Bereits sieben Jahre zuvor verfilmte Alfred Vohrer den hier vorliegenden Stoff als „Die toten Augen von London“, damals noch in Schwarz/Weiß gedreht. In der schrilleren Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe nahm er erneut hierfür auf den Regiestuhl Platz. Wie typisch für die späte Phase der Reihe kommt „Der Gorilla von Soho“ peppiger daher als die früheren deutlich düsteren Grusel-Krimis. Im Vergleich mit dem ein Jahr später von Vohrer umgesetzten letzten Wallace-Film dieser Dekade, „Der Mann mit dem Glasauge“, hält sich der hier besprochene Film jedoch noch mit seinem Affentheater zurück.
Zwar bestimmen abgedrehte Komponenten den Streifen, so der im Titel genannte Gorilla, ein Club in dem Nachwuchsmaler Nackedeis mit Hilfe lebender Modelle zeichnen und Gimmicks wie ein Maschinengewehr in einem Geldschrank, darauf vorbereitet es mit einem äußerlich wie inhaltlich kunterbunten Film zu tun zu haben kommt einem das Ganze im Vergleich jedoch noch nicht völlig überzogen vor. Immerhin darf es noch Szenen im nebligen London geben, die Geschichte driftet nur selten für unnötige Spielereien von der zentralen Kriminalgeschichte ab, und noch ist es auch das Genre des Kriminalfilms das dominiert. Der humoristische Gehalt plätschert leicht im Hintergrund vor sich hin. Auch dies sollte sich im Folgefilm ändern.
Mit Vohrers Original aus dem Jahre 1961 kann „Der Gorilla von Soho“ nicht mithalten, und das behaupte ich als jemand der sowohl mit der alten, als auch mit der bunten Phase der Wallace-Reihe etwas anfangen kann. Hartgesottenen Freunden der Serie ist die Buntdekade ohnehin ein Dorn im Auge. Unabhängig davon trumpfte die deutsche Erstverfilmung einfach mit seinem düsteren stimmigen Look, da kann sich der noch halbwegs zurückhaltende farbige Popkorn-Stil nicht gegen durchsetzen. Zumindest versucht Vohrer gar nicht erst die erneute Verfilmung ebenfalls düster wirken zu lassen. Er verlässt sich diesmal mehr auf das hier agierende Personal und die kleinen sleazy Gimmicks, vermischt auch gerne mal beides, wie die Figur des immer Sonnebrille tragenden Kriminellen zeigt, oder noch mehr die Figur die unter dem Gorillakostüm steckt und deren Identifikation im Gegensatz zu den üblichen Beiträgen der Reihe diesmal kein Geheimnis ist.
Die Verspieltheit der zweiten Vohrer-Verfilmung zeigt sich zudem in mancher Namensgebung. Da gibt es z.B. einen Dr. Jeckyll. Und ob man von Zufall sprechen kann, dass ein gewisser Sergeant ausgerechnet Pepper heißt, so wie im berühmten Song und Album der Beatles, lässt sich in diesem Zusammenhang wohl deutlich verneinen. Horst Tappert spielt seinen Charakter als Hauptermittler bereits humoristisch angereichert, aber noch nicht so penetrant (weiterhin angenehm lustig) wie nur einen Film später. Ihm zur Seite steht ein anders besetzter Gehilfe, der nicht besser und nicht schlechter wirkt als sein Nachfolger. Und Hubert von Meyerincks Interpretation seines Sir Arthur scheidet in seiner völlig überzogenen Art seit je her die Geister.
Überraschen darf ausnahmsweise einmal Uschi Glas, die freilich nicht urplötzlich gelernt hat zu schauspielern. Aber dadurch dass sie gerade in den ersten beiden Dritteln wenig redet und oftmals nur verschmitzt gucken darf, gelingt zumindest kurzfristig des öfteren die Illusion der süßen, zierlichen Schönheit, obwohl sie in ihrer plumpen Art doch nie die Klasse von Karin Dor und Co erreichen könnte. Somit ist ihr hier vorliegendes akzeptables Ergebnis schon weitaus besser ausgefallen, als alles was sie in allen anderen Werken, die ich je mit ihr bislang sichten durfte, zu bieten hatte.
Auf der Seite der Kriminellen sticht diesmal niemand als besonders nennenswert hervor, das ist ein deutlicher Schwachpunkt von „Gorilla Gang“ (Alternativtitel). Aber so oder so schippert „Ape Creature“ (Alternativtitel) nur angenehm vor sich hin, ist quasi nur im Vorspann so konsequent flippig wie sein Nachfolger, fällt aber zumindest sympathisch genug aus, so dass man so kurz nach „Die toten Augen von London“ den selben Stoff noch einmal fern jedem Anflug von Langeweile amüsiert folgen kann. Das ist insofern positiv zu sehen, als dass „Der Gorilla von Soho“ trotz deutlicher Veränderungen noch genügend wiederholende Elemente beherbergt, die diesem positiven Ergebnis nach so wenigen Jahren auch hätten negativ entgegen wirken können. OFDb
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