Donnerstag, 26. Juli 2012

TEUFELS WERK UND GOTTES BEITRAG (2010 Helge Cramer)


Eine junge Frau behauptet vom Teufel besessen zu sein und bekommt mehrere Exorzismen. Regisseur Helge Cramer darf sie zu diesem Thema befragen und zieht Parallelen aus dem Fall Anneliese Michel aus den 70er Jahren, den der gute Mann damals auch schon dokumentierte. Anhand der beiden Beispiele wirft Cramer einen Blick auf den Umgang mit Exorzismen beim Christentum in Deutschland und dem Vatikan...


Teufel im Leib...

Bei der Überschrift handelt es sich keinesfalls um einen Verdreher. Wir haben es hier nicht mit der Literaturverfilmung zu „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ und einem tolpatschigen Review-Autor zu tun, sondern mit einem Dokumentarfilm über Teufelsaustreibungen im Heute, und wenn man den Film gesehen hat muss man doch sagen, dass der Titel sehr gut gewählt wurde, da er wie die Faust aufs Auge passt.

Mit einem Papst im Amt, der vor seiner Papstzeit so einiges mit dem Thema Exorzismus zu tun hatte, ist das nicht tot zu kriegende Thema Teufelsaustreibung modern wie eh und je, zumal moderne Korrekturen des Vorgängers von Benedict XVI nach dessen Amtseintritt schnell wieder auf mittelalterlichem Wege korrigiert wurden und Benedict damit für einen Weg des Rückschritts steht.

Cramer ist nicht ohne. Er darf über den aktuellen Fall einer Frau berichten, an der Exorzismen vollzogen werden, so lange er daran nichts kritisiert. Also bezieht sich der gute Mann auf den Fall Anneliese Michel und diversen Interviews mit innerkirchlichen Exorzismus-Gegnern, um das zu tun was er im Bereich seines Versprechens nicht darf. Er darf über besagten Fall keine kritischen Worte äußern, aber er gab keine Zusage darüber, dass sein Dokumentarfilm nicht zum Anti-Exorzismus-Film wird.

Somit ist „Teufels Werk und Gottes Beitrag“ keinesfalls eine objektive Betrachtung geworden, sondern verfolgt das Ziel eine Meinung kund zu tun, in dem man versucht diese sachlich zu begründen. Als rationaler Mensch teile ich selbstverständlich die Meinung die im Film aufgegriffen wird und finde die einseitige Betrachtung auch keineswegs verkehrt, da der Film sich lediglich gegen etwas wehrt, was den Menschen für dumm verkauft und als Verbrechen legal im Alltag unter dem Schutzmantel des Rechts auf Glauben stattfinden darf.

Die Dokumentation deckt dabei nicht so viel auf wie ich mir gewünscht hätte, aber allein die Informationen über Anneliese Michel waren sehr interessant, deren Fall ich nur aus den Filmen „Requiem“ und „Der Exorzismus von Emily Rose“ kannte, nicht aber durch Fakten. Interessant dass beide Filme sich an verschiedenen Seiten der Wahrheit orientieren und jeweils andere Dinge hinzuerfinden.

Für einen aufgeklärten Menschen wirkt das ein oder andere Interview im Film, ob nun aus der Vergangenheit oder der Gegenwart, schockierend, verstecken sich Menschen doch hinter Phrasen und Leergeschwätz, um etwas zwingend als vorhanden anzuerkennen was nicht existent ist. Mit dieser Haltung werden nicht nur begangene Verbrechen legitimiert, der Grund der ganzen Sache den „Teufels Werk und Gottes Beitrag“ zudem auch als Auflösung der Dokumentation präsentiert liegt auch klar auf der Hand: der Teufel hilft dem Menschen zu glauben, auf Zwang, unter Druck. Wer nicht den Rachegott predigt, sondern den gütigen, der ist auf den Teufel noch mehr angewiesen als ohnehin schon. Quasi wird der Teufel dann gebraucht, wenn nicht geglaubt werden will. Welch Widerspruch, wenn man als Kirche doch Leute sucht die eigentlich von sich aus glauben sollten. Dass solche Methoden prinzipiell auch im Widerspruch zur Religionsfreiheit stehen, ist zumindest ein Diskussionsansatz der nicht uninteressant wäre.

So weit geht Cramers Film jedoch nicht. Das ist auch gar nicht sein Ziel. Etwas mehr Gehalt hätte er jedoch sehr wohl vertragen können. Dennoch ist sein aktuelles Werk durchaus einen Blick wert, auch wenn ich mir eigentlich mehr vom Film versprochen habe.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen