EIN GANZ NORMALER HELD (Hero 1992 Stephen Frears)


Der stets schlecht gelaunte LaPlante bekommt in seinem Leben nichts auf die Reihe. Aktuell droht ihm Gefängnis, seinem Sohn predigt er den Egoismus. Eines Tages stürzt zufällig ein Flugzeug vor den Augen LaPlantes ab. Mies gelaunt rettet er über 50 Menschen aus dem Wrack und verschwindet mitten im Chaos wieder als die Feuerwehr zu ihrem Einsatz heranrückt. Auch die stets nach Sensationen suchende Reporterin Gayley war mit an Bord und sucht nun verzweifelt ihren Lebensretter, den sie im Rauch nicht erkennen konnte. Als das TV eine Millionen Dollar bereitstellt, wenn sich der Retter meldet, meldet sich ein Obdachloser, dem LaPlante alles kurz nach der Tat erzählt hat. Er selbst sitzt im Gefängnis und kann die Sache nicht richtig stellen. Als er heraus kommt ist aus dem angeblichen Helden längst ein Medienstar geworden, an den nicht leicht heranzukommen ist...


Zum Schutz der 100 Dollar-Schuhe...

"Ein ganz normaler Held" beschäftigt sich mit den Funktionen der Medien, dem Konsum der Gesellschaft, dem Weltbild das man sich wünscht, jenem welches die Medien uns bieten und dem welches es in der (Kino)Realität tatsächlich gibt. Es geht um Gier und Manipulation, um Verzweiflung und Menschlichkeit, um Individuen und kreierte Mediengeschöpfe, um Gewissen und Gleichgültigkeit und letztendlich darum dass nichts so einfach ist wie es zu sein scheint. Interessanter Weise ist die hier besprochene Satire trotz ihrer Angriffsfelder keinesfalls eine sonderlich bissige ihrer Art geworden. Zwar werden besagte Anliegen gut ausgeleuchtet und gekonnt angeprangert, mit seinem Schwerpunkt auf den Bereich der Tragikomödie hebt "Hero" (Originaltitel) jedoch den menschlichen Faktor hervor und will die Menschen wie sie sind gar nicht als Wesen vorführen, die sich ändern müssten. "Ein ganz normaler Held" spielt augenzwinkernd mit den Umständen unserer Gesellschaft und macht daraus eine Liebeserklärung an die zwei Seelen die in jedem von uns ticken.

Sicherlich gelingt ein solches Vorhaben nur mit einem Ansatz innerhalb von Kinorealität. Wirklich realistisch fühlt sich da kaum etwas an, das will Stephen Frears auch nicht. Er möchte Kino bieten, die Leute sollen Kino erleben und trotzdem einem geistreichen Film folgen, der in der Lage ist die Lebenswelt in Amerika zu reflektieren. Ohne Blauäugigkeit funktioniert ein solcher Schwerpunkt freilich nicht. Aber eine Satire muss auch nicht immer zynisch und spöttisch sein, es ist schön sie auch einmal auf die lebensbejahende Art mitzuerleben. Und da sowohl die Geschichte an sich, als auch die Charakterisierung des im Zentrum stehenden LaPlante sehr individuell und greifbar ausgefallen sind, steht dem Funktionieren eines solchen Vorhabens meiner Meinung nach auch nichts im Weg. Das Drehbuch versteht seine Figuren, lässt die Geschehnisse aus dem Blickwinkel eines Gesellschaftshassers stattfinden und teilt dabei nach allen Seiten Kritik und Verständnis aus, mit dem besonderen Trick trotzdem keinesfalls naiv zu wirken.

Stephen Frears, der später noch so tolle Werke wie "Mary Reilly" und "High Fidelity" ablieferte, inszeniert gekonnt routiniert, sprich die Inszenierung lässt keine Wünsche offen, auch wenn nicht gerade mit künstlerisch wertvollen Aspekten vorgegangen wird. Dem Mann geht es um die Erzählung der Geschichte, er will Unterhaltung bieten und ein schweres Thema leicht zubereitet servieren. Und all dies ist ihm mit dem kurzweiligen und keineswegs oberflächlich ausgefallenem "Accidental Hero" (Alternativtitel) geglückt, wobei der Kniff Dustin Hoffman für die Hauptrolle zu erhaschen sich als wahrer Glücksgriff erweist, welcher den ohnehin schon geglückten Film zusätzlich aufzuwerten weiß. Ihn im Originalton vor sich hingrummeln zu hören ist bereits die halbe Miete. Die Mimen um ihn herum sind ebenfalls alle passend besetzt. 

Zu meckern gäbe es höchstens etwas über die Aussagen welche der Film trifft, da kann man sicherlich über einige Punkte geteilter Meinung sein. Letztendlich betrachtet Frears das Treiben des Streifens jedoch aus einer solch großen Entfernung, die ein Verurteilen der Geschehnisse schon nicht mehr zulässt, und erwartet diese Haltung gewisser Maßen auch vom Publikum, ohne dies dabei frei von Kritik halten zu wollen. Kritisch zuschauen ohne zu verurteilen ist ein schwieriger Ballance-Akt, den nur wenige Zuschauer hinbekommen werden. Da ist es um so schöner, dass Frears dies mit diesem Werk als Regisseur zusammen mit den Autoren gelungen ist. "Hero - Ein ganz normaler Held" (Alternativtitel) sieht man seine Laufzeit von über zwei Stunden nicht an, und ich habe ihn sicher nicht zum letzten Mal gesichtet.


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