Samstag, 30. Juni 2012

PORNO HOLOCAUST (1981 Joe D'Amato)


Aufgrund von Atomverschmutzung geht auf einer Insel das Grauen um...


Quickie-Lebendig

Ich habe den Film als "Insel der Zombies" in der geschnittenen FSK 16-Fassung gesehen. Und egal was da nun fehlt, ob es Gore oder Sex ist, ich denke man muss es nicht gesehen haben in der Hoffnung der Streifen würde dadurch interessanter ausfallen. Was dieses Werk bietet kann durch solch quantitative Einlagen nicht aufgewertet werden, geschweige denn den Film in unterhaltsame Gefilde umlenken.

Zunächst erleben wir in den ersten 45 Minuten nur einen Flirt nach dem nächsten und das Ausüben des Beischlafes in verschiedenen Varianten eingebettet in so etwas wie einen ganz dünnen roten Faden, der aber eigentlich gar nicht berücksichtigt wird. Die Dialoge sind dümmlicher Natur, aber ohnehin nur Nebensache, da die weiblichen Darsteller der härteren Sparte Nacktfilm entliehen sind. Die Herren fallen höchstens wegen ihrer heutzutage so lächerlich wirkenden Bärte auf. Schauspielern kann da niemand, wäre auch was schade, denn Regisseur Joe D'Amato hat auch keine Ahnung von Regie, diese noch nie gehabt, und da wäre das ohnehin Perlen vor die Säue gewesen.

Die Sexszenen werden bei der von mir gesichteten FSK 16-Fassung freilich nur angedeutet, aber dies so abrupt, dass viele harmlosere Erotikfilmchen mit selbiger FSK-Freigabe im Privatfernsehen dem Freizeitspanner wesentlich mehr nackte Haut bieten als es „Porno Holocaust“ je könnte. Was uns da an Erotik geboten wird ist weder sonderlich fantasiereich bzw. anregend präsentiert, noch in irgendeiner Weise überhaupt erotisch zu nennen. Für den Großteil des Zielpublikums, das es gerne groß und üppig mag, ist da ohnehin nichts zu erblicken. Aber selbst der hartgesottenste Fan des Sex-Genres müsste von der Lustlosigkeit der Darsteller und der uninspirierten Herangehensweise enttäuscht sein. Wer als Zielpublikum trotzdem noch übrig bleibt und das ganze irre scharf findet, wird auch mit dem „Express“-Titelgirl des Tages die Möglichkeit finden seinen Trieben nachzugeben.

Die einzig halbwegs anzutreffenden Pluspunkte sind die Inselkulisse und die Filmmusik. Da die Musik aber lediglich okay zu nennen ist und die Möglichkeiten der schönen Insel nicht genügend ausgenutzt werden, ist auch dies nicht wirklich der Erwähnung wert.

Nach besagten 45 Minuten erscheint der erste Zombie, und ob der nun wirklich einer ist darf angezweifelt werden. Es scheint viel eher ein Mutant zu sein, ebenso wie die Untoten, die ihm noch folgen werden. Sie alle waren irgendwelchen Tests ausgesetzt, oder haben die Nachwirkungen dieser durch Betreten der Insel am eigenen Leib spüren müssen. Sie morden nicht aus Hunger, wie es für einen Zombie üblich ist, sondern töten ihre Opfer auf sehr menschliche Art, z.B. durch erwürgen. Außerdem besitzen sie nach wie vor ihren Sextrieb.

Dass gerade dies eine gute Idee hätte sein können, kann man in den Händen Joe D'Amatos vollends vergessen. Zombies töten aus dem Urtrieb des Fressens heraus. Was läge da näher, dass sie auch noch den anderen Urtrieb spüren? Wie gesagt, im hier besprochenen Werk verpufft diese Idee, zumindest habe ich sie vorher aber noch in einem anderen Film erleben dürfen. Erst mit „Braindead" und später auch im Kurzfilm „The Wildlife Explorer" wurde an dieser Idee weiter angeknüpft.

Das Make Up der Mutanten ist erbärmlich zu nennen, die Attacken der Wesen und deren Folgen sind auch für eine 16er-Version viel zu harmlos ausgefallen und tricktechnisch schlecht umgesetzt. Über das Drehbuch und die Logik des Streifens sollte man besser den Mantel des Schweigens legen. Dennoch einige Anmerkungen hierzu: die Frauen laufen selbst dann noch nackt herum und treiben es mit allem was sich bewegt, wenn die Zombiebedrohung bekannt ist und auch dann noch wenn so ziemlich jeder tot ist. Selbst wenn kaum noch wer lebt beschäftigen sich die letzten Überlebenden mit irgendwelchen Nichtigkeiten ohne dabei auch nur einen kurzen Gedanken an ihren eigenen Schutz zu verschwenden, ...

Ach, wie lange könnte ich diese Liste an Unsinnigkeiten noch fortsetzen. Außerdem darf mal wieder das Element "Monster liebt Frau" nicht fehlen. Ob ich das in dieser von "Frankensteins Braut", "Octaman" und Co abgeleiteten Form in einem Zombiefilm schon jemals sah, entzieht sich meiner Erinnerung, ich glaube aber derartiges im Zombiebereich noch nicht erlebt zu haben. Klar gab es auch in diesem Sub-Genre Liebschaften, wie beispielsweise in "Return Of The Living Dead 3" oder „Zombie Honeymoon", nicht aber in jener Form, in welcher der Zombie/der Mutant nichts menschliches mehr in sich trägt und erst in diesem Zustand die Frau kennen lernt.

Wenn der Zombie nun noch dem entführten Weib in seiner Behausung Geschenke wie beispielsweise Obst und Blumen überreicht, was ein wenig an das affige Verhalten eines „Koloss von Konga“ erinnert, könnte man fast meinen hier entstehe eher ein neuer Urstamm, bei so viel menschlichem Verhalten. Dieser Vergleich ist ohnehin nicht ganz verkehrt, dringen die Inselforscher doch schließlich in deren Territorium ein, und das würden Wilde als Bedrohung ansehen. Liefert D'Amato damit eine verfrühte Version von Romeros Vision von „Land Of The Dead“? Nein, denn dafür waren D'Amatos Werke ohnehin schon immer viel zu sehr im Tunnelblick verankert, als dass er diese soziale Ungerechtigkeit überhaupt erkennen könnte. Die Einheimischen sind Mutanten und deshalb Monster, Punkt! Und somit hat der Mutant keine Menschenrechte, und der Mensch als das Überwesen das Recht über alles und jeden zu bestimmen und zu verfügen wie es ihm gerade passt. Der Zombie hat sich dem zu fügen.

Da die Inselforscher keine Waffen bei sich tragen, bleiben uns zumindest hirnlose Actionszenen erspart, die das Budget wahrscheinlich zu weit in die Höhe getrieben hätten. Andererseits ist es schon faszinierend mit anzusehen, wie wirklich keiner der Protagonisten auf die Idee kommt, sich zum natürlichen Schutz vor der Gefahr eine Waffe zu beschaffen, und sei es nur ein spitzer Stock, um einmal mit den Gedanken der Monty Python-Truppe zu spielen.

Dieses Filmprojekt ist voll in die Hose gegangen, was thematisch in dieser Doppeldeutigkeit sicherlich nicht zwingend verkehrt hätte sein müssen. Wäre mir der Titel "Porno Holocaust" vorher geläufig gewesen, wäre ich sicherlich mit anderen Erwartungen an den Film herangegangen. Nicht dass mir „Insel der Zombies“ dann gefallen hätte, aber der Schock des zu Sehenden wäre mir erspart geblieben. Ob nun vorgewarnt oder nicht, "Porno Holocaust" ist ein Film der Zombie-Fans dreist verarscht und verärgert und selbst dann nicht gefallen dürfte, wenn man ein Freund des legendären Bahnhofskinos ist.

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