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Samstag, 11. Oktober 2014

THE QUIET ONES (2014 John Pogue)


In den 70er Jahren möchte ein Professor mit seinem Team eine geisteskranke Frau heilen, die über telekinetische Fähigkeiten verfügt. Im Laufe der Zeit zweifeln die jungen Leute, ob die Theorie ihres Profs stimmt, oder ob die Patientin nicht doch eher von etwas Bösem besessen ist...


Die Fremde in Dir...

Laut dem DVD-Cover von skrupellosen Forschern handelnd, die eine Frau geisteskrank machen möchten, um in ihr einen Poltergeist herauf zu beschwören, handelte „The Quiet Ones“ in Wirklichkeit von einem Forscher-Team, das eine unter ihren telekinetischen Fähigkeiten leidende Frau heilen möchte und im Laufe dieses Experiments vermutet die Patientin könne besessen sein. Die Cover-Story hatte mich gelockt, somit war ich schon ein wenig enttäuscht, dass mir da ein Bär aufgebunden wurde, aber Horrorfilme mit einem Forschungsobjekt im Zentrum machen mir eigentlich immer Spaß, also hat mir auch die tatsächliche Geschichte Freude bereitet.

„The Quiet Ones“ ist eine der Produktionen aus den wiederbelebten Hammer-Studios. An „Let Me In“ weiß John Pogues kleiner Film nicht heran zu reichen, an den sympathischen „Wake Wood“ jedoch schon. Aber ebenso wie dort braucht man nicht mit wirklichem Grusel zu rechnen. Die beiden Filme sind nette Werke weil ihre Geschichte zu unterhalten weiß, nicht weil sie gruselig wären, funktionierende Schockmomente besitzen würden oder mit Spezialeffekten nur so um sich werfen würden. Die Geschichte ist nicht wirklich neu, lässt aber alle Eventualitäten lange offen, damit der Zuschauer mit den Studenten schön miträtseln darf was denn nun Fakt ist und was nicht.

Und damit das ganze nicht all zu altbacken wirkt, mixte Pogue stilistisch die klassische Art zu filmen mit der  Methode des Found Footage, das mit „The Blair Witch Project“ massenkompatibel geworden war. Ob dieser Mix zwingend nötig gewesen wäre, sei einmal dahin gestellt. Ich glaube nicht dass die Found Footage-Szenen ein Gewinn sind, und dass „The Quiet Ones“ ohne sie weder besser noch schlechter ausgefallen wäre, aber beide Stilrichtungen wissen immerhin nebeneinander zu harmonieren, ergeben am Ende einen kompletten Film und kein mühsam zusammengeflicktes Stückwerk, und dank talentierter Schauspieler und einer rätselhaften Geschichte weiß der Forscher-Film in diesem Gewand somit auf simpler Ebene zu gefallen, als kleiner Genre-Beitrag für zwischendurch, ohne dabei zum Geheim-Tipp zu werden.

Das Zeug dafür hätte er gehabt, aber dann hätten sich die Verantwortlichen des Drehbuchs entscheiden müssen was sie wirklich erzählen wollen. Denn so sehr sie auf der einen Seite alles möglichst lange zum Miträtseln offen halten wollen, so sehr vergeigen sie es auf der anderen Seite der Auflösung genügend Screentime zu bescheren und das lange Rätseln damit befriedigend zu lösen. Es ist zwar schön, dass der Zuschauer sich am Ende vieles selbst zusammenreimen darf, aber den Fokus der Geschichte etwas spezieller halten hätte dieser Hammer-Produktion durchaus gut getan.

Viele Storyelemente werden nur kurz angeschnitten, so z.B. die Idee, dass sich der Kameramann in die Patientin verliebt, oder der Verdacht der Professor könnte die Zerbrechlichkeit seines Untersuchungsobjektes sexuell ausnutzen. Nur wenige Stränge werden konsequent aufgegriffen, noch weniger werden beendet. Da wirkt manches gerne mal wie Füllmaterial, zumal das ganze am Ende keinen psychologisch sinnvollen Cocktail ergibt. Glücklicher Weise wird „The Quiet Ones" aber auch nie langweilig, und manch nicht zu Ende gedachter Storystrang schafft es einen immerhin kurzfristig zu verwirren bei dem Versuch zu enträtseln was mit der Patientin denn nun los ist. Schließlich weiß man erst hinterher, dass besagte Ideen nur kurz aufgegriffen werden. Von daher erfüllen sie zumindest einen Zweck.

Unter einer besseren Regie hätte es sicherlich funktionierende Gruselszenen geben können. Die Geschichte bietet hierfür einiges an Möglichkeiten, da ist es schon schade, dass nichts dergleichen atmosphärisch vorhanden ist. Uns zu ängstigen versteht Pogue nicht, der drei Jahre zuvor mit „Quarantäne 2“ das amerikanische „[Rec]“-Remake „Quarantäne“ fortsetze. Dieses fehlende Grusel-Feeling degradiert „The Quiet Ones“ lediglich zu einem kleinen, feinen Horrorfilm, der aber zumindest Leuten wie mir zu gefallen weiß, Leuten die es mögen wenn im Science Fiction- oder Horrorbereich die Forschung im Mittelpunkt steht. Vielleicht hätte der Film im dramatischen Bereich ein wenig emotionaler ausfallen können, quasi als Alternative zum fehlenden Gruselgehalt. Aber auch mit dem schlichten Ergebnis wie erzielt bin ich bereits zufrieden gestellt.

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