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Sonntag, 23. November 2014

DER FRÜHSTÜCKSCLUB (The Breakfast Club 1985 John Hughes)


Fünf Teenager müssen an einem Samstag acht Stunden lang in der Schule nachsitzen und kommen sich dabei trotz ihrer völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Prägung persönlich und emotional näher...


Wer in Zukunft nicht regieren wird...

Mit europäischem Blick mag sich „Der Frühstücksclub“ etwas fremd und klischeelastig schauen, haben wir doch nicht ein solch getrenntes gesellschaftliches Kastensystem wie die Amis und nicht so viele sich von Generation zu Generation wiederholende Rituale, so dass wir auch die im Film geäußerte Angst nur zum Aufguss der Eltern zu werden nicht wirklich nachvollziehen können. Das kann gestelzt wirken und wie gesagt klischeehaft. Aber was „Schule“ für die Deutschen ist, ist „Breakfast Club“ (Originaltitel) für die Amerikaner: ein lebens- und gefühlsechter Film, der die Teenager und ihre Sorgen ernst nimmt und dabei sehr sensibel vorgeht.

Der Film präsentiert uns sechs Hauptfiguren, davon fünf Teenager, und alle sind sie hervorragend besetzt. Von den Jungstars war es einzig Judd Nelson, der es trotz Folgewerken wie „St. Elmo‘s Fire“ und „Karriere mit links“ nicht schaffte kurzfristig eine Filmkarriere aufzubauen. Dabei hätte man es ihm mit seiner Darstellung des John Bender noch am ehesten zugetraut. Manchmal ist die Welt ungerecht. Aber das passt schon irgendwie zum Film, denn die Last die Erwartungshaltung der Eltern tragen zu müssen, ist ebenso ungerecht und ist der Hauptanteil dessen, warum sich die so unterschiedlichen Teenager hinter ihrer Fassade nicht wirklich wohl fühlen. Wie unterschiedlich auch ihre Mentalität und die Schicht aus der sie kommen sein mag, jeder trägt seine eigene Last mit der er fertig werden muss mit sich herum. Erwachsen werden ist eine harte Herausforderung.

Schrittchenweise und damit sehr glaubwürdig bringt John Hughes die jungen Protagonisten näher. Er nutzt ihre altersgerechten Methoden der Konversation, um einander näher kennen zu lernen und sich schlussendlich mit dem Gegenüber und sich selbst offen auseinander zu setzen. Wenn recht zögerlich gemeinsam gekifft wird, erkennt man die 80er Jahre am deutlichsten, waren es doch damals die Freaks, die Außenseiter die solche Rauschmittel konsumierten. Gesellschaftlich akzeptiert wie heute war es nicht, und mitzuziehen war eine gewagtere Sache als heutzutage. Spätestens beim kiffen lockern sich endgültig die Hemmungen sich zu offenbaren. Und jede Figur bleibt rein menschlich glaubwürdig. Welch erstaunliche Leistung!

So nah man sich auch kommt, das im Film angesprochene Problem ob man aufgrund der gesellschaftlichen Umstände auch kommenden Montag noch miteinander befreundet ist, bleibt absichtlich unbeantwortet und gehört damit zu den größten Stärken des Streifens, spielt dieser doch wirklich nur bis zur Verabschiedung vor der Schule nach dem Nachsitzen. Wir durften nur fünf liebenswerte junge Charaktere kennen lernen und müssen uns selbst damit auseinandersetzen wie ihr weiterer Lebensweg und das Wiedersehen am nächsten Schultag wohl aussehen mag.

John Hughes ist ein ehrlicher gefühlsintensiver Film gelungen, versehen mit einem Minimum an Geschichte, das durch seinen konsequenten Blick auf die Charaktervertiefung ein Maximum an Ergebnis herausholt und dabei witzige wie traurige Momente auf wundervolle Art in Einklang bringt. Was nicht über Worte vermittelt wird, wird über die Mimiken der talentierten Schauspieler deutlich, ohne dass das Drehbuch uns diese noch einmal erklären muss. Es wäre ja auch traurig, wenn ein Film der das Teenageralter so ehrlich und sensiblel versteht, den Zuschauer nicht für mündig genug halten würde Kleinigkeiten selbst zu erkennen.

Das Sahnehäubchen bilden die Momente des Lehrers, dessen Gefühlsleben nicht weniger sensibel und ehrlich eingefangen wurde und dessen Randerlebnisse inhaltlich konsequent im Zusammenhang mit den Erkenntnissen und Erlebnissen der Jugendgruppe steht. „Der Frühstücksclub“ ist ein wichtiger und einzigartiger Film und zusammen  mit „Hart auf Sendung“ wohl auch der beste US-amerikanische Teenie-Film, der je gedreht wurde. Mag John Hughes auch mit „Ferris macht blau“ und „Das darf man nur als Erwachsener“ noch zwei weitere gelungene Teenie-Komödien gedreht haben, so treffsicher und sensibel wie „Breakfast Club“ waren selbst die nicht, vielleicht einfach weil sie keine Tragikomödien waren, wer weiß.


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