So ziemlich jeder meiner Generation hat seiner Zeit „Ein Colt für alle Fälle“ geschaut. Neben der aufregenden Abenteuer die der Stuntman erlebte, war hauptsächlich sein Auto der Blickfang für uns Kinder, und ich muss sagen, nach all den Jahren und in Anbetracht dessen dass ich mit Autos als Führerschein-loses Wesen herzlich wenig am Hut habe, weiß mir die Karre Colts in seinem wunderschönen Farbton noch heute zu gefallen. Viel mehr habe ich vom Pilotfilm nicht erwartet, dachte ich doch was einst aufregend erzählt war würde heutzutage eher langeweilen, sowohl dem Zeitgeist geschuldet als auch der Reife die man seit damals durchgemacht hat.
Zugegeben, eine wahrlich aufregende Serie sieht anders aus, aber der Charme kehrte zurück, fast schon mehr denn je, wenn man bedenkt wie naiv die Serie aus Erwachsenensicht erzählt ist, immer Gefahr laufend infantil zu wirken, dafür aber doch zu augenzwinkernd erzählt, als dass aus „The Fall Guy“ (Originaltitel) etwas derart dämliches wie „A-Team“ oder „Knight Rider“ werden könnte. Der Pilotfilm „Die Reise nach Arizona“ ist für eine poplige Actionserie für Halbstarke recht aufwändig inszeniert. Der Gastauftritt einer damals in Amerika bekannten cineastischen Persönlichkeit konnte für das Projekt ebenso gewonnen werden wie die finanzielle Unterstützung für einige sehenswerte Stunts und Actionszenen, die man in dieser Größenordnung so nie erwartet hätte.
Mitfinanziert hat das Ganze der Star Lee Majors höchst persönlich, der auch den nach wie vor grandiosen Titelsong singt. Er schien dem Konzept der Serie also Vertrauen zu schenken, eine Eigenschaft die ihn mit fünf Jahren Erfolg belohnt werden sollte. Zumindest den Pilotfilm betreffend war den Verantwortlichen scheinbar klar, dass man keinen Action-Krimi über einen Stuntman erzählen kann, wenn nicht ordentlich die Post abgeht. Und so bereitet es selbst heute noch kindliches Vergnügen dabei zuzusehen wie Polizeiautos geschrottet und Drogendealer mit einem Auto am Hubschrauber festgebunden auf einem einsamen Felsen ausgesetzt werden, nicht etwa weil die Action und die Spezialeffekte einen fesseln würden wie damals mit ungeschulten Sehgewohnheiten, sondern weil die Art mit welcher Colt die Dinge anpackt verschmitzt vonstatten gehen. Er ist ein Schelm. Und dass er zur Erfüllung seines Auftrages x Gesetze bricht, verkommt zur gern übersehenen Nebensächlichkeit. „Ein Colt für alle Fälle“ ist eben selbstgerechte Trivialunterhaltung und nicht Shakespeare.
Colts humoristischer Sidekick Howey sorgt freilich nicht für solch große Lacher wie im gerne albern herumkischernden kindlichen Alter, aber seine Dämlichkeit weiß zumindest das ganze Szenario ein wenig aufzulockern, während der Prototyp-Texaner Colt mit coolen Sprüchen auf seine Art den zu ernsten Grundton aufbricht, bevor er der höchst naiven Story schädlich werden könnte. Sicherlich haben sich im Pilotfilm durch das Konzept der Doppelfolge kleine Längen eingeschlichen, aber durch die Kombination zweier Fälle und dem recht späten Einbringen des wesentlich dominanteren Auftrages von beiden, wird das Problem recht ordentlich gelöst, so dass man überrascht sein darf, dass die 90 Minuten doch schneller vergehen als man sich dies mit immerhin 40 Jahren zugetraut hätte.
Nach solch enttäuschenden Wiedersichtungen wie den Zeichentrickserien „Cool McCool“ und „Inspektor Gadget“ tat es gut einmal eine Neusichtung aus fernen Kindertagen zu erleben, die einen nicht enttäuscht. Ich hatte mit wesentlich mehr Abnutzungserscheinungen gerechnet, bin allerdings auch mit sehr geringen Erwartungen an den Film herangegangen. Ob „Ein Colt für alle Fälle“ gut genug ausgefallen ist, um tatsächlich die komplette erste Staffel erfolgreich zu Ende zu sichten, bleibt fraglich, aber die ein oder andere Folge werde ich mir noch geben bis mein Interesse so nach und nach verschwunden sein wird. OFDb
Die Serie hab ich auch immer gern geschaut.
AntwortenLöschenBin jetzt vier Folgen über den Pilotfilm hinaus und es macht noch immer Spaß. Bin echt überrascht dass dieses simple Konzept so gut unterhalten kann. :)
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