Montag, 31. Juli 2017

DAYBREAKERS (2009 Michael Spierig u.a.)


Vampire haben die Herrschaft auf der Erde übernommen. Der Mensch ist fast komplett ausgestorben, so dass fieberhaft nach einer künstlichen Alternative zum menschlichen Blut gesucht wird, um die aufgebaute Vampirzivilisation aufrecht zu erhalten, die aufgrund der Rationalisierung des roten Saftes bereits beginnt zu bröckeln. Der Forscher Dr. Dalton, der seinerzeit unfreiwillig in einen Vampir verwandelt wurde und Sympathie zu den Menschen hegt, stößt auf eine Wiederstandsgruppe letzter Überlebender, die ihm eine erstaunliche Alternative zum Blutersatz präsentiert...


Soldaten als Menschenjäger...

„Daybreakers“ versteht sich in Bezug auf die in der Zukunft entstandenen Vampirgesellschaft als Satire auf das gegenwärtige Leben der US-Amerikaner. Das weiß mit einigen Seitenhieben auch zu funktionieren, dennoch ist es schade, dass man sich aufgrund dessen nicht die Mühe gemacht hat sich in die Struktur einer zukünftigen Vampirwelt hineinzudenken, anstatt lediglich das wirkliche Leben leicht abzuändern. Vieles erscheint sinnlos, weil Vampire es nicht für ihre Zivilisation benötigen würden, zudem wirkt der fehlende Versuch einfallslos, eben weil die Wünsche, Bedürfnisse und das Regelempfinden, bzw. ohnehin die Psyche eines Vampirs nicht bedacht wurde. Man hat sich nicht in die Blutsauger hineinversetzt und stattdessen Vampireigenschaften in das Alltagsleben der Amerikaner integriert.

Aufgrund der mangelnden Empathie ist es dementsprechend gar nicht schlecht, dass uns als Identifikationsfigur ein Vampir präsentiert wird, der ungern ein solcher geworden ist und Sympathie zu den letzten Menschen hegt. Das erinnert zwar stark an die Hauptfigur aus „Interview mit einem Vampir“, da „Daybreakers“ aber ohnehin ein munterer Ideendieb ist, der Versatzstücke anderer Filme auf sympathische Art neu zusammensetzt, ist das der Erwähnung jedoch kaum wert.

Etwas dominanter wird hingegen bei „Matrix“ abgekupfert. Auch wenn die Lagerhalle der gehaltenen Stoffwechsel-heruntergefahrenen Menschen eher an jene aus „V - Die außerirdischen Besucher kommen“ erinnert, anstatt an die Kabinen, in denen Menschen als Batterien gehalten wurden, so werden doch hier wie im Wachowski-Film Menschen zur Energiegewinnung gehalten (Blut ist Energie für den Vampirkörper). Zudem gibt es einen weisen Außenseiter, der Anführer einer Rebellengruppe ist und über ein mächtiges Geheimnis verfügt, welches die bisherige Gesellschaftsstruktur auflösen kann und die Menschheit aus ihrer Gefangenschaft befreien kann. Um Teil dessen Bewegung zu werden, muss man sich zwingend einer unangenehmen Prozedur unterwerfen. Nach dieser wird der Kunstblutforscher ebenso wie der Auserwählte Neo zum Erretter der Menschheit, der sich ebenso wie dieser mit einem Off-Kommentar am Ende des Films vom Zuschauer verabschiedet, um von einer kommenden Befreiung zu sprechen - was in „Matrix“ freilich mehr Sinn ergibt als hier, da der Zuschauer weiß kein Vampir zu sein.

Das zeigt deutlich, dass man nicht immer kapiert was man kopiert und sich dementsprechend ein wenig zu sehr einem Zielpublikum anbiedert, anstatt einfach kreativ sein eigenes Ding durchzuziehen. Deswegen hagelt es an allen Ecken und Enden auch an etwas zu bemühten, wenn durch die Verwendung von Pflockharpunen auch alternativ ausgefallenen, Actionszenen. Und freilich darf der für das Mainstreampublikum so obligatorische Soap-Gehalt ebenso wenig fehlen, z.B. im völlig unnötigen Sub-Plot um die rebellische Tochter des mächtigsten Vampirs.

Was sich im vorangegangenem Absatz jedoch extremst negativ liest, wird glücklicher Weise unterhaltsam in den besseren Teil der Geschichte eingefügt, so dass mein Meckern eines auf hohem Niveau ist, weiß das Werk der Regisseure Michael und Peter Spierig an sich doch zu gefallen. Es ist lediglich etwas zu aalglatt ausgefallen, um in ihm mehr zu sehen als die leichte Unterhaltung für zwischendurch. Für diese bietet er jedoch genügend Ideen, Tempo und Sympathie um dran zu bleiben. Ich hätte mir sogar noch eine Fortsetzung gewünscht, schreit der Schluss doch geradezu nach einer. Aber scheinbar war „Daybreakers“ für eine solche nicht erfolgreich genug an den Kinokassen. Zumindest ist es kein solch populärer Film, als dass ihn jeder vom Titel her kennen würde.

Technisch weiß „Daybreakers“ zu überzeugen. In diesem Punkt ist er professionell umgesetzt, ohne all zu teure Tricks verwenden zu müssen. Auch die Besetzung ist geglückt. Gerade Sam Neill in einer ähnlichen Rolle wie seinerzeit in „Jagd auf einen Unsichtbaren“ weiß zu gefallen, spielt der B-Star doch herrlich schurkisch. Und da zudem die Dramaturgie innerhalb eines erzählenswerten Plots stimmt, der einige Storywendungen zu bieten hat, gibt es rein oberflächlich nichts zu meckern. Eine Spur innovativer und durchdachter hätte der Film trotz funktionierendem Unterhaltungswertes und überzeugender Arbeit vor und hinter der Kamera aber zwingend ausfallen müssen, um mehr zu werden als die professionelle Fast Food-Kost zur kurzfristigen Ablenkung vom grauen Alltag.


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