Sonntag, 4. Mai 2014

I SPIT ON YOUR GRAVE (2010 Steven R.Monroe)


Eine junge Schriftstellerin arbeitet in einer einsamen Waldhütte an ihrem neuen Buch. Eine Gruppe Männer dringt in ihre Behausung ein und vergewaltigt sie. Einen Monat später nimmt sie blutige Rache...


Der Hochmut der Fremden...

„I Spit On Your Grave“ ist die Neuverfilmung von „Ich spuck auf Dein Grab“ aus dem Jahr 1978, der seinerzeit sicher kein Meilenstein war, aber ein gewollt ungemütliches Filmchen, welches trotz manch wunderlicher Szenen psychologisch durchdacht sein Minimum an Story präsentierte. Damals in seiner rohen Art neu und schockierend, und damit bestens in die Blütezeit des Terrorkinos passend, mag seine Existenzberechtigung oft angezweifelt gewesen sein, meiner Meinung war sie jedoch legitim, zumal die Emanzipation sich gerade auf einem Hoch befand und manche Frau im Zuge halbwegs neugewonnener Selbstständigkeit trotz körperlicher Unterlegenheit jegliche Vorsicht über Bord warf.

Die Erstverfilmung war mit solchen (sehr häufigen) Gedankenansätzen reichhaltiger als sie nach außen hin wirkte. Dass eine Neuverfilmung da mithalten kann ist stark anzuzweifeln, gerade in der heutigen durch „Hostel“ und Co beeinflussten Kinozeit, und zudem noch erscheinend in einer Zeit, in welcher man Drehbuchautoren an Großproduktionen lässt, die keinen Schimmer von psychologischem Verständnis haben. So muss es nicht wundern, dass „I Spit On Your Grave“ tatsächlich recht halbgar ausgefallen ist. Die Vergewaltigungsszene wird lange zelebriert und ist schwer zu überstehen, und doch erkennt man dass die Bilder im direkten Vergleich harmloser eingefangen wurden um den Zuschauer nicht all zu sehr zu verstören.

Gerade das wird jedoch benötigt um nach einer Stunde das Opfer zum Täter werden zu lassen. Man hätte als Zuschauer, so wie im Original, näher mit der Vergewaltigten mitfühlen müssen, um ernsthaft zu begreifen dass es hier um mehr geht als um eine als Film erzählte Geschichte. Umso inkonsequenter wirkt es, dass die Racheszenen im Gegensatz zur Vergewaltigung ungeschönt brutal umgesetzt wurden, denn im ollen Amerika hat es Gore ja schon immer leichter gehabt als nackte Haut. Durch die extrem blutigen Bilder heutiger Tage ist das Publikum ohnehin schon abgestumpft, so dass „I Spit On Your Grave“ frei jeglicher Sozialkritik mit seiner zu braven Vergewaltigungs-Inszenierung und dem zu übertriebenen Rachefeldzug unpassender Weise scheinbar ein reiner Unterhaltungsfilm sein will. Und das nenne ich aufgrund der Thematik schon arg geschmacklos.

Dass einen die Taten der Männer trotzdem nicht völlig kalt lassen, liegt eher am Spiel Butlers und an der Länge der Misshandlungs-Szene. Trotzdem lässt sie einen für die Extreme des Gezeigten relativ kalt. Jedoch ist es nicht der Zuschauer der fragwürdig abgestumpft ist, es ist die Inszenierung die das ganze so abgestumpft präsentiert. Das Gefühl von emotionaler Leere, das eigentlich nicht sein dürfte, wirkt interessanter Weise durch das Unvermögens von Regie und Drehbuch auch nach Filmende nach. Denn konnte sich im Original eine angestaute Verstörtheit im Racheakt des Opfers entladen, so bekommt der Zuschauer im Remake ein zum Psychopathen mutiertes Genie präsentiert, welches durch die Beeinflussung von Werken wie „Saw“ viel zu pfiffige Foltermethoden konstruiert hat um ihre Peiniger leiden zu lassen. In der ungekürzten Fassung wird dabei zwar äußerst blutig vorgegangen, die wahre Motivation der Rache und das Mitgefühl mit der Täterin geht jedoch völlig flöten, so dass der Zuschauer sich nicht mit der Hauptfigur identifiziert bekommt, somit auch hier emotional kalt bleibt, um sich am Ende zu Recht zu fragen: wofür das ganze?

Zumindest Menschen mit sensiblem Gemütszustand, mangelndem Verständnis für Psychologie und einem immerfröhlichem Weltbild, die aufgrund sonst harmloserer Kost eigentlich nicht zu diesem Film greifen würden und bei der Vergewaltigungsszene dementsprechend durch die Hölle gegangen sind, bleiben verstört vor dem Fernseher zurück und müssen sich ebenso die Frage stellen warum sie sich so etwas angesehen haben und was die Verantwortlichen des Streifens denn bitte damit ausdrücken wollten. Auch hier: wozu das ganze? „Ich spuck auf Dein Grab“ gab seinerzeit darauf eine Antwort. Bei „I Spit On Your Grave“ bekommt man (eine unbefriedigende) Antwort erst im Zusammenhang mit Blick auf die komplette Horror-Remake-Welle Amerikas. Und diese Antwort ist schon äußerst fragwürdig und primitiv.

„I Spit On Your Grave“ ist inkonsequent, psychologisch nicht durchdacht und fragwürdig da er sich bei seiner Thematik nur um den Unterhaltungswert schert, nicht aber um die Ernsthaftigkeit seines Stoffes. Dass einem ein solches Thema trotzdem nicht völlig kalt lässt und der Streifen rein technisch professionell umgesetzt ist, kann ich ihm hingegen nicht abstreiten. Das Szenario ist zumindest ein Selbstläufer, wenn es darum geht den Zuschauer zu verstören. Damit bleibt das Remake selbst in seiner formelhaften Umsetzung zumindest phasenweise ein schweres Stück Kost. Das hat er jedoch nicht wirklich den Verantwortlichen hinter der Kamera zu verdanken. Und während der Zuschauer, der den Film gesehen hat, sich nun fragt: warum habe ich das gesehen, darf sich der Leser dieses Textes nun achselzuckend fragen: warum sollte ich das sehen? Und mir fällt da ehrlich gesagt kein Grund ein.

Kommentare:

  1. imme voll und ganz zu. Ein unvorstellbar grausames Thema und dennoch bleibt man der geschundenen Frau fremd, man kann nicht wirklich mitfühlen und es bleibt unausgeglichen, da die eigentliche Vergewaltigung mehr oder weniger angedeutet bleibt und die Rache umso blutiger. Der Film hat mich bis zum Schluss nicht berührt und trotz Thematik enttäuscht!

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    1. Ist Dir denn die erste Verfilmung bekannt?

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