01.05.2021

DIE VERGESSENEN (2004)

Seit über einem Jahr trauert Telly über den Tod ihres 8jährigen Sohnes, bis ihr Therapeut ihr eines Tages offenbart, dass der Junge nie existiert hat...

Die Wahrheit hinter der Tapete...

Zugegeben, der Aufhänger klingt ähnlich reizvoll, wenn auch nicht ganz so verstörend, wie jener des im selben Jahr erschienenen "Birth". Den starken Mutterinstinkt einer Frau erfolgreich in Frage zu stellen, oder allein diesen Versuch zu wagen, ist jedoch ein gewagter, da äußerst schwierig umzusetzender, Autoren-Schritt und nagt somit stark an der Glaubwürdigkeit des Stoffe. Dementsprechend weist eine solche Geschichte bei zu oberflächlicher Abarbeitung bereits in ihrer Grundidee Startschwierigkeiten auf. Auch der ein Jahr später veröffentlichte "Flightplan" versuchte sich in diesem Gebiet und schaute sich diesbezüglich in der Anfangsphase wesentlich stärker erzählt, als es "Die Vergessenen" tut. Das liegt aber auch daran, dass die von Drehbuch-Autor Gerald Di Pego verfasste Erzählung viel zu schnell mit offenen Karten spielt. Anstatt den Zuschauer lange Zeit im Unklaren über den psychischen Zustand der Protagonistin zu lassen, wie im mit Jodie Foster besetzten Vergleichsfilm, macht "The Forgotten" (Originaltitel) schnell deutlich eine Science Fiction-Geschichte zu sein. So rätselhaft er bei allen verzweifelten Bemühungen trotzdem noch bleiben will, so wenig Neugierde weckt der Rest der Chose, der sich auf seinem Weg zur Auflösung zu viele Fehlentscheidungen leistet. 

Weder das Erwachen des Nachbarn, noch dessen zuvor geglaubte Überzeugung sind glaubwürdig in die Geschichte integriert. Der Verschwörungsradius wird mit Fortschreiten der Ereignisse immer geringer, so dass nahe stehende Personen unnötig in besagte Verschwörung involviert sind. Und warum sich der Projektleiter der Aliens genötigt sieht im Finale schließlich Kontakt zu Terry aufzubauen, nur damit das Mainstream-Publikum eine klare Antwort und sogar ein Happy End erhält, will sich dem mitdenkenden Zuschauer nicht erschließen, auch nicht mit der Begründung, dass der Versuch gescheitert ist das Experiment aufrecht zu erhalten. Dass das Ganze zudem kaum im Thrill-Bereich funktioniert und in seinem zweiten Hauptaugenmerk des Dramas lieber auf gefühlsschwangere Emotionen mit einem gewissen Grad Esoterik setzt, anstatt auf empathisches Einfühlungsvermögen, verhindert dass aus "Die Vergessenen" auch im Lightmodus ein sympathischer Film werden kann. Aufgrund der schauspielerischen und technisch professionellen Leistung und durch die zumindest Restinteresse weckende, rätselhafte Geschichte steht man ihn aber immerhin fern der Langeweile und ohne aufdringliche Nervereien versehen bis zum Schluss durch. Nach dem sehenswerten "The Stepfather" bin ich von Regisseur Joseph Ruben aber ohnehin leider nur noch Routine gewohnt. Allerdings waren sein "Das zweite Gesicht" und "Der Feind in meinem Bett" zumindest noch sympathische Durchschnitts-Filmchen. "Die Vergessenen" wird mir hingegen nicht lange in Erinnerung bleiben.  OFDb

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