Sonntag, 23. September 2012

TOTEM - DIE ALPTRAUM-KREATUREN KOMMEN (Totem 1999 David DeCoteau)


Sechs Menschen, die einander nicht kennen, geraten auf mystischen Wege in eine Hütte, die auf einem Gelände steht, welches von einer unsichtbaren Grenze eingezäunt ist, die man nicht überschreiten kann. Bei der Erkundung des Grundstücks entdeckt man ein marterpfahlähnliches Gebilde aus Stein, das drei Monstergesichter abbildet. Diese erwachen zum Leben...


Ghoulies im Miniuniversum...

"Totem" ist gewollter Trash, er ist dabei jedoch nicht gewollt albern angelegt, ja nicht einmal annähernd komödiantisch, sondern arbeitet mit skurrilen Einfällen und freiwilliger Billigkeit. Damit ist Coteaus Film ein typisches Produkt der Charles Band-Schmiede Full Moon, und einen gewissen Grad der Sympathie kann man ihm nicht abstreiten. Dabei ist auf dem ersten und zweiten Blick eigentlich alles in diesem Streifen schundig zu nennen.

Auszuschließen ist diese Aussage betreffend allerdings die Grundsituation. Die ist eigentlich recht einfallsreich erzählt und schafft Neugierde. Dass sie auf die Schnelle über Dialoge stattfindet, anstatt sich Zeit zum Aufbau von Atmosphäre durch eine dichte Erzählung zu nehmen, zeugt von der Band-typischen Kostengünstigkeit. Ohnehin sind Band-Produktionen stets mehr am Dialog orientiert als am Horrorgeschehen. Manche dieser Gespräche wissen in “Totem” zu überraschen, lassen sie die eigentlich hohlen Charaktere doch hin und wieder erstaunlich clever über das Geschehene reflektieren, zumindest mehr als man es nach Einführung der Figuren vermuten würde. Und damit hätten wir im Groben auch schon die Pluspunkte aufgezählt, denen kein Augenzwinkern gebührt.

Besagte Punkte haben jedoch von Anfang an keine Chance sich durchzusetzen. Denn was hier gecastet wurde ist an Untalent nicht zu überbieten, nicht im Sinne eines guckbaren Filmes. Die drögen Darsteller, die zudem dank eines Schnellschuss-Drehbuchs übelste Stereotype verkörpern müssen, bringen das bisschen Charakter, das von ihnen gefordert wird, nicht glaubhaft rüber, und so sind auch schnell die eben noch lobend erwähnten Dialoge lächerlich. Natürlich sind auch die kurzen Momente von Cleverness ebenfalls ruiniert, erfreuen den Band-geschändeten Stammzuschauer aber dennoch.

Wenn man weiß was für Filme Charles Band produziert, kann man positiv überrascht sein. Mal präsentiert der C-Film-Produzent sympathischen Schund ("Blood Dolls", "Demonic Toys") und oftmals geht die Billigkeit bis ins Unerträgliche ("Rexosaurus", "Dollman"). "Totem" schwankt irgendwo dazwischen. Bands liebstes Subgenre des Horrorfilms, der Puppenhorror, wird hier gestreift und ist eine Spur billiger angegangen, als man es ohnehin von ihm schon kennt. Wo "Dolls" noch gut getrickst war, "Puppet Master" akzeptabel und "Tourist Trap" billig aber überzeugend, ist "Totem" an Schlichtheit in der Puppenanimation kaum zu überbieten.

Ein paar leuchtende Augen hier, ein paar grobe Bewegungen wie sie einst die He-Man-Actionfiguren konnten da, und ab und an werden die Puppen in Großaufnahme ins Bild gehalten, bewegt von einer Hand, die freilich nicht mit ins Bild wandert, und fertig sind die Puppen-Animationen. Damit der x-te Aufguss für den Fan nicht all zu sehr auffällt (zwinker, zwinker), werden die Viecher nicht als Puppen bezeichnet, sondern als etwas Dämonisches.

Wie auch immer, für einen Film, der bei seiner Ersterscheinung ab 18 Jahren freigegeben wurde (eine Dreistigkeit der FSK, die mittlerweile behoben ist), ist “Totem” ein unglaublich ungruseliges Kasperletheater, welches nicht einmal einen Grundschüler erschrecken könnte.

Das “Puppen"-Design, sofern man es mal halbwegs deutlich zu Gesicht bekommt, ist an den "Puppet Master"-Puppen orientiert, ein schrulliger Mix aus den typischen Figuren dieser Reihe und den dämonischen aus den Teilen 4 und 5. Die Viecher sind jedoch nicht Hauptaugenmerk von “Totem", mag sein dass Band und Coteau nach einiger Zeit bewusst wurde wie billig die Püppchen wirken, und dass sie keinen Film tragen können.

Die eigentliche Geschichte bleibt trotz der plumpen Umsetzung immer irgendwie interessant und bekommt mit einem Mal einen überraschenden Einschnitt, der einen komplett aus den Film wirft. Mit einem mal sehen wir billig zusammengeschusterte Szenen über Wikingerkämpfe, die optisch in Feuer getaucht sind, so dass auch ja nicht zu erkennen ist, wie schäbig diese umgesetzt sind (noch mal zwinker, zwinker). Ein Off-Kommentar bereichert uns währenddessen mit Hintergrundinformationen zum bereits Geschehenen, ohne dabei echte Informationen preiszugeben. Am Ende ist man genauso schlau wie vorher, konnte optisch ohnehin nichts erkennen, und damit es irgendwie mit dem Restfilm im Zusammenhang steht, heißt es plötzlich: Man, was war das für ein Traum.

Wer sich nun fragt warum Charles Band eine solche Szene mit einbauen lässt, sollte unbedingt einmal einen Blick auf die Laufzeit werfen. Der Film geht ungefähr eine Stunde, benötigt davon bereits einige Minuten für den Vorspann, und für den Rest musste die Geschichte sich irgendwie auf Spielfilmlänge, oder wie auch immer man eine Laufzeit von 65 Minuten nennen will, strecken lassen. Und da die bisher berichteten Elemente noch immer nicht reichten um an das gewünschte Ziel zu kommen, werden zum Finale hin noch völlig sinnlose und schlecht dargebotene Zombieszenen eingebracht.

Diese haben weder etwas mit der bisherigen Geschichte zu tun (die Toten als solche schon, aber nicht deren Auferstehung) noch passen sie irgendwie zum Rest, nicht einmal als Überraschung. Das Herauskrabbeln aus den Gräbern ist dabei genauso ungruselig präsentiert, wie die Dämonen. Es wäre einmal spannend zu erfahren, welches FSK-Siegel eine Rummelplatz-Geisterbahn bekäme, wenn der Name Charles Band drauf stehen würde.

Eigentlich braucht man es kaum zu erwähnen, aber ich mach es trotzdem mal: die Kulissen der Hütte und dem Gelände auf dem sie steht erinnern höllischst an das Set von "Tanz der Teufel", von dem auch in der Szene, in der eine Tote zu reden beginnt, leicht geklaut wird. Außerdem ist es noch interessant zu erwähnen, dass immer wenn die Filmemacher es brauchten, um die Logik halbwegs aufrecht zu erhalten, die Figuren im Film nicht über ihr Handeln Herr sind. Wenn also jemand unlogisch handelt heißt es schnell: ich konnte nicht anders, oh weh! Leider sorgt dieser Drehbuchschutz auch dafür, dass alles weitere was geschieht umso konfuser wirkt.

Alles zusammen ergibt anspruchslose Unterhaltung, bei der man entweder das Hirn abschalten oder gar keins haben sollte. Lustig ist es, manchmal durch unfreiwillige Komik, manchmal durch freiwilligen Trash. Die Idee ist nett und die Kulisse, trotz ihrer Kostengünstigkeit, halbwegs atmosphärisch. Echte Horrorfans sollten einen weiten Bogen um “Totem” machen, müssten mittlerweile den Namen Charles Band allerdings schon als Warnung kennen, um bei seinen Werken nicht mehr zuzugreifen. Trash-Fans sollten dies jedoch, und damit sind nicht nur die gemeint, die über schlechte Filme herzhaft loslachen können, sondern auch jene, die sich für diese Art Schund im Naiven begeistern können.


Trailer,   OFDb

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