Samstag, 12. Januar 2013

HALLOWEEN 2 (2009 Rob Zombie)


Zwei Jahre ist das Massaker her, da taucht der todgeglaubte Michael Myers an Halloween zurück, um seine Tat zu beenden. Der ohnehin schon gestörten Laurie hätte nichts schlimmeres passieren können. Loomis eilt ihr zu Hilfe...


Fucking Bitches In The Town...

Mir hat bisher noch jeder Film der “Halloween”-Reihe gefallen. Ob das nun die eher schlichten Fortsetzungen waren, der Neuansatz von Steve Miner und dessen Fortsetzung, das sehr langsame Original (mein Lieblings-Horror), Zombies Remake, oder gar „Halloween 3“, der mit der Reihe nichts zu tun hatte und sehr umstritten ist.

Am Remake störten mich die kurzen Übertreibungen in der Myers-Familie, am meisten die Art, wie der Stiefvater präsentiert wurde. Ein weiteres Ärgernis, eine peinliche Vergewaltigungsszene in der Nervenheilanstalt, war zum Glück nur im Director’s Cut enthalten, so dass ich den von da an mied. Gefallen hat mir an Zombies Remake der Mix aus Neuheiten und Bekanntem und die Treue zur Myers-Mystik.

Dennoch hätte ich kein Problem mit dem Fehlen dieser gehabt. Und als ich las, dass die Fortsetzung der Neuverfilmung völlig eigene Wege einschlagen würde, insbesondere in der Figur des Michael Myers, da war ich vorgewarnt und ging vorurteilsfrei an den Film heran, weil ich es interessant fand diese schöne Horrorgeschichte einmal völlig anders weitererzählt zu bekommen. Soll die Maske doch zur Nebensache degradiert werden, soll Myers doch wie ein Obdachloser herumlaufen. Es würde mich nicht stören.

Leider konnte ich schon mit Rob Zombies „Haus der 1000 Leichen“ nicht viel anfangen. Aber sein gelungenes Carpenter-Remake „Halloween“ machte mir trotzdem etwas Mut auf Teil 2. Aber leider badet Zombie in Teil 2 wieder im Zombie-Stil (sicherlich toll für seine Fans), und mit dem kann ich so gar nichts anfangen. Ich weiß nicht wofür er gut sein soll. Ich weiß nicht was daran unterhaltsam oder schockierend sein soll. Wenn nur noch Arschlöcher auf der Welt leben, die Menschen sich physisch und psychisch gegenseitig weh tun und außer Fucking und Bitch nichts weiter in ihrem Wortrepertoire zu bieten haben, dann ist das in meinen Augen Kindergarten-Kacke. Und sie bestätigt sich dann, wenn außer einem sinnfreien Blutbad nichts weiter vertreten ist, das den Begriff Horror ausmacht.

Idioten prügeln Myers auf einem Feld nieder. Während Myers grunzender Racheaktion fällt das Wort Fucking im Sekundentakt, ohne auch nur im Ansatz augenzwinkernd zu wirken. Und selbst wenn es augenzwinkernd gewollt war, so macht es ein solch infantiles Getue nicht besser.

An einem neuen Stil gibt es sicherlich nichts auszusetzen. Dass mir der hier angewandte Ansatz nicht zusagt, habe ich bereits deutlich gemacht. Was mich jedoch richtig geärgert hat war, dass Zombie seine Veränderungen auf Kosten des Vorgängers angeht. Seine Stilveränderungen stehen häufig im Widerspruch zu Teil 1, oft auch dank mangelnder Sensibilität des Regisseurs. Das zeigt die Rolle der Laurie Strode sehr deutlich. Dass diese unter ihrem Erlebnis zu leiden hat und ein unangenehmer Zeitgenosse geworden ist, ist sicherlich kein schlechter Ansatz. Dennoch wirft man damit nicht die komplette Persönlichkeit über Bord. Es klingt einfach nicht logisch, dass ein taffes, intelligentes Mädel zur Ghetto-Schlampe verkommt, die sich nicht mehr in Dritte hineinversetzen kann und spricht wie ein Hauptschüler, der seinen Abschluss nicht geschafft hat.

Die Charakterveränderung von Dr. Loomis klang immerhin in Teil 1 bereits an. Dass die Extreme, in die er nun rutscht, mir nur aus persönlichem Empfinden nicht gefällt, kann ich nicht abstreiten. Anderen mag das gefallen und das ist auch o.k., da seine Veränderung kein Inszenierungsfehler ist. Schade fand ich den Ansatz dennoch, denn Malcom McDowell in diesem schweren Erbe einer Rolle, die Donald Pleasance so wundervoll auszufüllen wusste, zu erleben, überrumpelte mich im Remake, als ich feststellen musste, dass er mir sogar besser gefiel als sein Vorgänger.

Meine Bewertung ist keinesfalls als Trotzreaktion zu verstehen. Ich habe den Film gesehen und mich hinterher gefragt was eine bessere Bewertung rechtfertigen könnte. Und mir ist nichts eingefallen. Sicherlich ist der Film handwerklich geglückt, er ist schließlich ein gut finanziertes Projekt und hat somit mancher Videoproduktion im Stil einiges voraus. Aber innerhalb professioneller Kameraführung, einem professionell routinierten Soundtrack, gutem Schnitt und was all theoretisch fast schon automatisch gut gemacht wird, konnte ich individuell an „Halloween 2“ nichts gutes erkennen.

Die Geschichte ist plump, der neue Stil eine Ausrede allem Originalen aus dem Weg zu gehen, ohne im Gegenzug wirklich neue Akzente zu setzen. Hier gibt es nichts, was man woanders nicht auch schon gesehen hätte. Zombie erzählt eine überraschungsfreie Geschichte und erhöht die Anzahl der Worte Fucking und Bitch und die Anzahl der White Trash-Figuren. Das ist kein Kunstgriff sondern lediglich ein Armutszeugnis, da der Herr wohl außerhalb dieser Rezeptur nicht zu werkeln versteht. Scheinbar war sein positives Ergebnis des ersten Teils den Produzenten zu verdanken (welch seltene Ausnahme im Filmbusiness).

Gegen einen völlig anderen „Halloween“-Teil hätte ich nichts gehabt, aber dann hätte auch ein einfallsreicher Stil oder eine interessante Geschichte auf den Zuschauer warten müssen. „Halloween 2“ bietet nichts von alledem, und versucht sein mageres Ergebnis mit literweise Blut zu übertünchen. Wenigstens lockt der Werbespruch der DVD-Firma die richtigen in den Film. Die hat dem Werk als Quasi-Beititel den sehr peinlichen Verweis hinzugefügt der lautet: „Der Blutigste von allen“. Boa! Geil ey! Fucking, war das viel Blut beim Bitches-Kill! Ach, erschießt mich einfach! Gebt mir eine Fortsetzung von Teil 6 oder Teil 8, oder gebt mir noch mal einen komplett neuen Ansatz. Aber auf diesen Mist hier kann ich als treuer „Halloween“- und Genre-Fan gut verzichten.

PS: Erwähnte ich schon, dass Myers nun kitschige weiße Pferde sieht, begleitet von seiner toten Mama, die ihm engelhaft den Weg weist? Das ist kitschiger als Argentos Esoterik-Ansätze in „Mother Of Tears“, teilweise geklaut aus der Jason-Mystik und keineswegs unterstützend für die Geschichte oder gar dem angeblich neuen Ansatz Zombies.


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen