Dienstag, 8. August 2017

FREDDY'S NEW NIGHTMARE (New Nightmare 1994 Wes Craven)


Als Heather Langenkamp ähnlich bedrohliche Träume hat, wie ihre Rolle der Nancy in Nightmare on Elm Street, forscht sie nach und erfährt, dass Wes Craven an einem neuen Nightmare-Film schreibt. Als ihr Sohn Kontakt zu Freddy Krueger aufnimmt, muss sie erkennen, dass es die Filmfigur von einst irgendwie geschafft hat ins reale Leben einzudringen...


Eine Kralle mehr als üblich...

Als man 1991 mit Teil 6 der Nightmare-Reihe das Ende Freddy Kruegers inszenierte, war Erfinder Wes Craven in keinster Weise an dem Projekt beteiligt. Wenn hier irgendwer Krueger sterben lässt, dann ich, soll der Kult-Regisseur geäußert haben und ließ den mordenden Kinderschänder-Traumdämon zurückkehren, ohne eine direkte Fortsetzung abzuliefern. Die wichtigsten Protagonisten der Teile 1 und 3, also aus genau jenen Filmen, an denen Craven beteiligt war, erleben als sie selbst gespielt das neue Grauen in Hollywood, also quasi in der realen Welt. Für dieses interessant klingende Projekt konnte Craven von Robert Englund, über Heather Langenkamp, bishin zu John Saxon alle wichtigen Originaldarsteller zurückgewinnen, so dass einem guten Ergebnis eigentlich nichts im Weg stehen sollte.

Damals empfand ich den Streifen dann auch als Highlight der Reihe, mochte ich doch das Spiel mit den Metaebenen, die Erklärung warum Freddy in die Realität gelangt und das immer größer werdende Verschwimmen zwischen Privatperson und Filmrolle. Heute sichte ich ihn eher mit müdem Blick und betrachte ihn als Übung für die „Scream“-Reihe, in der ebenfalls ordentlich mit Metaebenen gespielt wird, denn so reizvoll die Idee von Teil 7 auch klingen mag, sie wurde nicht lange genug überdacht, bevor man sich an die Verfilmung dieses Stoffes heranwagte.

Langenkamp wirkt in ihrer aufgebretzelten Hollywood-Diva-Art längst nicht mehr so sympathisch wie in jüngeren Jahren, was von Craven eventuell noch gewollt sein kann. Warum die Geschichte jedoch weit weniger verwirrend ausgefallen ist als man vermuten würde, das Kind der Langenkamp so extrem im Zentrum steht, bis es stark zu nerven beginnt und das ganze Spektakel viel Specialeffect-lastiger ausgefallen ist anstatt spannend zu geraten, will mir nicht in den Sinn kommen. Kurz gesagt: wie konnte man nur solch eine sympathische Geschichte derart verwursten und fast schon familientauglich umsetzen, bis nur noch das Grundgerüst zu interessieren weiß?

Die einzelnen Randideen wissen alle in der Theorie zu gefallen (das Höllenfinale, der Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit Langenkamps und damit der Kampf um das Sorgerecht ihres Kindes, das geträumte Drehbuch, der Budenzauber am Set des Filmes, stark erinnernd an manche Szene aus dem 10 Jahre später erschienenden und wesentlich besser ausgefallenen „Chuckys Baby“), die Umsetzung will jedoch meist nicht funktionieren, was schon verwundert wenn man bedenkt welche Horrorfilm-prägenden Perlen Craven allein mit „Hügel der blutigen Augen“, „Nightmare - Mörderische Träume“ und „Scream“ geschaffen hat (Buch und Regie!!!), drei völlig unterschiedliche Geschichten in völlig unterschiedlichen Horror-Kategorien. Aber Cravens Qualität seiner Arbeiten schwankte stets, und „New Nightmare“ (Originaltitel) gehört leider zu den weniger geglückten Werken.

Die Maske Freddys und der mittlerweile fünf Krallen besitzende Handschuh wissen leider nicht so gut zu wirken, wie von Craven gewollt. Er wollte sich vom Sprüche-klopfenden Clown der letzten drei Nightmare-Filme entfernen, aber gruselig ist Freddy auch hier nicht ausgefallen. In einem penetrant aufgezwängtem „Hänsel und Gretel“-angelehnten Finale hat er hierfür ohnehin keine Chance mehr. Aber inmitten des Höllenspektakels, das optisch nicht zu überzeugen weiß und in seiner wuchtigen Art eher nervt anstatt zu packen, bleibt er die Clownsfigur die er gegen Ende immer war, u.a. auch weil Englund die Rolle meiner Meinung nach ohnehin nie gelungen ausgefüllt hat.

Der Spaß der Beteiligten und die wirklich großartigen Drehbuchideen sorgen zumindest dafür, dass Freddys kurzes filmisches Aufbaumen nach dem Tod, wie es im Slasher-Genre bei den Killern zur Regel werden sollte, mittelmäßig ausfällt und den ein oder anderen schlechten Moment aufgefangen bekommt. Bedenkt man jedoch was mit der Grundidee möglich gewesen wäre, wenn man sich nur etwas intensiver und konsequenter mit ihr auseinandergesetzt hätte, darf man zurecht über den Versuch, den Craven hier kreativ unternimmt, schimpfen. Aber wer weiß, vielleicht wäre ohne diese Vorübung „Scream“ zwei Jahre später nie so gut geworden wie geschehen. Diese Starthilfe gäbe „A Nightmare on Elm Street 7“ (Alternativtitel) zumindest eine Daseinsberechtigung.


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