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Samstag, 8. November 2014

THEM (Ils 2006 David Moreau u.a.)


Clementine und Lucas wohnen seit kurzer Zeit in einem baufälligen, abgelegenen Haus. Eines nachts hört Clementine Geräusche. Jemand scheint im Haus zu sein...


Wenn das Knarren einen Grund hat...

Die Angst im eigenen Heim auf etwas Bedrohliches zu stoßen, ist eine ganz natürliche, weswegen es freilich ein besonders sensibler Bereich beim Zuschauer ist, was erklärt warum sich Geschichtenerzähler nur all zu gerne auf diese Vorstellung stürzen. Ob es nun um übernatürliche Gegner oder einfach nur feindlich gesonnene Menschen geht, ist für das Funktionieren einer solchen Geschichte eigentlich egal. Wichtigstes Element ist die Atmosphäre, die Suspense, das Unbehagliche, und das glückt in der Regel am besten besonders ruhig inszeniert.

Dies haben sich die Regisseure David Moreau und Xavier Palud zu Herzen genommen und fordern nach einer unnötigen aber stimmig erzählten Eingangssequenz ein wenig Geduld vom Zuschauer. Der fühlt sich jedoch in der stimmigen Atmosphäre selbst dann wohl, wenn einige Zeit lang nichts geschieht, was man u.a. auch dem Unwissen zu verdanken hat. Denn um was soll es in „Them“ überhaupt gehen? Bis zur Aufdeckung der oben aufgeworfenen Möglichkeiten Übernatürlich vs. Menschlich dauert eine gewisse Zeit, überraschender Weise jedoch nicht all zu lange, und da tut es gut, dass das Mitwissen nicht die verängstigende Atmosphäre zerstört.

Clementine und Lucas sind Menschen von nebenan, verletzlich, verängstigt und nicht Herr der außergewöhnlichen Lage. Dementsprechend eng bindet man sich an sie, man kann sich mit ihnen identifizieren. Sie begehen nachvollziehbare Fehler, verärgern den Zuschauer somit nicht unnötig, ohnehin bleibt ihr Tun allgemein glaubwürdig. Dies ändert sich leider nach einer schweren Beinverletzung Lucas, die den guten Mann zunächst ausscheiden läst und für eine Trennung der Protagonisten sorgt.

Generell wäre es ein Pluspunkt von nun an immer jene der beiden Personen zu vertiefen, die man für die jeweilige Erzählphase gerade benötigt. Im Falle von Lucas Verletzung war dies jedoch eine schlechte Entscheidung der Storyverantwortlichen, denn sobald die Geschichte sich wieder auf ihn konzentriert beginnen die typisch filmischen Superkräfte eines liebenden Mannes, der seiner holden zu Hilfe eilen muss.

Vorbei der Realitätsbonus, vorbei die Möglichkeit für wirklich großes Kino, aber zum Totalabsturz kommt es wegen eines Filmklischees freilich noch lange nicht. „Ils“ (Originaltitel) bleibt unterhaltsam und spannend und begeht seinen einzigen weiteren, recht fatalen, Fehler, wenn Clementine einer Person vertraut, deren Dialog mit wem Fremdes man zuvor mit anhören durfte. Der entlarvt besagte Person als Mitverantwortlichen, was dem Autor aber scheinbar nicht bewusst war, so sehr wie er die Aufdeckung dieser Tatsache Clementine gegenüber auch als Überraschung für den Zuschauer auspackt, anstatt den Spannungsgehalt aus unserem Mitwissen zu gewinnen. Möglicher Weise ist dies auch ein Fehler der deutschen Synchronisation. Ich weiß es nicht.

Die Auflösung, so schlicht sie auch sein mag, weiß jedoch zu gefallen. Der konsequente Schluss ebenso. Und der Schriftzug der uns erklärt was danach geschah hinterlässt zumindest mal ein glaubwürdiges „nach wahren Begebenheiten“ mit dem der Streifen von Anfang an warb. „Them“ bleibt also durchaus ein gelungener Film für den Zwischendurchverzehr. Es ist nur etwas schade dass „Spiel oder stirb“ (Alternativtitel) gerade dann sein Potential verschenkt, wenn sich die Geschichte nach außerhalb des Hauses verlagert. Der Spannungsbogen leidet darunter ein wenig, da die düstere Atmosphäre im Haus im viel zu gut beleuchteten Wald nicht weitergetragen werden kann, und dies in Kombination mit der Glaubwürdigkeit verursacht am Ende mehr Schaden als nötig gewesen wäre. Spannende Unterhaltung: ja, echte Empfehlung für Freunde des Minimalismus: nein.

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