Donnerstag, 3. Januar 2013

THE 25TH REICH (2012 Stephen Amis)


Unbewusst an einem Experiment der Armee teilnehmend, landen Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg in der Urzeit, wo ihre Mission von einem Maulwurf sabotiert wird, so dass sie bei einer Reise zurück in die Gegenwart feststellen müssen dort nicht angekommen zu sein. Stattdessen sind sie noch weitere 300 Jahre in der Zukunft angekommen, wo die Nazis die Weltherrschaft übernommen haben und in scheinbar unbesiegbaren Roboterkörpern über ihre Untergebenen dominieren...


Nazis sind auch nur Proleten...

Durch den Erfolg des eher mittelmäßigen „Iron Sky“ zog eine Welle skurriler Nazi-Fiktionen auf dem DVD-Markt umher, der von all jenen Firmen zugeschmissen wird, die sich dem billigsten Bereich des B-Movies gewidmet haben, dem Mockbuster. Neben „The Asylum“, die gerne berühmte Blockbuster-Stoffe auf unterirdischste Art imitieren, gibt es mittlerweile so allerhand Unternehmen, die auf gleichem dilettantischen Niveau reißerische Stoffe produzieren, in diesem Falle gar eine Firma aus Australien, die nicht länger zusehen wollte, dass man die Amis als die schwachsinnigsten Filmgestalter bezeichnet.

Mit dieser Aussage meine ich freilich nur den Bodensatz derer, die in Amerika „Filme“ drehen. Gesehen haben sollte man einen solchen schon selber, denn erst dann kann man begreifen, wie tief das Niveau und die Intelligenz von Filmschaffenden und gierigem Kapitalismus nach unten gleiten kann. Wer bei gewöhnlichen Werken je von einem schlechten Film geredet hat (und das sicherlich auch oftmals zurecht), weiß nicht wie geradezu übelst tatsächlich ein Produkt laufender Bilder ausfallen kann.

Das erstaunliche an „The 25th Reich“ ist, dass er sich ein wenig anders guckt als „Transmorphers“, „Aliens vs. Avatars“ und ähnlicher geistiger Dünnschiss. Zwar auf dem selben hirnrissigen Niveau angesiedelt und durch an falschen Stellen gestreutem Humors signalisierend angeblich zu wissen was man da gerade anfertigt (ein Signal das selbst Asylum-Filme ab und an aufweisen), überrascht dieses Regie-Debut von Stephen Amis mit eigentlich recht tauglichen Schauspielern und einem leichten Faible für halbwegs stimmige Kulissen.

Ich kenne die Hintergründe der Produktion nicht, aber ich hatte bei „The 25th Reich“ den selben Eindruck, den ich bei dem 80er Jahre Werk „Asphaltkannibalen“ hatte: kann es sein, dass man mit einem anderen Film angefangen hat als jener, zu dem er im Laufe der Produktion wurde? Man könnte meinen, die Nazi-Thematik wurde einem anders konzipierten Zeitreise-Film hinzugeschrieben, der mit schlichterer und zugegebenermaßen langweiligerer Thematik beschäftigt war, um an dem Hype um „Iron Sky“ ein paar Groschen mit hinzu zu verdienen.

Zwar schwebt das Thema Nazis durch die zweite Weltkriegs-Thematik auch in der Originalstory immer mit im Raum, aber mehr als das Feindbild kommt da nicht rüber. Bis zu jenem Zeitpunkt kurz vor Schluss, in welchem sich die Geschichte zu dem wandelt, was der DVD-Hersteller mit seinem Covertext behauptete hauptsächlich zu servieren: eine Zukunftswelt in welcher die Nazis die Erde erobert haben.

Wie gerade nebenbei erwähnt ist dieser Storyteil nicht das Hauptelement, sondern erst Richtung Finale von Bedeutung. Zum zweiten liest sich diese Welteroberung nun nach mehr Laufzeit und mehr gezeigten Szenarien, als tatsächlich stattfinden. Der Drehort ändert sich nie. Dass die Nazis die Welt erobert haben, bekommt man lediglich gesagt. Große Bauten gibt es ebenfalls nicht, denn auch das Finale spielt in einem Waldgebiet, so wie der Rest des sonst so monotonen Streifens.

Dennoch wissen wir, dass es sich um eine Hightech-Zukunft handelt, denn die A-sexuellen Nazis haben ihren Körper, wahrscheinlich um den Tod zu umgehen, längst in übergroße Roboter transferiert, was optisch keinesfalls an „Transformers“ erinnert, da es recht Insekten-ähnliche Maschinenhüllen sind. Aus den an sich gebildeten Menschheitsverbrechern sind in all den Jahrhunderten zudem Vollprolls geworden, denn es ist kaum in Worte zu fassen auf welchem Niveau sich nun die Dialoge befinden, die zwischen den guten Soldaten und den bösen Nazi-Maschinen stattfinden. Wäre die Sprache nicht so vulgär, das infantile Geschwätz würde trotzdem noch Trivialproduktionen vom Fließband aus dem Kinderprogramm unterbieten.

Zugegeben: vorhersehbar ist das alles nicht, und der Schluss, bei dem man nicht weiß wie ernst der nun gemeint ist, sowieso nicht. Aber das nutzt nicht viel inmitten von Idiotie, Proletentum, Zuschauerverarsche und Verschwendung wichtiger Rohstoffe zur Vollendung eines Filmes, für den sich nur schwer ein Zielpublikum finden wird. Selbst der Trash-Fan besitzt seine Grenzen und frisst nicht alles, was Trash-Produzenten ihnen vorwerfen wollen. „The 25th Reich“ ist nicht mehr witzig schlecht, er ist nur noch dreist. 

Das sorgt zwar nicht nur für Kopfschütteln unter den Konsumenten sondern auch zu einer Reaktion sich bei eventuellen Mitzuschauern die Bestätigung zu holen, dass man diese unglaublich hirnrissigen Einfälle des Filmes auch wirklich nicht geträumt, sondern tatsächlich gerade in einem real existierenden Film gesehen hat, aber trotz dieser ungeheuren Reaktion eines Publikums, das schon viel verdaut hat, besteht trotzdem keine Existenzberechtigung für ein Werk wie dieses.

Wieder einmal bin ich auf etwas gestoßen, bei dem ich mir kaum noch vorstellen kann, dass es vom Niveau her noch weiter nach unten gehen kann, ohne in jener Extreme zu enden, die uns die Zukunftsprognose von „Idiocracy“ serviert. Wer glaubt Asylum-Filme wie „Alien vs. Hunter“, Langeweiler wie „Jurassic Shark“ und reißerische Schundfilme wie „Mega Shark vs. Giant Octopus“ seien der Tiefpunkt filmischen Schaffens, der kennt Werke wie „The 25th Reich“ noch nicht.

Und eben wegen der an sich tauglichen Besetzung und manch anderer Elemente, die nicht dilettantisch angegangen wurden, steht die oben gestellte Frage nach der Geschichte der Produktion im Raum. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Beteiligten (ausgenommen die Produzenten und Herausgeber) des hier besprochenen Streifens sich für dieses Ergebnis nicht schämen werden. Ich schäme mich ja schon dafür ihn gesehen zu haben. Und das ist selbst bei anderem seelenlosen Trash bei mir sonst nicht der Fall.


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