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Donnerstag, 11. Dezember 2014

ELECTION (1999 Alexander Payne)


Die übereifrige Schülerin Tracy will Schülersprecherin werden. Ihr Lehrer McAllister mag diesen Gedanken nicht und überredet den beliebten Paul ebenfalls zu kandidieren...


Äpfel und Orangen...

13 Jahre nach „Ferris macht blau“ wird der Spieß umgedreht. Matthew Broderick wechselt nicht nur die Seiten vom Schüler zum Lehrer, er darf auch ähnlich viel leiden wie einst Jeffrey Jones als Ferris Schuldirektor in der beliebten 80er Jahre Teenie-Komödie. „Election“ ist grob gesehen ebenfalls eine, wird der Blickwinkel der Teenager doch ebenso stark in die Geschichte mit einbezogen wie jener der Hauptfigur, dem Lehrer. Aufgrund seiner Thematik geht der Film jedoch weit über die Schlichtheit einer Teenie-Komödie hinaus, auch wenn man das bei einer ollen MTV-Produktion kaum glauben kann. Alexander Paynes Werk ist pfiffig erzählt, dies gerne auch über Umwege und ist in seiner Art nicht nur Pointen-sicher sondern auch geschickt darin sich in die Gedankenwelt seiner einzelnen Charaktere hineinzuversetzen.

Eine Sympathiefigur gibt es nicht. Eine Seite die Recht hat ebenso wenig. „Election“ zeigt versimpelt durch den Mikrokosmos Schule die vielen unterschiedlichen Denkweisen zum Thema Politik, im erweiterten Sinne aber auch Denkweise verschiedener Mentalitäten allgemein, weit über das eingrenzende Thema Wahl hinausgehend. Die Polit-Desinteressierten und die geistlosen Verfechter der Spaßgesellschaft bekommen ihr Fett ebenso weg wie rechtsgerichtete Konservative und liberale Idealisten. Dank der Off-Kommentare von vier im Zentrum stehenden Personen werden Blicke in deren Gedankenwelt offengelegt, die über das hinaus gehen, was allein durch Taten hätte aufgezeigt werden können.

Gedankliche Irrtümer, verdrehtes Rechtsempfinden und schlichtes Selbstanlügen und Ignorieren sind menschliche Eigenschaften die auf jede dieser Personen zutreffen, besonders schön zu beobachten am Verhalten McAllisters, der sein Fehlverhalten tatsächlich dadurch rechtfertigen will, dass er doch sonst immer eine Vorzeigeperson ist. Eine Tracy deutet ihre Einsamkeit als Preis für Menschen mit Engagement, Menschen die weniger davon besitzen sind unter ihrem Niveau. Gleichzeitig redet sie sich ein als Schulsprecherin für alle Schüler Pate zu stehen. „Election“ ist voll von solchen Widersprüchen in der Gedanken- und Tatenwelt seiner Protagonisten, und er ist dabei so zielsicher, dass es eine reine Freude ist sich dem auf leichten Stoff getrimmten Film hinzugeben.

Zwar lässt er mit seiner absichtlich umständlichen Erzählung Denkverweigerer außen vor, die Umwege die er schlägt machen „Election“ im Gegenzug aber auch zu keinem verkopften Film. Den Köpfen hinter dem Projekt passiert nicht der Fehler selbst zu etwas zu werden, das kritisiert wird. Paynes Werk bleibt objektiv, bezieht keine Position, sondern feuert seine Satire in jede Richtung ab, dies nicht blind drauf los, sondern trotz seiner lockeren Art wohl durchdacht. Kurzweile und Popkorn-Kino muss halt nicht immer geistlos vonstatten gehen, auch wenn Werke wie „Election“ in diesem Punkt für die Ausnahme stehen, auch bereits im Entstehungsjahr 1999.

Freilich kommt der Komödie auch seine gute Besetzung zu Gute. Broderick, mit Werken wie „In Sachen Liebe“, „Cable Guy“ und „Die Frauen von Stepford“ längst auf die Nische des Langeweilers abonniert, darf hier trotz selbigen Schwerpunktes wesentlich vielschichtiger agieren als in den meisten seiner Werke aus dieser Zeit. Witherspoon zeigt hier ebenso wie im zur selben Zeit abgedrehten „Eiskalte Engel“ wie talentiert sie ist, was ihre späte Rollenauswahl zu Zeiten großer Berühmtheit umso trauriger macht. Und Chris „American Pie" Klein muss zwar nicht wirklich schauspielern können, beherrscht die Rolle des naiven Gedankenlosen aber so perfekt, dass man sich freuen kann, dass er für die Rolle des Paul besetzt wurde.

„Election“ ist mehr als eine olle, kleine Teenie-Komödie. Er ist eine lockerflockig inszenierte Satire mit Köpfchen und mit Mut zu Albernheiten, ohne es mit diesen zu übertreiben. Ein gutes Drehbuch und talentierte Darsteller mit Spielfreude sorgen für den Rest. Spielereien mit der Erzählperspektive sorgen endgültig dafür, dass einem nicht langweilig werden kann. Sicherlich setzt Payne auf Stereotype um zu seinem Ziel zu gelangen. Er haucht ihnen aber so viel Leben ein, dass sie einem trotz ihres Karikatur-Daseins wie Menschen aus Fleisch und Blut vorkommen - wahrscheinlich weil die Geschichte sehr darauf bedacht ist sich auf die Fehler und den Irrglauben der einzelnen Charaktere zu konzentrieren. Als Regisseur und Autor versteht Payne seine Figuren einfach bestens. Unter Beweis durfte er dieses Talent drei Jahre später noch einmal im anspruchsvolleren "About Schmidt" stellen, der keinen Zweifel mehr an diesem Können aufkommen ließ.


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