Samstag, 21. September 2013

LET ME IN (2010 Matt Reeves)


Der 12jährige Owen freundet sich mit Abby an, die jüngst in seinen Wohnblock gezogen ist und in Owens Alter zu sein scheint. Mit der Zeit stößt der Junge jedoch auf ein Geheimnis des wunderlich scheinenden Mädchens. Sie ist ein Vampir...


Blutig zarte Bilder...

Selten sah ich im Bereich des Horror-Dramas eine derart sinnliche Geschichte, die mich so intensiv mitfühlen ließ wie Matt Reeves Remake des schwedischen „So finster die Nacht“, den ich bislang noch nicht gesehen habe. Warum ich mich für die Erstsichtung des Stoffes für die amerikanische Neuverfilmung anstatt für das Original entschieden habe, ist ein Grund der in der Besetzung zu suchen ist, wollte ich als Fan der „Kick-Ass“-Reihe, und damit einher als Bewunderer der Schauspielkünste von Chloe Grace Moretz, doch unbedingt sie in einer anderen Rolle als die des Hit-Girls sehen. Und da die Veröffentlichung des Remakes „Carrie“ noch etwas hin ist, in welcher Moretz die Titelrolle spielen wird, kam mir „Let Me In“ sehr gelegen, in welchem die junge Schauspielerin wie so oft eine recht morbide Rolle spielen darf, in gewisser Weise vergleichbar mit dem damals so schockierend wirkenden Charakter, den „Spider-Man“-Darling Kirsten Dunst einst in „Interview mit einem Vampir“ spielen durfte.

Allerdings besitzt Abby eine liebenswürdige Seite, ein Charakterzug der Claudia aus dem Vergleichsfilm fehlte. Allerdings darf man sich nicht vertun. Ihren Opfern gegenüber ist Abby gnadenlos, eine Schattenseite ihres Charakters die jedoch dadurch etwas abgeschwächt wird, da man aufzeigt, dass ein Vampir seine Gier nach Blut nicht unter Kontrolle halten kann, nicht einmal einer Person gegenüber die man liebt. Aber zumindest ist sie da, die Möglichkeit zu lieben, und so entführt uns „Let Me In“ in eine bittersüße und morbid romantische Liebesgeschichte, jener Liebe die am wertvollsten zu erzählen ist, nämlich die Geschichte der ersten Liebe - zumindest für Owen, der zur Identifikationsfigur wird.

Was „Twilight“ verkrampft versuchte und nicht erreichte, da er sich damit begnügte lediglich auf das junge Teen-Publikum abzuzielen, und was ein „Return Of The Living Dead 3“ und manch anderer Genre-Beitrag nicht im Ansatz erreichten, das gelingt „Let Me In“. Er berührt. Er lässt mitfühlen. Und er ist sinnlich. Er vermischt den romantischen Aspekt mit dem Morbiden und Düsteren seiner Geschichte und geht dementsprechend keine Kompromisse ein. Was einem „Die Weisheit der Krokodile“ innerhalb der Möglichkeiten seiner Geschichte gelang und „Zombie Honeymoon“ zumindest teilweise erreichte, das wird hier zum Herzstück des Films. Und da darf man sich schon glücklich schätzen, einem solch wunderbaren Cast (allen voran den beiden Hauptdarstellern)  beizuwohnen, der den Charakteren genügend Leben einhaucht, während die gut fotografierte Inszenierung einen sanft umweht. Von Karacho-Action a la „Cloverfield“ ist vom Regisseur besagten Streifens in „Let Me In“ nichts zu spüren. Dass der Film sensibel erzählt werden muss, wurde richtiger Weise als Pflicht erkannt. Jede andere Herangehensweise wäre unsinnig gewesen.

Schön auch, dass die meisten Brutalitäten des Streifens optisch harmloser eingefangen werden als es möglich wäre, jedoch nicht um den Film in Watte zu packen, sondern um die Gore-Effekte stilistisch zum Film passen zu lassen. Die Grausamkeiten des Streifens erscheinen keinesfalls weniger grausig, nur weil nicht jegliche Bluttat im Detail gezeigt wird. Der Lebenssaft fließt dennoch für eine FSK 16 recht ordentlich, und dass gerade im Finale die extreme Brutalität ausgeblendet wird, ist ein cleverer Schachzug der Verantwortlichen für diese Szene. Selten war der Zuschauer näher an der Perspektive Owens gebunden als hier. Und das muss schon was heißen, so empathisch wie der Zuschauer den Jungen durch diese Geschichte begleiten darf.

Freilich kenne ich wie oben erwähnt nicht das Original aus Schweden und kann somit nicht beurteilen an welcher Stelle Reeves bei „So finster die Nacht“ lediglich Gesehenes kopiert hat. Aber zumindest kann ich somit unvoreingenommen an „Let Me In“ herangehen. Und sollte das Remake lediglich eine Kopie des Originals sein, so ist es zumindest keine billige oder unterkühlte. Eine Geschichte und Bildeinstellungen mögen sich ja ohne großes Talent wiederholen lassen, aber am Ende ein Ergebnis mit so viel Seele zu erreichen, dafür bedarf es schon eines gewissen Talents, was „Let Me In“ scheinbar eine Remake-Legitimation zu geben scheint, wenn auch gerade mal zwei Jahre nach „So finster die Nacht“ gedreht.

1 Kommentar:

  1. Hätte ich das Remake zuerst gesehen, wäre meine Meinung sicherlich auch besser gewesen. Wenn man aber Buch und die erste Verfilmung kennt vermisst man doch einiges. Meiner Meinung nach hat das Original alle von dir positiv hervorgehobenen Punkte auch, nur dass das Drama und noch besser funktioniert und alles noch um einiges emotionaler wird.

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