Dienstag, 23. Juli 2013

PIRANHA (2010 Alexandre Aja)


Ausgerechnet während des Spring-Breaks geraten versehentlich freigesetzte, todgeglaubte Urzeit-Piranhas in den Lake Victoria und greifen die Party feiernden Badegäste an...


Uralt und doch mit festen Zähnen gesegnet...

Wer für diesen Sommer noch einen feucht-fröhlichen Video-Tipp passend zum Wetter benötigt, und so wie ich Neuerscheinungen meist erst Jahre später entdeckt, dem rate ich zu „Piranha“, der freilich kein Geheim-Tipp mehr ist, so gut wie er von der Horror-Fan-Gemeinde angenommen wurde, aber das hat Qualitäts-technisch ja leider nicht immer etwas zu bedeuten. Im Falle von Ajas Remake von Joe Dantes „Piranhas“ aus den 70er Jahren kann ich jedoch grünes Licht geben. Der Hype ist berechtigt. Der Film macht ordentlich Laune.

Freilich erfindet Aja das Rad nicht neu, und so kann man zu Recht kritisch sein wenn es darum geht sich einen Film anschauen zu sollen, dessen Thema auf Video (meist mit Haien) todgeritten wird. Aber Ajas weiß mit welcher Inszenierung er der ausgelutschten Story begegnen muss, und die orientiert sich an den so quantitativen Punkten flotter Sound, viel nackte Haut und ordentlich Blut. So plump das klingt: es funktioniert nicht nur, es rockt.

Schön selbstironisch, dabei aber ehrlich zu sich selbst, kommt die Nebenstory um einen Pornofilmer daher, der spielfreudig von Jerry O‘Connell verkörpert wird. Seinem Sub-Plot verdanken wir jede Menge weibliche Freizügigkeiten, die ebenso wie die Szene eines abgebissenen Pimmels zeigt, wie losgelöst die Amis mittlerweile von ihrer einstigen Prüderie sind. Die Verantwortlichen dieser traurigen Vergangenheit Hollywoods, die Verfechter des Christentums, werden am Rande gleich mit verarscht, zwar kurz, aber dafür treffsicher als Demonstranten gegen den viel zu freizügigen Spring-Break.

Ohnehin ist der Grundton von „Piranha“ lustiger Natur, und das lebt man nicht nur in wunderbar ekligen und fiesen Goreszenen aus (die dank kranker Ideen nicht immer nur den Piranhas zuzuschreiben sind), was ein Glück ist, zeigten doch Filme wie „Dead Snow“ wie unbefriedigend eine Horror-Komödie ist, die einzig darauf achtet. Nein, auch die Figuren und die kleinen Situationen die diese erleben wissen humoristisch zu wirken, auch wenn große Lacher meist den kleinen Schmunzlern weichen müssen.

Die Piranhas sind dank des hohen Produktionsniveaus ein Augenschmaus, und Ajas liebt es mit Ideen zu jonglieren wie er sie optisch eingefangen kriegt und was er sie alles anstellen lassen kann, damit der Film nicht zu monoton ausfällt. Und da kommt einiges an fiesen Momenten zusammen. An Zeigefreudigkeit mangelt es dem Film in keiner Nische, und so wird der Freund anspruchsloser Popkorn-Unterhaltung bestens bedient.

Die Schauspieler schlagen sich alle wacker, die obligatorische Love Story kommt süß und nicht all zu wichtig daher, und kleine Gastauftritte absolvieren Richard Dreyfuss (der als „weiße Hai“-Veteran bereits vor dem Vorspann ableben darf) und „Doc Brown“ Christopher Lloyd, den es auch in die Fortsetzung gezogen hat, die gerade mal zwei Jahre später erscheinen sollte.

Viel zu sagen gibt es ansonsten nicht. Ajas, ein Regisseur dessen Filme meiner Meinung nach qualitativ immer sehr unterschiedlich ausfallen, macht das beste aus einem längst ausgeschöpften Thema und holt dabei ein Ergebnis heraus, das ich der Story gar nicht mehr zugetraut hätte. Dass er sich hierfür stark von Joe Dantes Original distanziert war wohl eine gute Entscheidung. Vielleicht hätte dies das erste Remake namens „Die Rückkehr der Piranhas“ ebenso machen sollen, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Andererseits, warum wird ein Werk wie Ajas Tier-Horror dann als Remake angekündigt? Man stelle sich mal vor jeder auf Video erschienende Hai-Film würde als Remake von Spielbergs großem Blockbuster beworben werden. „Piranha“ sollte man also als eigenständiges Werk einer nicht eigenständigen Idee ansehen. Filme wie diese machen den heißen Sommer erträglicher.

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