01.05.2021

THE GUEST (2014)

Eines Tages steht ein Mann vor der Tür von Familie Peterson und sagt er wäre David, ein Kriegsfreund des gefallenen Sohnes. Man bittet ihn zu bleiben, und schon nach recht kurzer Zeit wird David für alle Familienmitglieder ein helfender Freund. Als sich Todesfälle im sozialen Umfeld häufen, wird Tochter Anna misstrauisch und forscht bei der Army über David nach. Das hätte sie besser nicht getan...

Der Psychopath, mein Freund und Helfer...

Stimmig und zunächst auf klassische Art erzählt, geht "The Guest" anfangs den typischen Weg der Thriller um einen Fremden, dem man Vertrauen schenkt, um es hinterher zu bereuen. Es verwundert ein wenig, dass uns David sehr früh bereits klar als Täuscher offenbart wird. Die Geschichte, würde sie so verlaufen wie man es vermutet, hätte es auch zugelassen dass der Soldat im Laufe der Zeit zu Unrecht verdächtigt wird. Stattdessen präsentiert man uns nach viel freundlichem Miteinander bei seiner ersten Soloszene einen psychopathisch dreinblickenden, fast unmenschlichen Mann. Ein Hauch Horror weht in diesem sehr kurzen Moment innerhalb eines Thrillers, der nicht zur unheimlichen Filmrichtung gehört, auch wenn diese Sequenz diesbezüglich nicht die einzige Verwandtschaft zum übernatürlichen Genre bleiben soll. Dennoch bleibt das Werk vom "You're Next"-Regisseur Adam Wingard, der dem hier besprochenen Film den müden "Blair Witch 3" nachgeschoben hat, ein waschechter Thriller. 

Glaubt man lange Zeit lediglich den Bereich der Home Invasion serviert zu bekommen, erlebt die Geschichte mit dem Telefonat von Tochter Anna (erneut überzeugend gespielt vom "It Follows"-Frontgirl Maika Monroe) eine Wende, die dem Werk zusätzliche Möglichkeiten bietet, die er aber lediglich mit ein paar Actionszenen zu bereichern weiß und mit Andeutungen, die den Film, bestätigt durch seine Schluss-Sequenz, auch in den Bereich der Science Fiction deuten lässt. Klare Antworten diesbezüglich bekommt man jedoch nicht, was aber in der gewagten Art und Weise wie damit umgegangen wird zum Pluspunkt eines Streifens wird, der ansonsten trotz überraschender Wendungen und solider Umsetzung etwas zu gewöhnlich ausgefallen ist. Dabei ist dies beileibe nicht sein einziger Pluspunkt. Da ist eine sexy Hauptfigur inmitten einer gut agierenden Besetzungsriege, da haben wir eine spannend erzählte und hübsch fotografierte Geschichte, die Unsinnigkeiten gut genug umgeht um auf Kinobasis glaubwürdig zu bleiben, wir haben einen ungewöhnliches und atmosphärisches Set im Finalgeschehen, eine Direktheit in grafischer, wie auch in emotionaler Härte, untermalt wird der teilweise wendungsreiche Film mit einem wirklich guten Soundtrack, und ungeklärte Rätsel wissen den damit allein gelassenen Zuschauer zu faszinieren. 

Und doch fühlt sich "The Guest" etwas eindimensional, zu oberflächlich abgehandelt an, als dass er mehr als die kurzweilige Ablenkung vom Alltag wird. Die Geschichte greift nicht tief, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hätte das Bürgertum, die Klassengesellschaft, die Karrierewelt und das Militär gesellschaftskritisch zu hinterfragen. Stets unternimmt das Drehbuch inhaltliche Ansätze, die man aus vergleichbaren Werken kennt, um sie nicht konsequent genug weiter zu verfolgen. Es wird im Rückblick betrachtet zudem nicht ersichtlich, warum sich David derart großzügig bemüht helfend gibt. Es gibt nicht einmal eine Antwort darauf, wer der Mann, der sich als David ausgibt, überhaupt tatsächlich ist und warum er gerade, eine Gesichts-OP mehr als andeutend, diese Identität und den Weg zur Familie des verstorbenen Freundes der Identität auserwählt hat. Von einem erkennbaren Ziel, welches er anvisiert hat, bevor er vom Militär gestört wird, ist ebenfalls nichts zu bemerken, obwohl es da so einige reizvolle Gemeinheiten hätte geben können, gerade mit Blick auf die attraktive Tochter und dem naiven, gelehrigen Sohn.

Manches abgebrochene Szenario scheint der Täuschung zu dienen, manches dem strategisch ausgeklügelten Manöver des Soldaten, vieles bleibt jedoch nicht zu Ende erzählt im Raum stehen, gerade was die Bereiche betrifft, mit denen David den einzelnen Familienmitgliedern hilft. Diese Phasen schauen sich alle während sie passieren interessant, und die Geschichte weiß einen auch dann mitzureißen, wenn man bemerkt wie viel Erzähltes ins Offene läuft, um sich schon wieder anderen Dingen zuzuwenden. Das ist inmitten dieses Schwachpunktes zumindest ein Pluspunkt, welchen wir der dichten Erzählung durch "Godzilla vs. Kong"-Regisseur Adam Wingard zu verdanken haben. Aber derartige Lücken, welche über die faszinierenden, offenen Rätsel, die ich vorhin lobend erwähnte, weit hinaus gehen, wirken in dieser Schlagzahl zu inkonsequent, um das eigentlich gelungene, da tadellos unterhaltsame Werk, in einem wahrlich sehenswerten Licht erstrahlen zu lassen. In seiner Inkonsequenz, gepaart mit dem fehlenden Tiefgang, ist er einfach kein qualitativer Film geworden, sondern tatsächlich nur ein handwerklich hervorragend ausschauender, nicht unsympathischer Routine-Film für zwischendurch. Zumindest hinterlässt "The Guest" nie den Eindruck, dass er etwas Größeres als dies sein möchte. Deswegen verzeiht man dem Film derartiges.  OFDb

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