Donnerstag, 9. August 2012

THE DEATHLESS DEVIL (Yilmayan Seytan 1973 Yilmaz Atadeniz)


Der maskierte Held Kupferkopf kämpft gegen den Bösewicht Dr. Satan, der die Erfindung eines Wissenschaftlers nutzen will, um mit Hilfe von Robotern die Weltherrschaft an sich zu reißen...


Küsperletheater...

Die Türken versuchten sich in ihrer cineastischen Vergangenheit des öfteren an Neuverfilmungen amerikanischer Werke. Dabei griff man meist auf Erfolge zurück, so dass aus „E.T.“ „Badi“ wurde, aus „Krieg der Sterne“ „Turkish Star Wars“ oder aus „Der Exorzist“ „Turkish Exorcist“. Im Falle von „The Deathless Devil“ griff man jedoch auf ein relativ unbekanntes Werk zurück, und zwar auf die 40er Jahre Serie „Die Rache der kupfernen Schlange“, welche die Jagd des im Titel genannten Superhelden gegen Dr. Satanas thematisierte. Aus der kupfernen Schlange wurde der alberne Name Kupferkopf und aus einer schnell heruntergedrehten, anspruchslosen Serie ein dilettantischer Haufen Unsinn.

Und was für einer... man kann es mal wieder kaum in Worte fassen. Trotz dem Einbringen peinlichster Komik, die in ihrem Stil in Europa damals leider Standard war (so auch wiederzufinden in den „Flotte Teens“-Filmen aus Italien oder in der Hausmeisterrolle des deutschen Werkes „Musik, Musik, da wackelt die Penne“), ist das untalentierte Kasperletheater an sich tatsächlich recht ernst gemeint. Scheinbar wollte man Popkornkino für die Erwachsenen schaffen.

Die Geschichte macht zu kaum einem Zeitpunkt Sinn, Logiklöcher gibt es zuhauf (jemand, der im Koma liegt, kann z.B. auf ein Fluchtfahrzeug verweisen, welches er gar nicht mitbekommen hat), die Kampfchoreographie ist billigst, die Musikuntermalung passt des öfteren nicht zu den Szenen auf die sie gelegt wurde, Schauspieler unterbieten einander im Untalent, so dass der Overacting betreibende Dr. Satanas gar noch am positivsten hervorsticht, und das Drehbuch dreht sich endlos im Kreis, bis es sich nach etwa 85 Minuten dazu entschließt den Streifen endlich zu beenden.

Geld hatte man freilich nicht zur Verfügung, deswegen wurde auf verschiedenstem Filmmaterial gedreht. Und genau aus dem gleichen Grund darf man wohl auch den lächerlichsten Roboter der Filmgeschichte sichten. Ich weiß dass Stammleser nun sagen werden dies hätte ich schon oft behauptet. Aber wer konnte schon ahnen, dass selbst das Design der Roboter aus „Target Earth“ und Co noch zu unterbieten wären? Der „Deathless Devil“-Roboter wäre nach unten hin nur noch durch das Verkleiden in Alufolie zu toppen, so hirnverbrannt billig tappst er in einem Papp- oder Plastik-Kostüm umher, in welchem er nur kleine Schrittchen laufen kann.

Ein guter Teil der unfreiwilligen Komik geht auf das Konto des ab und an erscheinenden Blechkastens, der im Schneckentempo auf seine Opfer zusteuert, die sich wehrlos seinem Würgegriff ergeben, da scheinbar allein die Vorstellung eines Maschinenmenschen bei den Leuten einen solchen Angstzustand erzeugt, dass Weglaufen oder Umschuppsen als Alternative gar nicht erst in den Sinn kommen. Roboter - wohl ein Wort, das im Türkischen eine mächtige Bedeutung haben muss, wenn man der lahmen Gefahr so viel Respekt entgegen bringt.

Was das Herkunftsland an sich betrifft: mit tollen Bildern dieses wunderschönen Landes braucht man nicht zu rechnen, würde dies doch Talent vom Kameramann voraussetzen, und der hebt sich diesbezüglich nicht vom Rest der Crew ab. Mit deutschen Ohren klingt es zudem noch recht ungewöhnlich, wenn türkische Ortschaften und Namen selbstverständlich durch eine Filmgeschichte geistern und eine Story auf den Werten des moslemischen Glaubens anstatt auf dem christlichen beruht. Egal ist es alle Male, und innerhalb des albernen Herumgekaspers schimmert es ohnehin kaum durch. Dagegen ist die türkische Sprache, die in deutschen Ohren so belustigend klingt wie die holländische, eine Zutat, die um so dominanter wirkt. Arte zeigte den schäbigen Streifen gütiger Weise im Original mit deutschen Untertiteln, was dem ganzen viel zusätzliche Lustigkeit beschert, zumal der Ton in seiner Qualität so schlecht ist wie der Rest des Films.

Überrascht darf man aufgrund der Herkunft des Films über seine Freizügigkeit sein. Sicherlich hätte nur jemand mit Vorurteilen mit Darstellerinnen in Kopftüchern gerechnet, aber die langen Beine im kurzen Kleid, die hier durchs Bild stolzieren und sogar die nackte Oberweite einer Darstellerin während einer Sexszene sind schon Extreme, die ich nicht erwartet hätte. Darin und in der handvoll blutiger Momente erkennt man auch das Anliegen des Filmes einem erwachsenen Publikum gefallen zu wollen. Diese Behauptung ist somit keine reine Theorie. Um so peinlicher ist das Werk im Hinblick auf sein Ergebnis.

„The Deathless Devil“ hatte so gar keine Chance ein gelungener Film zu werden, da wirklich niemand auch nur den Hauch einer Ahnung hatte was man da gerade filmisch zusammenzimmert. Dementsprechend lustig ist das Ergebnis ausgefallen, so dass der Streifen, der im Original „Yilmayan Seytan“ heißt, zur absoluten Granate für Freunde schlechten Kinos wird. Das hohe Tempo, welches der Regisseur inhaltlich an den Tag legt, wird allerdings durch das sich ständig wiederholende Drehbuch ausgebremst, da man nicht kapierte, dass man aus einer Kinoserie mit Cliffhanger für einen Kinofilm das Erzählkonzept ändern müsste. Somit wirken die 85 Minuten Laufzeit trotz aller Freude ein wenig gestreckt. Das sollte dem Fan cineastischen Unfugs jedoch nicht davon abhalten einzuschalten.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen