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Sonntag, 21. August 2016

DR. ZYKLOP (Dr. Cyclops 1940 Ernest B. Schoedsack)


Da er bereits zwei Jahre abgeschottet vom Rest der Welt in seinem Labor im Dschungel Perus forscht, reist eine Gruppe Kollegen zu dem Biologen Dr. Thorkel, um sich um sein Wohlbefinden und den Stand seiner Forschungen zu informieren. Gern gesehen sind die Gäste bei ihrer Ankunft nicht, und als der Besuch sich weigert zu gehen eröffnet Dr. Thorkel ihm seine Forschungsergebnisse. Er kann Lebewesen auf Mäusegröße verkleinern und tut selbiges mit seinen Gästen, die fortan miniaturisiert versuchen dem Psychopathen zu entkommen...


Nehmt dem Monster die Brillen weg...

Zu seiner Zeit müsste „Dr. Zyklop“ Up to Date gewesen sein. 1940 präsentiert in feinem Technicolor anstatt im gewohnten Schwarz/Weiß, versehen mit teilweise heute noch funktionierenden, aufwendigen Spezialeffekten und einigen netten überdimensionalen Raumgestaltungs-Gimmicks, wenn die Helden verkleinert wurden, bietet der Film so einiges fürs Auge. Ernest B. Schoedsacks Werk ist quasi der thematische Vorgänger von solchen Kinoerfolgen wie „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“, „Die phantastische Reise“ und „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ und nimmt von Letztgenanntem sogar schon die Katzensequenzen voraus, freilich ohne Puppenhaus präsentiert.

Dass er sich aufgrund seiner Thematik auf seine Effekte konzentrieren muss, ist nachvollziehbar, allerdings ist „Dr. Cyclops“ (Originaltitel) eine jener US-Produktionen, bei denen man eine ähnliche Detailliebe in anderen Bereichen vermisst. Die Schauspieler sind okay zu nennen, aber keine wirklich überzeugenden Mimen, das Drehbuch ist eher ideenarm ausgefallen bezogen darauf was mit der Veränderung der Größenverhältnisse möglich wären (zumal der Aspekt des schleichend Größerwerdens in keinster Weise ausgekostet wird), und die Inszenierung ist weniger spannend geraten als möglich wäre, auch für einen Abenteuerfilm, stilistisch wie er sich eher diesem anstatt dem zu erwartendem Horror-Genre fügt.

Es ist nicht so dass „Doctor Cyclops“ (Alternativtitel) nicht unterhalten könnte, das funktioniert durchaus, einen großen Klassiker wie Jack Arnolds Vergleichsfilm aus den 50er Jahren oder den von Schoedsack in einer Pause der Dreharbeiten zu „King Kong und die weiße Frau“ inszenierten „Graf Zaroff - Genie des Wahnsinns“ sollte man jedoch nicht erwarten. Dafür kommt der Streifen auch für seine Zeit, bezogen darauf dass Horror und Science Fiction im Amerika der 40er Jahre eher wie ein belächeltes Stiefkind behandelt wurde, viel zu naiv daher, als dass man ihn all zu ernst nehmen könnte.

Unsinnigkeiten wie Dr. Thorkels hoch komplexe Reperaturarbeiten, die sich darauf beschränken immer wieder an der selben überdimensional großen Schraube herumzudrehen bis die Maschine wieder funktioniert, belustigen die Chose unfreiwillig in einem ernst gedachten Film. Und da besagter Wissenschaftler in seiner lockeren Art mit Blick von heute eher natürlich anstatt diabolisch überheblich wirkt, so wie sein Auftreten ursprünglich gemeint war, wirkt er auch wesentlich sympathischer, ja sogar normaler als die Helden denen er gegenüber gestellt wird.

Diese besitzen die typischen Charakterkrankheiten früher amerikanischer Produktionen: Überheblichkeit, Selbstüberschätzung, fanatischen Gottesglauben und zu meinen alles zu dürfen und das Recht stets auf ihrer Seite zu haben, egal wie penetrant illegal man handelt. Würde der Biologe seinen Besuch nicht verkleinern und gefangen halten, man würde rein menschlich betrachtet zu ihm halten, anstatt zu der Bande Asozialer, die uns hier als Helden verkauft wird.

Unsere Helden dringen in den Lebensraum des friedlich forschenden Wissenschaftlers ein, durchwühlen heimlich dessen Forschungsergebnisse, um vom Erfolg dieser mitprofitieren zu können und benehmen sich als seien sie hier zu Hause. Der sie begleitende Mexikaner hingegen darf nur der trottelige Ausländer sein, dessen größte Sorge das Wohlergehen seines seit kurzem vermissten Maultieres ist, und der quasi dazu dient der weißen Herrenrasse, die intellektuell weit über ihm steht, zu dienen.

Wenn eine Filmidee so verspielt daher kommt wie die hier angegangene Miniaturisierungsidee, dann verärgern solche Zustände nicht wirklich. Ganz im Gegenteil belustigt dieses naiv verdrehte Weltbild und fördert damit gar den Unterhaltungswert solcher vergangenen Perlen. Und da sich diese unfreiwillige Komik zu einem ansonsten recht stimmig ausgefallenem Szenario dazugesellt, dominiert sie auch nicht all zu sehr, als dass „Dr. Zyklop“ lediglich zur Lachnummer verkommen würde. Dafür sind die Konflikte zwischen Riese und Zwergen, die immer wieder auf die Legenden von Odysseus verweisen, zu interessant und leidenschaftlich umgesetzt, schaffen sie es trotz vorhersehbarem Ausgang der Lage doch heute noch Neugierde zu wecken was die Mini-Menschen wohl als nächstes planen.

Wer also ohne große Ansprüche an „Dr. Zyklop“ herangeht, der für die deutsche Veröffentlichung scheinbar erst in den 70er oder späten 60er Jahren synchronisiert wurde, der kann durchaus angenehm unterhalten werden. Die Effekte wissen zu gefallen und sind auf dem Hoch seiner Zeit, die Geschichte ist naiv aber interessant ausgefallen, und manche unfreiwillig komischen Lustigkeiten lockern die zu verkrampft gedachte Grundstruktur auf, so dass Schoedsacks Werk auch heute noch für das Stammpublikum des Genres ein netter Streifen für zwischendurch ist. unterhaltsam


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