Montag, 24. September 2012

THE 4TH FLOOR (1999 Josh Klausner)


Anstatt mit ihrem Freund zusammen zu ziehen, bezieht Jane ein Appartement ihrer verstorbenen Tante. Dort wohnt es sich jedoch nicht so schön wie erhofft. Aus oberflächlich freundlichen Nachbarn werden unfreundliche. Und eines Tages hat Jane gar einen Drohbrief an der Wohnungstüre hängen. Irgendwer spielt mit ihr Psychospielchen und will sie aus der Wohnung drängen. Jane bangt bald um ihr Leben...


Nachbarn kann man sich nicht aussuchen...

Produzent Boaz Davidson bringe ich eigentlich mit billig heruntergedrehten Schundfilmen in Verbindung. Mir war völlig neu, dass der Mann, der einst bei den ersten Teilen der „Eis am Stiel“-Reihe Regie führte, auch die etwas bessere Art Film finanziert. Man lernt nie aus. Der hier besprochene Thriller ist eine seiner Ausnahmeproduktionen, und grob betrachtet ist dieser auch nett ausgefallen.

Die Besetzung ist in den meisten Fällen gut gewählt (Juliette Lewis und die Mieter), manchmal auch nur o.k. (der diesmal blasse William Hurt). Klarer Trumpf von „The 4th Floor“ sind seine Charaktere, auch wenn einige den Pfad der Realität verlassen und den Comicbereich streifen (der Hausmeister und im Finale sogar der Täter). Zwar sind auch die anderen Rollen übertrieben angelegt (Lewis spielt die einzige Person, bei der dies nicht der Fall ist), interessanter Weise funktionieren sie aber und bringen das große Rätselraten, wer denn nun der Täter ist, ins rollen.

Eine der unscheinbarsten Personen fällt in Sachen Skurrilität besonders ins Auge, und dies ist die Arbeitskollegin von Jane. Verdreht ist hier allerdings jeder, im Finale sogar Jane selbst. Schon in den ersten 5 Minuten gibt es bereits zwei Verdächtige mit erkennbaren Motiven. Der Rest wird verdächtig durch das ominöse Verhalten der jeweiligen Figur. Eine Person wirkt allein wegen des Geredes der neugierigen Nachbarin merkwürdig.

In der ersten Stunde kann man dem Werk seine Spannung nicht abstreiten. Leider handelt Jane oft unglaubwürdig. Sie geht nur seltenst den naheliegenden und gesetzlichen Weg, der ihr viel Mühe und Wehleiden erspart hätte. In Situationen, in denen sie auf die Personen die ihr helfen fragwürdig wirkt, sucht sie nie das klärende Gespräch. Aber Menschen wie Jane mag es sicher geben, und da dieser eher fragwürdige Charakter vom Drehbuchautor auch konsequent eingehalten wurde, bleibt die Figur glaubhaft. Somit ist ihr Fehlverhalten auch kein Minuspunkt des Films, sondern sorgt nur für das ein oder andere Verdrehen der Augen.

Auf welche Art die arme Frau gepeinigt wird, ist wirklich einfallsreich zu nennen. Und der Übergang der Grenze der verzeihlichen Belästigung zur gesetzlich dreisten ist, gutes Drehbuch sei Dank, nicht ganz erkennbar. Ebenso wie die Vielzahl der verdächtigen Personen werden die einfallsreichen Situationen jedoch nie genügend vertieft. Nie gewährt der Film einer Person oder Situation einen Blick mehr. Es ist zwar positiv zu nennen, dass der Film nie mehr verrät, als die Person der Jane selber weiß, aber gerade in ihrem Interesse müsste es ja liegen Licht in die Sache zu bringen. Aber erst sehr spät unternimmt sie Schritte, die für etwas Aufklärung sorgen. So etwas verärgert.

Viele nette Ideen werden schnell wieder fallen gelassen oder nicht konsequent genug weitergeführt, so z.B. die ominösen Zettel im Flur. Da sich Jane ohnehin nicht ans Gesetz hält, hätte man sie ja mal die Schreibmaschine suchen lassen können, auf welcher die anonymen Drohbriefe getippt wurden (Miss Marpel lässt grüßen). Und selbst von der Jane-Rolle losgelöst wurde die Zettelsituation nicht intensiv genug genutzt. Und hierbei muss man hervorheben, dass gerade diese im Vergleich noch am konsequentesten eingehalten wurde. Erst in der letzten halben Stunde werden solch skurrile Ideen wie das Beschriften der Zimmerdecke eingeführt, die auch bis zum Ende hin durchgezogen werden.

Leider nutzt das auch nicht mehr viel, denn in der letzten Viertel Stunde wird der Film durch eine maue Auflösung gebremst. Die Person selbst ist sicherlich ein interessanter Täter, aber ihre Beweggründe sind derart geisteskrank, dass eine nähere Erklärung dieser wichtig gewesen wäre. So wirkt die Auflösung etwas zu dünn. Auch die zusätzlich angehangene Schlusspointe wirkt so überraschungsarm wie unnötig und wirft sogar noch einige Fragen mehr auf, die unbedingt hätten beantwortet werden müssen.

Denn der Film baut auf sehr spannende Art und Weise Atmosphäre auf, lässt im Zuschauer nicht nur die Frage aufkommen "Wer macht so was?" sondern ganz besonders auch die Frage "Warum macht derjenige so etwas?". Da der ganze Film auf das Entstehen und Erhalten dieser Fragen beim Zuschauer hinarbeitet, ist es eine Unverschämtheit diese nicht befriedigend zu beantworten. Bei einem anderen Erzählschwerpunkt wäre man am Schluss sicherlich auch ein wenig enttäuscht gewesen, es hätte den Thriller aber nicht kaputt gemacht. Bei „The 4th Floor“ zerplatzt der gelungene Rest aber leider wie eine Seifenblase. Der gekonnte Aufbau von spannender Atmosphäre und Verrat an jeder Ecke verpufft geschwind.

Es gibt jedoch noch einen zweiten Grund, warum das Finale nicht funktioniert. Dies ist der Täter selbst, denn dieser verwandelt sich während der Auflösung plötzlich in einen komplett durchgeknallten Psychopathen-Charakter, der aus einem kunterbunten Comic entlaufen sein könnte. So verbildlichte man seine geistige Extreme z.B. mit dem Zeigen seiner Wohnung, die komplett mit kleinen Styroporteilchen gefüllt ist.

Diese nutzt Regisseur Klausner jedoch nicht nur zur Verdeutlichung des Geisteszustandes, sondern auch als Spannungsmoment, wenn der Täter in der Masse dieser Teilchen untertaucht und irgendwo im Zimmer wieder auftauchen wird. Fakt ist allerdings, dass dieses ganze gekünstelte Szenario nur albern und aufgesetzt wirkt, etwas das man bei den Charakteren verziehen hat, aber etwas das im Situativen nicht in einem Thriller vorkommen darf, der glaubhaft wirken will.

Unterhaltsam ist das ganze dennoch, auch wenn es sich nicht so lesen mag. Wer mit wenig Erwartung herangeht, wird erst positiv überrascht sein und dann ein mäßiges Finale sichten. Die erste Stunde ist trotz des nicht nachvollziehbaren Verhaltens von Jane sehr spannend geraten. Davidson und Klausner werfen dem Zuschauer viele Häppchen von Gemeinheiten und jede Menge verdächtige Personen zu, vernachlässigen aber auch die Intensivierung der jeweiligen Elemente. Nach dem schockierenden Namen des Produzenten im Vorspann hatte ich allerdings ohnehin wesentlich weniger erwartet. Vielleicht trenne ich mich deshalb so versöhnlich von einem Thriller, der so viele Fehler begangen hat.


Kommentare:

  1. Es gab ja diverse "Floors" im Film, unter anderem den unterschätzten "The 13th Floor" (1999). Den hier fand ich gelinde gesagt sch --- licht langweilig, weshalb ich ihn nicht einmal verschenkte, sondern dem Abfall zuführte. Und ein Bösewicht, der denkt, ich hätte nicht von Anfang an "schlicht" schreiben wollen! ;)

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  2. "The 13th Floor" hat nun mal das Problem ein Remake zu sein und dann auch noch von einem solch großartigen Original. Durch die völlig andere Art der Umsetzung fand ich ihn jedoch auch geglückt, wenn auch Meilen entfernt von "Welt am Draht"

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