Freitag, 27. Juli 2012

STIEFBRÜDER (Step Brothers 2008 Adam McKay)


Robert und Nancy könnten ein glückliches Paar sein, doch beide haben aus ihren ersten Ehen etwas mitgebracht: verzogene 40jährige Jungen, die aufgrund ihrer Unselbstständigkeit noch bei ihren Eltern wohnen. Zunächst können sich Brennan und Dale nicht riechen, aber sie erkennen ihre Gemeinsamkeiten, spätestens als Robert darauf besteht sie mögen sich einen Job suchen...


Kindsköpfe...

Deutsche Universitäten haben vor einiger Zeit herausgefunden, dass der Durchschnitts-Deutsche mit etwa 30 Jahren seine erwachsene Reife erhält. Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass es in Zeiten des Wohlstands scheinbar länger dauert erwachsen zu werden als üblicher Weise. Noch lange nach dem 18. Geburtstag spielen Leute Videospiele, wollen sie keine Kinder haben, gucken sie „Krieg der Sterne“ und haben sie womöglich ihre eigene kleine Video- und CD-Sammlung zu Hause. Das sind viele Attribute, die auch mit dem Erreichen der Reife häufig nicht abgelegt werden. Wir sind Kinder der Popkultur, wissen diese von klassischer Kultur kaum noch zu unterscheiden und haben gelernt, dass Erwachsen sein nicht bedeutet irgendwelchen konservativen Vorschriften zu folgen, sondern mitten im Leben zu stehen, irrelevant welche Hobbys oder welchen Lebensstil man dabei frönt.

Eine solche Gesellschaft bringt jedoch auch Problemfälle hervor, Menschen, die bis ins Erwachsenenalter noch bei ihren Eltern leben, die aufgrund ihrer Unreife nichts für die Arbeitswelt taugen und die, häufig Dank mangelnder Bildung im Elternhaus, nie Ironie verstehen und selbstständiges Denken und Handeln gelernt haben. „Zum Ausziehen verführt“ schien eine Komödie zu sein, die sich mit dieser Thematik beschäftigt, blendete jedoch nur mit seinem Aufhänger, um eine klassische RomCom zu präsentieren. „Stiefbrüder“ geht schon eher in die richtige Richtung, verschenkt seine Idee jedoch für phantastischen Klamauk.

Dabei geht es nicht so unterirdisch zu, wie z.B. in Sandlers Komödie „Billy Madison“ oder dem Pauly Shore-Klamauk „Bud und Doyle“. Er begeht aber den selben Fehler, wie diese beiden kaum zu ertragenden Produkte: er heißt ein geringes Entwicklungstadium für "Erwachsene" gut, in dem man nicht alleinständig lebensfähig ist, kein Wertegefühl entwickelt hat und welches den Stand einer psychischen Erkrankung erreicht hat.

„Stiefbrüder“ meint es gut mit seiner Botschaft man solle sich sein kindliches Gemüt beibehalten, aber er präsentiert es an zwei solch infantilen Beispielen, dass man das Thema nicht mehr ernst nehmen kann und den Film nur noch als reinen Unterhaltungsfilm konsumieren kann. Und so ist er letztendlich auch gedacht.

Man kann nicht abstreiten, dass die beiden Hauptdarsteller Will Ferrell und John C. Reilly ihre Sache gut machen. Sämtliche Eigenschaften von Kindern haben sie wunderbar abgeguckt und in ihr Nerv-Repertoire eingebaut. Unterstützt von einem Drehbuch, welches immer wieder neue Winkel ausleuchtet um uns mit infantilen Dämlichkeiten vor den Kopf zu stoßen, blödeln die beiden los als ob es kein Morgen gäbe. „Stiefbrüder“ ist Klamauk pur, und das will er auch sein. Eine Sympathie für die Figuren entsteht dabei jedoch nicht, ist vom Drehbuch jedoch so gewollt.

Da mögen Ferrell und Reilly noch so einfallsreich improvisieren können, wenn das Grund-Thema nicht einen Hauch ernst angegangen wird, kann der Film nicht vollends funktionieren. Wenigstens der Hauch von Drama hätte wehen müssen, um den ernsthaften Zustand aufzuzeigen in dem sich die beiden „Helden“ befinden. Ein „Shopping-Center King“ schaffte selbiges beispielsweise mit einer Hauptfigur, die unter einer anderen geistigen Störung litt, und dieser Film war alles andere als eine Tragikomödie. Aber es wehte besagter Hauch von Ernsthaftigkeit im Film, ein Hauch der es z.B. auch in die Klamaukfilme der 80er Jahre von Dieter Hallervorden geschafft hat.

„Stiefbrüder“ will von solchen Alternativen jedoch nichts wissen und reitet sich selbst damit in die Belanglosigkeit einer phantastischen Weltsicht, in der selbst die infantilsten Vollidioten respektiert werden müssten, bzw. noch viel schlimmer: es irgendwann schaffen den Respekt ihrer Zweifler zu gewinnen. Das ist typische unreflektierte Amerika-Naivität, so unreif wie seine Protagonisten, und gerade hier hätte die Grenze stattfinden müssen. Der Film hätte sich von seinen Hauptfiguren distanzieren müssen, um das hemmungslose Geblödel auf angenehmer Grundlage abliefern zu können.

Ich bin kein Gegner von Klamaukfilmen, mag die geistlose „Police Academy“-Reihe ebenso wie die auf Nostalgie setzende „Eis am Stiel“-Reihe. Ich respektiere die Arbeiten von Dieter Hallervorden, Stan Laurel und Pierre Richard. Aber keines dieser aufgezählten Werke beging den Fehler die gezeigten Albernheiten als Richtigkeiten darzustellen. Und auch wenn „Stiefbrüder“ lediglich ein geistloser Unterhaltungsfilm sein will, so suggeriert er dennoch so etwas wie eine Botschaft, und die kann bei dieser Herangehensweise nur fehlerhaft sein, ob sie nun gewollt vorhanden ist oder sich durch das angewandte Thema lediglich nicht verhindern ließ.

Regisseur Adam McKay hat 2 Jahre zuvor bewiesen, dass er es besser kann. Da schickte er mit „Ricky Bobby“ einen Außenseiter ins Rennen, ebenfalls von Ferrell in Begleitung von Reilly gespielt, der sich zwar nicht kindisch verhielt, aber auf andere Art egozentrisch und sozial fehlorientiert war. Dort wurde der Charakter mit Respekt behandelt. Dort suchte man die Konfrontation mit der Außenwelt, um den Charakter zu verstärken, anstatt ihn bestätigen zu wollen. In „Stiefbrüder“ verfolgt man leider gegenteiliges Ziel.

Ich habe die hier besprochene Komödie bis zum Schluss durchgehalten, aber selbst als reiner Klamaukfilm gesehen ist er mir zu anstrengend anzuschauen. Das infantile Getue geht trotz aller Sympathie des Spiels der Hauptdarsteller irgendwann auf die Nerven. Und wenn sich in einer Wende die zuvor präsentierten Gestalten plötzlich darin beweisen, dass sie erwachsen sein können, geht es nur noch bergab. Ab da wird „Stiefbrüder“ selbst für eine Klamaukkomödie zu unglaubwürdig und entlarvt seine Figuren letztendlich darin, in ihrer Art doch immer nur absichtlich anderen weh getan zu haben. Ein Glück dass dieses Manko erst so spät in Erscheinung tritt. Bis dahin hat der Film zumindest mit manch lustiger Szene amüsiert.


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