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Samstag, 10. Dezember 2016

ROCK AND RULE (1983 Clive A. Smith)


Die Zukunft: nach einer nuklearen Katastrophe haben nur die Tiere der Straße überlebt und sind per Mutation zu einer einheitlichen Gattung zusammengeschmolzen. Die Erfolgsquote der Rocklegende Mok ist rückläufig. Also beschließt er ein Wesen aus einer fremden Dimension in die seinige zu transferieren, um eine unglaubliche Rockshow abliefern zu können. Leider ist er für diesen Plan abhängig von der Stimme der jungen Rocksängerin Angel, die zu sehr an ihrer erfolglosen Band hängt, als dass sie sich auf eine eigene Karriere mit Mok einlassen würde. Also entführt Mok sie kurzerhand nach Nuke York um ihren Willen zu brechen. Ihre Freunde reisen ihr zur Rettung hinterher...


Schwermetall und Rock‘n Roll...

Der mit der Zeit in Vergessenheit geratene Flop „Rock & Rule“ schaut sich wie ein ungewöhnlicher Mix aus alten Don Bluth-Werken a la „Mrs. Brisby und das Geheimnis von Nimh“ und „Rock-a-Doodle“ und dem Anarcho-Trickfilm „Heavy Metal“, der heutzutage Kultstatus genießt. So wirklich ineinander greifen will dieser widersprüchliche Mix nicht, ist die Figurenzeichnung doch zu niedlich ausgefallen und spart die Geschichte doch zu sehr an Sex und Drogen, was die FSK-Freigabe ohne Altersbeschränkung extremst verdeutlicht, um mit „Heavy Metal“ mithalten zu können. Stattdessen setzt man auf eine größere Dosis Rock, unterstützt von namhaften Musikern wie Iggy Pop, Blondie und Lou Reed.

Verabschiedet man sich von der Vorstellung trotz der Science Fiction-Einflüsse und der gewählten Szene, in der man sich bewegt, es mit einem zweiten „Heavy Metal“ zu tun zu haben, kann der etwas schlicht ausgefallene „Drats“ (Alternativtitel) durchaus gefallen, ist er doch ein netter nostalgischer Trip in für das Jahr 1983 durchaus zeitgemäßer Animationsoptik, in welcher der Figurentyp der Helden zwar zu enttäuschen weiß (Heldin Angel ist kaum entfremdet), die Bösewichter wirken aber um so mehr. Die deutsche Synchronisation ist etwas zu albern ausgefallen, es lohnt also das Sichten der Originalfassung, aber selbst dann bleibt „Ring of Power“ (Alternativtitel) eine etwas kindische Angelegenheit, ist der Humor doch eher am jungen Publikum orientiert, auch wenn Spielereien mit Nippelabdrücken und Unterhöschen immer wieder Anarchoansprüche vortäuschen wollen.

Wie gesagt funktioniert dieser unausgegorene Mix für schlichte Gemüter und Nostalgiker aber durchaus, allein schon aufgrund der handgemachten Zeichnungen, die zu gefallen wissen. Zwar hat es mich etwas enttäuscht, dass die aus der nuklearen Katastrophe geborene neue Kultur sich von der des 80er Jahre Amerikas so gut wie gar nicht unterscheidet, der Mensch wurde lediglich gegen Rattenwesen ausgetauscht, letztendlich wandert der Film damit aber auf den typisch klassischen Wegen eines Disney-Films.

Der eigentliche Science Fiction-Fantasy-Gehalt dominiert erst im Finale, zuvor ist er die Randerscheinung bzw. die Grundstruktur einer Geschichte, die auch ohne diese Elemente umzusetzen gewesen wäre. Es braucht also nicht verwundern, dass ein Film, der sich so penetrant zwischen die Stühle setzt und so gar nicht den Erwartungen einzelner Publikumsgruppen entspricht, gefloppt ist. Trotz Parallelen zum Kult-Hit „Das Phantom im Paradies“ ist „Rock 'n‘ Rule“ weitestgehends vergessen, was aber auch daran liegt, dass er so gar keine wirklichen Hits beinhaltet, die als Ohrwurm nach dem Sichten hängen bleiben würden.

Wer nicht auf der Suche nach Coolness, düsterer Charaktere und Anarchie ist und gerne die familienfreundlichen Trickfilme Amerikas der 80er Jahre guckt, der wird recht anständig unterhalten, ohne tatsächlich etwas Großes gesichtet zu haben. Alle anderen werden verärgert den Kopf schütteln und sich wundern, dass ein Film über Rock‘n Roll und dämonische Kräfte aus Alternativuniversen derart infantil, bzw. familiengerecht ausgefallen ist. Es ist schon interessant, dass es ein solch vergessenes Werk geschafft hat in Deutschland auf DVD zu erscheinen. Wahrscheinlich hoffte man auf die Zugkraft der heute noch sehr populären Rocklegenden, die mal mehr und mal weniger am Produkt beteiligt waren.


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