SPIDER-MAN - HOMECOMING (2017 Jon Watts)


Begierig darauf wartend mit den Avengers die nächste MIssion anzugehen, stößt Spider-Man auf eine Gruppe Krimineller, die aus den Überresten außerirdischer Technologie vom Invasionsversuch vor 8 Jahren Waffen bastelt und verkauft...


Das Stützrädchen-Programm...

Die Heimkehr zu einem Produktionsstudio, das eher Massenware anstatt individuelle Produkte fertigstellt, eine Verjüngung Peter Parkers, Iron Man als Superhelden-Mentor für Spider-Man und damit eine ständige Präsenz der Avengers und womöglich anderer Marvel-Superhelden, so wie es im Marvel-Multiversum mittlerweile zum Konzept dazu gehört, ein von Stark konzipiertes Superheldenkostüm mit allelei technischen Raffinessen - es gab genügend Gründe kritisch auf „Spider-Man - Homecoming“ zu sein bei alle dem wovon ich vor der Sichtung erfuhr. Einzig dass nun innerhalb von kurzer Zeit auf eine dritte Variante wie Spider-Man zu Spider-Man wurde verzichtet wurde, klang nach einer guten Idee - dies und die Anwesenheit Michael Keatons als Oberbösewicht.

Vorangegangen waren freilich auch Erfahrungen mit anderen Werken des Marvel-Universums, die mich nicht gerade zuversichtlich stimmten. Jüngst enttäuschten mich „Deadpool“ und „Guardians of the Galaxy“ als peinliches Idiotenkino, das mich lediglich zum Fremdschämen einlud, unterhaltsame Werke wie „Captain America“ gab es zu selten, angebliche Innovationsanläufe wie „Ant-Man“ entpuppten sich als nett anzusehende Standardware, und die relativ frühen Versuche „Fantastic Four“, „Hulk“, „X-Men“ und Co schwankten für mich auch nur zwischen schlecht und muss man nicht unbedingt gesehen haben-nett. Einzig die „Iron Man“-Reihe konnte mich, abgesehen vom Erstling, für sich gewinnen, so dass diese mir aber auch bekannt genug war, um sie als nicht kompatibel mit der Geschichte zu Spider-Man vorzuverurteilen. Die Lehre daraus ist wie so oft die selbe: man darf niemals vorverurteilen.

Denn nicht nur dass die Mentorenaufgabe Starks, sein für Spidie konstruierter Supertechno-Anzug und die häufigen Auftritte seines Helfers wunderbar zur erzählten Geschichte von „Spider-Man - Homecoming“ passen und sich wie perfekt passende Puzzlestücke in den Rest integrieren lassen, ohnehin ist Jon Watts Werk überraschend gut ausgefallen und zu einem Film geworden, den ich innerhalb kürzester Zeit mehrere Male gesichtet habe und mit jedem Schauen noch ein Stückchen mehr mag. Der Film kommt weit weniger anbiedernd daher, als er es theoretisch für das Zielpublikum eigentlich ist, was aber daran liegt, dass Regisseur Watts dies in einer sehr flott, aber nicht oberflächlich erzählten Inszenierung, mal gut zu verstecken weiß, manches Mal gar gewinnbringend für die zu erzählende Geschichte zu integrieren weiß.

Action und Humor wechseln sich in angenehmer Gewichtung ab, und Teenager werden erfreulicher Weise optisch als solche glaubwürdig besetzt, so dass sich die Verjüngung Spider-Mans als toller Kniff für das Kinoerlebnis herausstellt. Wahrlich Lob gebührt jedoch dem Drehbuch, das seine Protagonisten zudem wie echte Teenager reden lässt, während es sich durch die Comicherkunft gleichzeitig den Luxus erlauben darf Personen und Situationen humoristisch der vollkommenen Übertreibung auszusetzen. Es ist erstaunlich, dass dies nicht zum erkennbaren, nicht funktionierenden Widerspruch wurde. Zudem verzichtet man für den Superhelden-Neuling Spider-Man auf einen zu extremen Gegner. Der Held hat es mit einem für das Marveluniversum relativ normal gearteten Kriminalfall zu tun, bekommt lediglich eine Gruppe halbwegs normaler Gegner entgegengesetzt anstatt gleich mehrere Superschurken. Diese Gegner zeichnete man zudem derart menschlich nachvollziehbar, dass man geneigt ist ihnen in schwachen Momenten in ihrer Argumentation, warum sie in dieser ungerechten Welt kriminell wurden, zuzustimmen.

Freilich kommt noch die obligatorische Prise private Dramatik im Kampf gegen das Böse hinzu und auf Schülerebene die Love Story, wenn man sie denn so nennen kann, so böse wie sie in ihren Ansätzen immer wieder zum Scheitern verurteilt ist. Fertig ist das eigentlich recht simple, aber funktionierende Rezept von „Spider-Man - Homecoming“, dem man glücklicher Weise trotz häufigem Einsatz von Computereffekten diese weder unangenehm bewusst ansieht, noch dafür sorgt dass die Geschichte zum Effektgewitter verkommt. Marvel ist Marvel, da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt, und doch schaffte man es hauptsächlich Geschichte und Charaktere von Bedeutung werden zu lassen. Viele der ausgeflippten Ideen, der anbiedernden Einflüsse anderer Marvelfilme und der Computereffekte dienen der Unterstützung der Entwicklung Parkers Reife, und dies derart humorvoll umgesetzt, dass das Genre Komödie nicht nur zum Beiwerk verkommt.

Durch die Verjüngung Parkers wird der Hauptcharakter aufgrund der pubertären Bockigkeit gar viel eher zum Anti-Superhelden-Charakter, als es die Autoren mit ihren peinlichen Provo-Witzchen bei „Deadpool“ je im Ansatz geschafft hätten. Will man also einen Superheldenfilm des Marvel-Universums als besonders frech hervorheben, dann ist dies „Spider-Man - Homecoming“, der zwar freilich nie die Parodiemöglichkeiten von Anarcho-orientierten Werken wie „Kick-Ass“, „Super“ und „Kick-Ass 2“ erreichen kann, diesen trotz seiner braven Art aber wesentlich näher kommt als alle anderen Mainstream-Gehversuche in diese Richtung.


Weitere Besprechungen zu Spider-Man - Homecoming: 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen