Samstag, 29. September 2012

GINJI DER SCHLÄCHTER (Hitokiri Ginji 2003 Takeshi Miyasaka)


Nach 50 Jahren Haft kommt Soldat Ginji aus dem Gefängnis frei. Einige Jahre nach Kriegsende tötete er aus Rache gegen seinen einstigen Verbündeten Kuroda mehrere Dutzend Menschen. Nun wieder frei wird Ginji von allen Seiten beobachtet: von Kuroda, der mittlerweile ein mächtiger Politiker ist, von dessen Gegnern und von einer Reporterin. Ein junger Südkoreaner freundet sich mit dem wortkargen alten Mann an, nichts ahnend von dessen Vergangenheit, Fähigkeiten und Gegnern...


Helden kennen keine Rente...

Irgendwo sympathischer Schurke, irgendwo hitzköpfiger Held, so ganz klar lässt sich nicht definieren wo der Charakter Ginji hineinzustecken ist. In jungen Jahren handelte er aus richtigen Prinzipien falsch, 50 Jahre später ist er altersweise und handelt überlegter. Soziale Intelligenz kann man dem kampferfahrenen Mann nicht bescheinigen, verhält er sich doch selbst noch dann ruppig, wenn er zu jemandem gut sein möchte.

Japan braucht keine strahlenden Helden für gute Geschichten, und so ist der Charakter der Hauptfigur ebenso schwer einer Kategorie zuzuordnen wie der Film selbst, der neben Kampfsport und Drama auch Komik durchschimmern lässt, und in einigen Momenten gar kleine Fantasy-Elemente einbringt.

Die Geschichte weist Elemente von „Leon - Der Profi“ ebenso auf, wie von der alten Verfilmung „Karate Kid“. Asia-Experten mögen mir verzeihen. Das japanische Kino ist mir nicht so geläufig, so dass es sicherlich Parallelen zu passenderen Filmen gibt. Und doch sind meine Vergleiche legitim, wenn auch nicht den Kern von „Ginji der Schlächter“ treffend, sondern eher manch inhaltliche Randerscheinungen.

„Ginji der Schlächter“ lebt hauptsächlich von seiner Tragik und rar verstreuten Komik, die ihm, so gut die Kämpfe auch choreographiert und umgesetzt sind, seine schönsten Momente bescheren. Nicht jeder tragische Aspekt ist logisch, gerade gegen Ende, aber mit Abstand betrachtet ist die nett zu guckende Geschichte ohnehin oft unsinnig, was wett gemacht wird über den Charakter Ginjis und seiner rätselhaften Vergangenheit.

Seine lustigste Stelle hat der Streifen meiner Meinung nach, wenn Ginji von einem ihm noch unbekannten jungen Mann etwas zu Essen geschenkt bekommt, und sich im Laufe des ersten Drittels herausstellt, dass besagter junger Mann Südkoreaner ist. „Ach deswegen hat das Essen so komisch geschmeckt!“

Da sich Gut und Böse stets vermischen, kristallisiert sich auch erst mit der Zeit heraus, wer nun der wahre Gegner Ginjis wird. Die Erzählung pendelt hierfür zwischen Gegenwart und Vergangenheit und vereint in einigen Fantasyszenen beide Zeitebenen miteinander. Jung und alt arbeitete man nicht mit Maske heraus, sondern man besetzte schlichtweg einen alten und einen jungen Schauspieler für die jeweilige Zeit, in welcher der Film spielt. Es wurde optisch glaubhaft gecastet, und beide spielen überzeugend, wobei man den alten Ginji schauspielerisch hervorheben muss, ist er doch die talentierteste Person des ganzen Streifens.

„Ginji der Schlächter“ ist eine Billigproduktion. Das zeigt sich manches mal in schlichterer Videooptik, aber auch anhand manch mauer Location und einigen schlecht gecasteten Randfiguren. Der übliche Japan-Klamauk, der meist von einer Einzelperson eingebracht wird, erscheint diesmal nur am Rande, verkörpert durch einen erfolglosen Versicherungsvertreter, den man, unlustig wie er auf mich wirkte, ruhig aus der Story hätte streichen können. Die Geschichte hätte ohne große Probleme auch ohne ihn stattfinden können, wird er doch einzig und allein des Klamauk wegen eingebracht.

Der Soundtrack ist simple Routine, die FSK 16 recht blauäugig, wenn man manche Blutfontäne bedenkt, die beim Absäbeln von Armen entsteht. Solche Szenen nötig hat „Ginji der Schlächter“ eigentlich nicht, und da gerade anfangs mit solchen Momenten gearbeitet wird, entsteht zunächst ein falsches Bild. Erst mit Entlassung aus dem Gefängnis zeigt der Streifen sein wahres Ich. Und für ein Produkt seines recht kostengünstigen Niveaus ist das Action-Drama überraschend kurzweilig ausgefallen, lässt ab und an sogar Tiefe erkennen, die sich jedoch im Gesamtbild nicht ganz entfalten kann. Ist aber eh egal, „Ginji der Schlächter“ weiß als simpler Film zu gefallen, und für einen solchen besitzt er dank seines Entstehungslandes ohnehin mehr Transparenz als ein vergleichbares Produkt aus den USA, Kanada oder England.


OFDb

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