Samstag, 6. Oktober 2012

TEETH (2007 Mitchell Lichtenstein)


Teenie Dawn, Kämpferin für Enthaltsamkeit vor der Ehe, wird von einem ihrer Mitstreiter bei einem Ausflug an den örtlichen See fast vergewaltigt. Doch während des Versuchs wird dem Täter sein Penis abgebissen. Dawn forscht nach und entdeckt, dass ihre Vagina Zähne besitzt...


Vagina Dentata...

Die bezahnte Vagina ist eine ähnliche urbane Legende aus verschiedenen Kulturen wie die Meerjungfrau. Während diese schon so manche Phantasie eines Filmschaffenden beflügelte, sind die Produktionen um Werke des beißenden Geschlechtsteils sehr rar gesät. Mir ist neben dem hier besprochenen "Teeth" nur der sehr billig heruntergekurbelte "Penetration Angst" ein Begriff, der sich dem Thema so angenommen hat, wie man es auch als erstes vermuten würde: plump, reißerisch und trotz seiner europäischen Herkunft und seines Themas trotz allem Blutgehalts prüde umgesetzt.

Ein Film um eine beißende Vagina muss doch Schund sein, höre ich schon die Masse sagen. Aber so wie bei vielen anderen Themen kommt es immer auf den Künstler an, ob er seinem Werk den nötigen Respekt und die nötige Ernsthaftigkeit beschert. Mit genügend Mut angegangen kann ein solches Projekt durchaus positiv ausfallen, und dies ist Regisseur Mitchell Lichtenstein mit seinem einfallslos genannten "Teeth" gelungen.

Der nimmt sich des grotesken Themas auf sehr sensible Art an, lässt seine Heldin auf Jugend-Drama-Art die Entdeckung ihres Körpers für den Zuschauer sehr gefühls- und personenbezogen erleben, so dass man nah dran ist, die kaputte Idee sehr real mitverfolgen kann und mitfühlt, wohl der wichtigste Aspekt eines anspruchsvolleren Filmes.

Lichtenstein ist sich der Befremdlichkeit seines Themas durchaus bewusst und tunkt das Horror-Drama in eine ironische Erzählweise. Zur Komödie verkommt "Teeth" deswegen jedoch noch lange nicht. Das Spiel der witzigen Zutaten geht stets Hand in Hand mit der Dramatik. So darf z.B. dank eines Zwischenfalls in der Kindheit aus Dawn eine schüchterne Kämpferin für die Enthaltsamkeit vor der Ehe werden, während ihr Brüder, dessen Finger einst von der Vagina Dentata angebissen wurde, mit seinen Schlampen nur den Analsex frönt. Beide handeln unterbewusst und sind sich nicht mehr im klaren was einst in ihrer Kindheit geschah.

"Teeth" ist in drei Akten aufgebaut. Im ersten lernen wir die Protagonisten kennen und die Besonderheit Dawns, im zweiten geht Dawn der Vermutung der bezahnten Vagina nach in Furcht vor ihrem eigenen Körper und im dritten Akt erkennt sie die Regeln im Umgang mit ihrer besonderen Eigenschaft und wie sie ihre Vagina für verschiedene Zwecke nutzen kann.

Ob nun jedem die Pointe der Geschichte schmecken darf, sei einmal dahin gestellt. Ich empfand sie als konsequent. Es ist aber ohnehin der Weg dorthin, der "Teeth" ausmacht, und der darf einen in seiner Umsetzung schon des öfteren überraschen. Ob es nach langer Zeit der biederen US-Sehgewohnheiten das überraschend offene, gar nicht mehr so prüde Zeigen männlicher Geschlechtsteile ist oder das bis zum Schluss konsequent sensibel erzählte Horrorszenario, "Teeth" ist vollkommen anders ausgefallen als von mir befürchtet, und das macht ihn zu einem sehenswerten Ausnahmewerk wie vor einigen Jahren der tolle Genre-Beitrag "Deadgirl" (2008), der auf ähnlichem Wege trumpfte.

Man sollte der Geschichte um eine bezahnte Vagina also durchaus eine Chance geben, gerade wenn man im Bereich des gehobenen Horrorfilms auch mal wieder etwas anderes sichten möchte. Sicherlich verfolgt "Teeth", wenn man sich denn auf die Geschichte einlassen kann, in etwa dem Storyverlauf den man mit dieser Thematik auch vermuten würde, aber ob einem die Erzählung nun zu überraschen weiß oder nicht, dank der Charakterzeichnung, dem Dramatikanteil, einer guten Portion Ironie und so allerhand versteckter Symbolik müsste selbst Kennern der Materie "Teeth" noch immer schmecken.

PS: Laut Wikipedia ist bislang kein bestätigter Fall einer Vagina Dentata im Laufe der Menschheitsgeschichte aufgetreten. :)


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