter Maßen gehen die Asiaten schonungsloser mit ihrem Kinopublikum um, als es der moderne Zuschauer meist aus Hollywood gewohnt ist, und so erleben wir eine bizarre Version eines Happy Ends, welches den Weltuntergang hierfür nicht ausschließt.

Innovativ und interessant ist „Doomsday Book“ durchaus ausgefallen, neugierigen Fans asiatischer Filme kann man ihn unter Vorbehalt gar empfehlen. Dennoch fehlt der Feinschliff, um in dem ungewöhnlichen Science Fiction-Film mehr als die kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch zu sehen. Wären alle Geschichten so ausgefallen wie jene von Episode 2 würde ich von einem sehenswerten, herausragenden Film sprechen, aber Episode 3, die nie genau weiß worauf sie hinaus will und von der ich nicht verstanden habe was die Autoren mit ihr überhaupt aussagen wollen (es mag also auch an mir liegen) und die Austauschbarkeit der ansonsten recht sympathisch ausgefallenen Episode 1, hindern „Doomsday Book“ daran sein volles Potential zu entfalten. Wenn die beiden Regisseure eines Tages eine Fortsetzung mit drei weiteren Geschichten präsentieren würden, wäre ich jedoch sofort bereit mir diese anzusehen. Ihr Einfallsreichtum macht einfach neugierig auf mehr.


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