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Donnerstag, 6. November 2014

DER NEW YORK RIPPER (Lo Squartatore di New York 1982 Lucio Fulci)


Ein Frauenmörder, der mit einer Donald Duck-ähnlichen Stimme spricht, macht New York unsicher. Lieutenant Williams ermittelt, basierend auf der Zeugenaussage einer dem Serienkiller Entkommenen und den Ratschlägen eines Experten für Psychopathen...


Das Entenhausen-Massaker...

Lucio Fulci, der Anfang der 80er Jahre mit „Woodoo - Schreckensinsel der Zombies“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ zum Aushängeschild des italienischen Horrorfilms wurde, war als Regisseur schon immer in vielerlei Genres unterwegs. „New York Ripper“ mag das Gebiet des Horrorfilmes streifen, ist aber eigentlich ein Giallo, sprich ein harter Kriminalfilm und eines der berühmtesten Werke Fulcis. An die Qualität eines „Das Haus an der Friedhofsmauer“ und „Geisterstadt der Zombies“ mag dieser kleine Schmuddelfilm nicht heranreichen können, aber er weiß definitiv zu unterhalten ohne die klassischen Leerläufe zu besitzen, welche die oftmals zu durchschnittlich ausgefallenen Giallos so mit sich tragen.

Fulci zeigt uns New York als ungeschönten Ort. Er zeigt uns das was wir tagsüber gerne übersehen oder in unserer Wahrnehmung wegblenden, moralisiert das was er zeigt jedoch nicht. Ein dominanter Teil dessen ist das Erotik-Milieu, ob in Shows, gekauftem Sex oder Schmuddelheftchen, und Fulci macht kein Geheimnis daraus, dass diese Seite jeden betrifft. Auch der Ermittler und sein Helfer werden als Kunden gezeigt. Fulci geht natürlich mit diesen Seiten des Menschseins um, und begeht dabei nicht den Fehler aufgrund absichtlich fehlender Moral im Gegenzug zu verschönern. Der Blick bleibt neutral.

Mehr noch: Gut und Böse, sowie Lust und Unlust lassen sich nicht immer klar trennen. Ebenso nicht zwingend der gesunde Umgang mit dieser Branche vom ungesunden. Und genau darauf baut Fulci die Verdachtsmomente des Zuschauers auf. Er nutzt diesen Schwebestand und die Vorurteile des Publikums um zu täuschen, wenn auch gerne mal zu offensichtlich. Aber immerhin kommt sein „New York Ripper“ verspielt daher und leiert seine Geschichte nicht einfach nur lustlos herunter. Da kann man manche Offensichtlichkeit gerne verzeihen.

Etwas weniger verspielt hätte er in der Darstellung der Gewaltszenen sein können, die in dieser Extreme nicht nötig gewesen wären. Kaputt machen sie den Streifen freilich auch nicht, aber durch diese harten Goreszenen bekommt „Manhatten Ripper“ (Alternativtitel) zu sehr Beachtung von falscher Seite, wird aufgrund der Gewaltperversionen verehrt und von Tunnelblick-Intelektuellen aufgrund dieser verschmäht. „Der New York Ripper“ mag kein Kunstwerk sein, dafür sind die Szenen dann doch noch zu billig abgefilmt, aber Stil besitzt er definitiv. Allein Fulcis Gespür für gute, gerne dreckige oder beunruhigende Handlungsorte, machen viel an der düsteren und schmuddeligen Atmosphäre des Streifens aus.

Dass man um die psychologische Hilfe des Professors an der Seite des Lieutenant nichts geben kann und auch die Ermittlungen fast aus Nichtstun und auf den Zufall warten bestehen, ist nicht schön zu reden, aber eigentlich eine klassische Zutat des Giallo-Bereichs. Wer nun wirklich der Ripper ist will man eigentlich auch nicht wirklich wissen - Grund und Aufdeckung können bei so mangelnder Psychologie nur halbgar ausfallen, was auch ein häufiges Element in Giallos ist. Aber so gravierend solche „Fehler“ in der Theorie klingen mögen: sie sind auch nicht die Haupteckpfeiler eines Giallos.

Der Weg ist das Ziel. Und die dreckige Ambiente des Streifens, der Zwiespalt es sowohl mit einem Schmuddelfilm als auch mit mehr Talent zu tun zu haben, als manch einer dem Streifen zugestehen würde, dies alles macht „Lo Squartatore di New York“ (Originaltitel), an dessen Drehbuch Fulci mitbeteiligt war, zu einem sehenswerten und unterhaltsamen Film, der zwar nicht zur Pflichtkost interessierter Cineasten wird, sich für Freunde alternativen Kinos aber auch nicht als Fehler herausstellt.

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