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Freitag, 27. September 2013

FRANKENSTEIN'S ARMY (2013 Richard Raaphorst)


Im zweiten Weltkrieg fängt ein Trupp Russen einen Notruf ihrer Landsleute auf. Als sie zur Rettung eilen, müssen sie feststellen, dass der Notruf eine Falle war, und so laufen sie neu erschaffenen Kreaturen des Enkels des legendären Frankenstein in die Hände: reanimierte Tote mit tödlichen Werkzeugen als Ersatz für diverse Körperteile...


Maschinenmenschen einmal anders...

Mit „Frankenstein“ wurde im Bereich des Films schon einiges an Schindluder getrieben. Ob er nun plötzlich ganze Welten erschaffen konnte wie in Roger Cormans nach dem Wissenschaftler benannten Schundfilm, ob lediglich den Namen für deutsche Titel geklaut wie in diversen Monsterfilmen aus Japan, ob verwurstet für andere Genres wie in den Komödien „Partytime mit Frankenstein“ und „Bikini Frankenstein“, oder als namentlich bekanntes Zugpferd im Titel für andere Wissenschaftler die auf vergleichbaren Spuren wandern, wie es z.B. in „Frankenstein 70 - Das Ungeheuer mit der Feuerklaue“ geschehen ist, mit der ursprünglichen Geschichte hatte das alles nichts mehr zu tun. Ebenso wie „Dracula“ und wesentlich mehr als der gerne für Klamaukzwecke geschundene Mr. Hyde, wird „Frankenstein“ abseits der buchgetreuen Verfilmungen gerne als legendäre Figur in Trash-Filmen verwendet. „Frankenstein‘s Army“ greift ähnlich wie „Dr. Jekylls unheimlicher Horror-Trip“, "Frankenstein Junior" oder „Frankensteins Sohn“ die Idee auf von einem Nachkommen eines klassischen Charakters aus dem Horrorbereich zu erzählen.

Anders als der Titel vermuten lässt, müssen wir darauf relativ lange warten, wird die Geschichte doch aus der Sicht der Soldaten erzählt, was sicherlich auch die bessere Idee von beiden ist. Im Found Footage-Stil begleiten wir den Trupp Russen wie er zunächst seinen Alltag erlebt, und da darf man es schon als gelungen betrachten, dass sich die Fragwürdigkeiten des Krieges nicht nur in den menschenverachtenden Taten der Kriegsverbrecher zeigen, sondern noch viel mehr im Verhalten der normalen Soldaten, die inmitten von Tod, Frust und Wut relativ tolerant mit solchen fast alltäglichen Fehltritten umgehen. Wenn das Normale zu schocken weiß, dann verfehlt die Bestie Krieg nicht ihre Wirkung.

Allerdings hält sich „Frankenstein‘s Army“ nicht lange mit Normalitäten auf. Wer sich vorher über den Inhalt informiert hat wird ohnehin auf den Trash-Anteil des Films gewartet haben (wen außer den Trash-Fan sollte ein solches Werk locken?), und da braucht man nicht viel Geduld, fällt doch der erste Maschinen-Zombie bereits nach geschätzten 15 Minuten über die Soldaten her, und die kurzen Blicke die man nach und nach auf die Kreaturen erhaschen darf machen schon Spaß.

Leider wird das von mir gern gesichtete Found Footage-Verfahren hier allerdings zum Nachteil. Der eigentliche Schauwert des Films ist in dieser Phase der Geschichte immer eine Spur zu kurz zu erhaschen bei solch hektischen und damit verwackelten Bildern. Zwar macht im Gegensatz zu manch anderen Werken dieser Art das Filmen in Extremsituationen mehr Sinn als anderswo, was üblicherweise der grundsätzliche Schwachpunkt dieser Art Film ist, aber die Geschichte selbst hätte sich im klassischen Verfahren viel besser erzählen lassen, zumal die gewählte Variante für den hier vorliegenden Film im Gegensatz zu „Cloverfield“, „Blair Witch Project“, „Paranormal Activity“ und der Urvater dieser Methode Film, „Die Delegation“, keinen wirklichen Sinn ergibt.

In den letzten 15 - 20 Minuten wendet sich das Blatt, die Erzählung bekommt eine neue Gewichtung, und ab hier bekommen wir nun eine Freakshow an Kreaturen präsentiert, die es in sich hat. Die sehr einfallsreichen und optisch gut umgesetzten Maschinenzombies können vom Zuschauer endlich ausdauernd betrachtet werden und das in einer Vielzahl an abartigen Variationen, bis hin zu einem menschlichen Kopf, der im Gegensatz zu den anderen Zombies nicht mit Maschinen und Werkzeugen kombiniert wurde, sondern mit dem Körper eines Stofftieres. Außerdem lernen wir nun den Enkel Frankensteins kennen mit allerhand familiären Hintergrundinformationen und einem tollen Blick auf sein krankes Denken.

So wenig Sinn dieser Schlussteil des Films macht, so viel Spaß bereitet er auf freiwilliger Trash-Basis, und so wird der eigentlich bescheuertste Teil der Geschichte auch gleich der unterhaltsamste. Leider will der Film im Gesamten nicht wirklich funktionieren, obwohl so allerhand positive Ansätze vorhanden sind, sowohl in der endgültig im Trash badenden Schluss-Phase als auch in den halbwegs realistischeren Kriegsmomenten. Schade, dass „Frankenstein‘s Army“ im Found Footage-Stil gedreht wurde, allein dieser Grund lässt ihn so fade erscheinen. Wen kümmert inmitten von Trash schon mittelmäßiges Schauspiel? Es ist die Ich-Perspektive, die verhindert mit Raaphorsts erstem Langfilm ein freudiges Trash-Fest zu erleben.

Zumindest ist „Frankenstein‘s Army“ die angenehme Variante eines mittelmäßigen Films geworden. Er ist nicht langweilig und weiß an mancher Stelle sogar zu begeistern. Sympathisch ist das komplette Grundszenario ohnehin, zumal die Kreaturen einfallsreich und wirklich gelungen sind. Hier geht schon ordentlich die Post ab. Nur leider sieht man einfach zu viele verschenkte Chancen. Man muss dabei zusehen wie ein Film völlig falsch angegangen wurde. Und das verärgert schon, allein weil die Figurenzeichnung der meist unsympathischen Charaktere auf simpler Ebene zu funktionieren weiß. Und wenn der Kapitalismus in seiner Fragwürdigkeit dann noch mit dem Sozialismus und mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt wird, dann merkt man endgültig dass dieser Trash nicht völlig geistfrei umgesetzt wurde. „Frankenstein‘s Army“ hat aus vielerlei Perspektiven das Potential zu mehr gehabt. Aber dafür hätte man ihm mehr Perspektiven gönnen müssen, als die Super 8-Kamera der Russen zulässt. "Frankenstein's Army" ist weit weg von solchem Bodensatz wie "The 25th Reich", ist einfallsreicher als der olle "Iron Sky" und hatte trotz seines Trash-Ziels das Potential des ersten "Outpost". Dennoch ist das Ergebnis leider nur mittelmäßig ausgefallen.

1 Kommentar:

  1. Hab eh nicht zu viel erwartet. Wird vielleicht mal geholt wenn ich günstig drüber stolpern sollte.

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