Mittwoch, 2. Januar 2013

EIN CHEF ZUM VERLIEBEN (Two Weeks Notice 2002 Marc Lawrence)


Die Idealistin Lucy lässt sich von ihrem ärgsten Feind George, einem Kapitalisten, dazu überreden seine Anwältin zu werden. So sieht sie die Chance die Welt auf Großkonzern-Ebene ein wenig zu verbessern. Stattdessen wird ihr neuer Job zur Tortur. George ist von seiner Anwältin so fasziniert, dass er bei jeder großen und kleinen Entscheidung sie um Rat bittet. Da dies häufig auch private Entscheidungsfragen sind, und Lucys eigenes Privatleben darunter leidet, kündigt sie. Von nun an suchen beide einen Nachfolger und merken, wie sehr sie sich eigentlich auch privat mögen...


Ideal + Kapital = Fatal! Banal?...

Sandra Bullock, die den Film mitproduzierte, und Hugh Grant bringen beide Erfahrungen aus dem Bereich der Romantik-Komödie mit. Sandra Bullock hatte einen großen Erfolg mit „Während Du schliefst“ und Hugh Grant mit „Notting Hill“ an der Seite von Julia Roberts. Ganz so zu bezaubern wie im eben erwähnten Vergleichsfilm, weiß Bullock diesmal nicht. Bei ihrem Filmpartner verhält es sich genau umgekehrt. Während Grant in „Notting Hill“ etwas blass wirkte, entdeckte er 2002 seine eigene, kleine Nische, die des charmanten Egoisten, den er im selben Jahr sogar noch besser in „About A Boy“ mimte.

Warum war seine Wirkung bei gleicher Charakterzeichnung dort größer als hier? Meiner Meinung nach liegt es daran, dass er diesmal einen Großkapitalisten spielt. Und dem verzeiht man seinen Egoismus nun einmal nicht so schnell, nur wegen ein paar Schrulligkeiten und lustiger Worte. Dabei ist das Drehbuch sichtlich bemüht Sympathie für den Unternehmer aufzubauen. Unter Blauäugigkeit haut das sogar hin. Gibt man sich „Ein Chef zum Verlieben“ unkritisch hin, halt so wie es eine Romantik-Komödie eigentlich von einem erwartet, so geht sie auf, die Rechnung der Verantwortlichen dieses Streifens.

Zum Glück, manche würden auch sagen leider, kann ich den Kritiker in mir aber nie ganz ausschalten. Und der findet den Gedanken nun einmal erzürnend, dass jemand mit viel Verantwortung verantwortungslos durchs Leben geht. Seine Opfer werden vom Drehbuchautor ja auch schön ausgeblendet, damit die Welt rosarot bleibt.

Man fragt sich, warum gerade der Bereich der Romantik-Komödien so häufig dafür verwendet wird, Großverdiener positiv darzustellen („Notting Hill“, „Pretty Woman“, „E-Mail für Dich“, ...). Propaganda? Vielleicht, Amerika ist ein häufig manipulierender Boden! Allerdings verweist „Pretty Woman“ auf der anderen Seite deutlich darauf hin, dass das alte Märchen vom armen Mädel, das vom Prinzen gerettet wird, viel eher Pate steht, und die Romantik-Komödien eine moderne Variante dieser sind. Aber will man aktuelle Notstände so gerne verpackt in einem Märchen sehen? Muss man manches gesellschaftlich nicht erst verarbeitet haben, um es verzaubern zu können?

O.k., Grants Rolle soll ein Egomane sein, und Lucy wirft ihm oft genug vor, er könne nur Böses mit seinem Geld anstellen und fragt ihn, warum das so ist. Da ist Kritik am modernen Großunternehmertum vorhanden. Letztendlich wirkt das aber nicht, wenn dieses asoziale Verhalten als ähnlich schrullig gesehen wird, wie Vergesslichkeit oder ewiges zu spät kommen.

„Ein Chef zum Verlieben“ sucht den Kompromiss. Aber dafür begeht er nicht nur eben erwähnte Fehler mit der Figur des George, er macht ähnliches mit Lucy. Denn auch der Idealismus wird als Schrulligkeit dargestellt, als eine unangenehme Charaktereigenschaft, deren Lösung im Kompromiss liegt. Dabei wird völlig übersehen, dass Idealisten gesunde Charaktere sind, die überzeugt von einer Sache sind, die sie gut heißen. Warum soll eine Lucy ihre „Marotte“ ebenso reduzieren wie der Kapitalist?

Und da liegt der Hund drin begraben. Regisseur und Drehbuchautor Marc Lawrence leistet wirklich hervorragende Arbeit. Dennoch geht sein Rezept nicht auf, wie z.B. im sehr romantischen „Mitten ins Herz“. Dennoch, und daran erkennt man die Professionalität aller Beteiligten, kommt ein Funke des gewünschten Endergebnisses herüber, so dass man „Ein Chef zum Verlieben“ durchaus als durchschnittlichen Genrebeitrag sehen kann. Schaltet man den Kopf aus, wird es witzig und romantisch, ab und an meckert da nur eine kleine Stimme im Hinterkopf. Aber es ist Kino! Es ist Popkorn-Kino! Da sollte man nicht alles zu ernst nehmen. Das Problem des Films lässt sich nicht ausschalten, aber einige Momente lang übersehen.


Trailer,   OFDb

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