Mittwoch, 24. Juli 2013

PIRANHA 2 (Piranha 3DD 2012 John Gulager)


Diesmal geraten die Piranhas in einen Freizeitpark, der gerade Neueröffnung hat...


Pool Piranhas...

Manch einer mag denken, dass es einfach wäre die Rezeptur Blut, nackte Haut und Party von Ajas „Piranha“ anzuwenden, um zu einem ebenso gelungenem Ergebnis zu kommen. Aber die Fortsetzung macht deutlich wo für manche Filmschaffenden die Grenzen liegen, und dass man doch ein gewisses Gespür für den Feinschliff braucht, auch bei einem eher anspruchslosen Produkt, um das Beste aus etwas Simplem herauszuholen. Nicht falsch verstehen, auch Gulagers „Piranha 2“ macht Spaß, aber eben auch nur auf einem Niveau das man vom Genre Tier-Horror ohnehin erwartet. Teil 1 war die Art Sommer-Blockbuster die auch Fremde dieses Sub-Genres mitreißen konnte.

An sich funktioniert „Piranha 2“ ganz gut. Und er macht mit dem Originaltitel „Piranha 3DD“ deutlich, dass es ihm wieder viel um nackte Haut gehen wird, welch herrlicher Einfall. Die Piranhas sind weiterhin sympathisch animiert, wie gehabt, blutig wird‘s auch, und der Spaß sie in einem Schwimmbad wüten zu lassen ist genau die Art Trash, welche die Fortsetzung als Story nötig hatte, wenn auch angelehnt an „Der weiße Hai 3“, der diese Location jedoch viel zu ernst nahm.

Dieser Fehler passiert Gulager und seinen Autoren nicht, was bereits die Einleitung zeigt, in welcher wir erfahren welche Neuerungen der neue Besitzer aufzieht um verzweifelt an mehr Gäste zu kommen, sehr zum Widerwillen der Mitbesitzerin, die weniger Anteile besitzt und somit nichts zu melden hat. Eine echte Kritik an dem Bösewicht dieses Filmes ist dies jedoch nicht, dienen seine Einfälle doch den voyeuristischen Schauwerten des Filmes, und da macht er auch kein geheucheltes Geheimnis draus. „Piranha 2“ soll ein große Jungs-Film wie sein Vorgänger sein, und das ist er auch geworden.

Leider ist die Fortsetzung etwas bemühter ausgefallen als ihr Vorgänger. Das beginnt bei der Musik, die Partystimmung verursachen soll, aber doch nicht wirklich mitreißen kann. Das geht weiter mit den Storys am Rande, von denen eigentlich nur das Nackedei-Bad zu interessieren weiß. Und es gipfelt in der ohnehin nicht zu Ende erzählten Idee, dass mancher gebissene Überlebende Piranhas in sich ausbrütet. Diese Vermischung von Mensch und Tier war schon das kleine Zu-Viel in „Black Sheep“, nun hat es auch die „Piranha“-Reihe befallen. Also bitte, für die nächste Fortsetzung: Finger weg von diesem Bereich der Geschichte und lieber am Cliffhanger ansetzen, der ähnlich gelungen ist wie jener aus Teil 1.

Eine Erwähnung wert wäre der längere Gastauftritt von David Hasselhoff, der nicht ganz so skurril daher kommt wie jener seinerzeit aus „Der SpongeBob Schwammkopf Film“, sich in Sachen Selbstironie aber nicht zu verstecken braucht. O.k., sie mag etwas gekünstelt wirken, allein schon weil dies Hasselhoffs letzte Chance zu sein scheint überhaupt noch für etwas in der Öffentlichkeit brauchbar zu sein. Dennoch gehört eine ordentliche Portion Mut dazu sich so absichtlich würdelos witzig darzustellen wie hier geschehen. Hasselhoff bereichert den Film trotz dieser auf Nummer sicher gesetzten Rezeptur ungemein.

Leider sind die anderen Gastauftritte nicht so wirksam. Christopher Lloyds Auftritt ist nicht wirklich gut in die Geschichte integriert, und trotz manch kurzer, netter Momente ist er doch sehr unterfordert. Ein überraschend Überlebender aus Teil 1 wird anfänglich recht geglückt eingebracht, wird im großen Final-Massaker dann aber für ein paar Actionsequenzen verheizt, was mal wieder das kleine Zu-Viel des Guten wurde. Schade!

Aber: diese Negativpunkte schaden wie erwähnt nur dem nötigen Schliff der Fortsetzung. „Piranha XXL“ (Alternativtitel) ist dennoch eine runde Sache, gerade im Vergleich mit Konkurrenzprodukten, sicherlich auch weil er im Gegensatz zu den meisten vergleichbaren Werken eine Kinoproduktion ist. Das gibt ihm einen gewissen Vorteil. Von der unfreiwilligen Komik eines „Bait - Haie im Supermarkt“ ist er jedoch durch seine gelungene Selbstironie geschützt. Gulager, der Mann der mit „Feast“ nicht gerade einen gelungenen Start ins Horror-Fach abgeliefert hatte, weiß immer welches Niveau er gerade serviert und ist sich über die Trash-Rezeptur im klaren.

Das wäre ja auch schade wenn nicht, müsste man doch so blind, taub und doof sein wie die Verantwortlichen der Veröffentlichungen der meisten The Asylum-Produkte um es nicht erkennen zu können. „Piranha 2“ verlangt kein großes Können von seinen Beteiligten, deswegen weiß er so gut zu funktionieren. Dennoch ist er mit Blick auf Ajas Regiearbeit ein Lehrstück darüber was den nötigen Kleinschliff auch in Trash-Produkten ausmachen kann. Qualitätsunterschiede gibt es nun einmal immer -  selbst im Vollschrott. Doch zu dieser Kategorie gehört die „Piranha“-Reihe in ihrer liebevollen Machart aber ohnehin nicht. Da können nicht einmal Titten, hohle Teens und Killerfische drüber wegtäuschen.

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