Samstag, 29. Juli 2017

NIGHTMARE 3 - FREDDY KRUEGER LEBT (A Nightmare on Elm Street 3 - Dream Warriors 1987 Chuck Russell)


Die letzten Kinder der Elm Street wissen von der Todesgefahr ihrer Alpträume und landen deswegen gemeinsam in einer Nervenheilanstalt, wo ihnen bewusst werden soll, dass sie sich irren. Nancy, die als Teenager persönlich gegen den in den Alpträumen wütenden Freddy Krueger kämpfen musste, stößt als psychologische Beraterin zu der Gruppe dazu und bekommt den verantwortlichen Arzt dazu überredet sich der Freddy-Theorie der Kinder zu öffnen. Da einer der Teens die Fähigkeit besitzt andere in ihre Träume zu ziehen, versucht man sich per Gruppenhypnose dem Traumdämon zu stellen. Doch alles kommt anders als erwartet...


Spritzenfinger, Marionettenopfer, tödlicher Fernseher...

Setzte Teil 2 den Erfolgsfilm Wes Cravens relativ bodenständig, wenn die Geschichte von Teil 1 auch nur streifend, fort, was beim Publikum nur bedingt ankam, so baut „Nightmare 3 - Freddy Krueger lebt“ ganz direkt auf den Geschehnissen des Erstlings auf, ignoriert „Nightmare 2 - Die Rache“ komplett und dreht die Gesetze von „Nightmare - Mörderische Träume“ gehörig auf, um die Geschichte auf eine recht abgedrehte Art weiterzuerzählen. Das kam wesentlich besser an als das Teil 2-Experiment und sollte wegweisend für die weiteren Fortsetzungen sein. Auch mich weiß das hochgeschaukelte Treiben des dritten Films der Reihe zu unterhalten, so toll wie als junger Erwachsener und als Teenager habe ich das Konzept mittlerweile aber nicht mehr empfunden. Der konservativ gehaltene Teil 2 gefiel mir im Vergleich persönlich besser.

Das liegt aber nicht an den wundervollen, comicartigen, den Bereich der Horror-Komödie fast streifenden Ideen, mit welchen Freddy den Kids diesmal zu Leibe rückt. Die wissen in ihrer kreativen Form und den hervorragend gelungenen Spezialeffekten zu gefallen, auch wenn hierfür die Figur des Freddy Krueger endgültig zum Sprücheklopfer verkommt und vom schwarzen, unheimlichen Mann, den Englund ohnehin nur bedingt mimen konnte, nicht mehr viel übrig bleibt. Leider tobt sich die Fortsetzung auf eine unausgegorene Art mit derart vielen neuen Ideen aus (auch unter der finanziellen wie kreativen Mitbeteiligung des Freddy-Schöpfers Wes Cravens), dass schon einiges an Wohlwollen und Augenzudrücken vom Zuschauer abverlangt wird.

Das beginnt beim Grundplot, der schon vor dem Erscheinen Nancys, deren Einbringen ein Nichtverstehen der Schlussereignisse von Teil 1 voraussetzt, vorne und hinten keinen Sinn ergeben will. Alle Kids wissen von Freddy, haben Angst zu sterben, wurden bisher aber nicht getötet. Warum? Wieviel Kinder hat denn die olle Elm Street? Und warum gibt es eigens eine Abteilung in einer psychiatrischen Klinik für sie, wenn man doch weder von Massenpsychose ausgeht, noch den Kids je Gehör über die angebliche Ursache schenkt, über die sie klagen. Sie werden ganz klassisch wie selbstmordgefährdete Jugendliche gehalten, könnten also auch sonstwo gelandet sein, um sie zu therapieren. Von dem Muster, dass alle aus der selben Straße stammen, nimmt außerdem kein Erwachsener je Kenntniss.

Dabei bleibt es jedoch nicht allein. Neue Regeln, die das Horror-Thema nun mit dem Fantasybereich vermischen, verwässern das Horror-Feeling und verlangen ebenfalls einiges an Ignorieren von Ungereimtheiten vom Zuschauer ab. So sehr mir der Finalkampf auf zwei Ebenen auch gefällt: warum Freddy plötzlich die Macht besitzt auch in der Realität zu spuken, wird nie erklärt, einfach vorausgesetzt und ergibt auch keinerlei Sinn. Dass er nun mit religiösen Symbolen besiegt werden kann, gibt dem Christentum recht, tut der Story somit auch nicht gut und hätte so wenig sein müssen wie die Idee, dass jemand andere in seine Täume ziehen kann, ohne dabei Gesetzmäßigkeiten und/oder Begründungen aufzuweisen, warum und wie derjenige dies kann. Alles in Teil 3 wird als selbstverständlich vorausgesetzt, und zu allem Übel muss man nun auch noch eine völlig idiotische weltliche Begründung schlucken, warum Freddy das wurde was er wurde. Denn Wahnsinn ist in den Augen Amerikaner eine Vererbungskrankheit, und diesem Fehlwissen macht man sich hier auf peinlichste Art zueigen, kombiniert mit der geisterhaften Warnung einer längst verstorbenen Nonne.

Wären die Effekte, Traumbilder und der Grundton des Streifens nicht so gut ausgefallen, man könnte der Geschichte fast nicht folgen, so wackelig kommt sie daher und so viel Unsinn schlägt sie einem vor die Augen. Zudem haben es die Verantwortlichen der Maske Mitte der 80er Jahre geschafft, die zuckersüße, sehr natürlich wirkende Heather Langenkamp aus Teil 1 in ein grottig aussehendes, jedem kurzfristigen Modestile hinterherlaufenden Püppchen zu verwandeln, was das ganze zu realitätsferne Treiben sich nur um so unechter anfühlen lässt. Ein Blick auf die Besetzung bietet dennoch einen ähnlichen Reiz wie im Erstling der Reihe, mischen doch nun auch die damals unbekannten Patricia Arquette (im Gegensatz zu „True Romance“ aufgrund der Schlafprobleme herrlich unerotisch zurecht gemacht) und Laurence Fishburne  („Matrix“) mit. Auch John Saxon konnte man für seine kleine Rolle als Nancys Vater zurückgewinnen.

Lässt man sich auf das sinnlose, wie einfallsreiche Gedankenspiel von „A Nightmare on Elm Street 3 - Dream Warriors“ (Originaltitel) ein, wird man recht ordentlich unterhalten, dürfen sich Autoren wie Spezialeffektler doch ordentlich austoben. Freddy als menschenfressendes, schlangenartiges Wesen weiß dabei ebenso zu beeindrucken wie das handgemachte Skelett, gegen welches Nancys Vater im Finale kämpfen muss (mein persönliches Highlight des Streifens). Leider vermisst man den Spannungsbogen des ersten Teils und das Verwirrspiel von Schlaf und Realität.

So bleibt ein kunterbunter, höchst kreativer, aber unsinnig gehaltener Fantasystreifen mit Horror-Touch, der durchaus kurzweilig zu unterhalten weiß mit allerhand quantitativen Tamtam, diesen Zirkusattraktionen aber keinen Rahmen schenkt, in welchem er ohne die Augen zu verdrehen kompromisslos zu funktionieren weiß. Wenn man während einer geglückten Szene immer wieder auf Lücken stößt, weil die Autoren ihre Ideen nicht zu Ende gedacht haben, entsteht auch bei kurzweiliger Unterhaltung stets ein Riss, der dem Gesehenen schadet. Die Kunst sein Gehirn auszuschalten oder die Widersprüche gar nicht erkennen zu können erweist sich somit als zwiespältiger Vorteil für den Genuß dieser allseits beliebten Fortsetzung, und das ist leider typisch 80er Jahre-Kinokrankheit.


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