Freitag, 8. Februar 2013

DAY OF THE DEAD (2008 Steve Miner)


Ein Virus macht Tote lebendig. Die Seuche verbreitet sich schnell. Eine Gruppe Menschen sucht Schutz in einem Militärbunker...


Miners Ausrutscher...

Steve Miner, Regisseur solch gelungener Werke wie „House“, „Und wieder ist Freitag der 13.“ und „Lake Placid“ hat sich an einer angeblichen Neuverfilmung von George A. Romeros „Zombie 2“ gewagt und ist aus meiner Sicht zum ersten mal gescheitert. Da liefert Miner nun erstmals eine schlechte Arbeit ab und dann ist sie auch gleich unterirdisch schlecht. Dabei habe ich persönlich nicht einmal sonderlich viel erwartet. Ich wollte nur nett von einem kleinen Untoten-Horror unterhalten werden.

Es hat mich kein bisschen gewundert, dass der Titel nur Augenwischerei ist, so wie bei „Day Of The Dead 2“ oder „Dawn Of The Dead“ von 2004. „Day Of The Dead“ ist keine Neuverfilmung geworden. Der Film beginnt nicht in einer von Zombies beherrschten Welt, hier geht die Epidemie erst los. Zudem ist im fertigen Werk nicht klar erkennbar, ob die Bedrohung nun von Zombies oder von Infizierten ausgeht. Kleine, winzige Elemente sind vorhanden, die leicht an den großen Vorgänger erinnern, aber die sind so minimalst, da könnte man auch „Fright Night“ als Neuverfilmung von „Dracula“ betrachten.

Der Etikettenschwindel war mir ziemlich schnuppe, auf niveauloser Ebene wusste z.B. auch das angebliche Remake von „Zombie“ zu unterhalten, wenn auch nur mit etwas Augen zudrücken. Aber was uns hier mit „Day Of The Dead“ präsentiert wird, ist eine reine Unverschämtheit. Ähnlich wie in „Zombie Night“ erleben wir das gängige „Zombies bedrohen die Welt“-Szenario und das übliche „Menschen kämpfen gegen die Bedrohung“. Eine Story, die es schon hundert mal gab kann dann funktionieren, wenn entweder kleine Innovationen in der Geschichte auftauchen oder die Figuren im Film zu gefallen wissen. Beides ist in diesem kleinen Drecksfilm nicht passiert.

Die Helden sind entweder unglaublich blass (z.B. die Frau vom Militär) oder höchst fragwürdige Gestalten (der schwarze Soldat (macht ständig menschenverachtende Dinge und Sprüche, wird aber als Sympathiefigur eingeführt, ein Film für Faschos?)). Die Geschichte ist so banal, dass wirklich kein Hauch von Eigenständigkeit erkennbar ist.

Innerhalb dieser wichtigsten Enttäuschungen werden nun noch zusätzliche Fehler gemacht, die das Werk nicht einmal mehr zur mageren Routine mutieren lassen. Trotz einigen blutigen Sequenzen wirkt der Film arg clean, zu sehr wie ein Computerspiel. Die Zombies bewegen sich extremst ruckartig, können an der Decke entlang laufen und sind enorm schnell. Letzteres ist, entgegen vielem was man häufig liest, nichts neues im Genre. Bereits in den 80ern in der „Return Of The Living Dead“-Reihe konnten Zombies rennen. Aber diese bewegten sich immerhin im Normaltempo für das Auge mitverfolgbar. Dies war auch bei Zack Snyders „Dawn Of The Dead“ der Fall. Was man sich bei „Day Of The Dead“ unter der hektischen, unnatürlichen Fortbewegungsart dachte wird wohl ein Rätsel bleiben.

Oben erwähnte ich, dass kleine Elemente vom Originals vorhanden sind. Neben diversen Übereinstimmungen von Rollennamen und der Anwesenheit des Militärs (wow, was für ein übereinstimmender Punkt) gibt es ein sehr großes Ärgernis: der dressierte Zombie. Trotz des ab und an aufkommenden Humors im Film reicht es einfach nicht den braven Zombie damit zu erklären, dass er zu Lebzeiten Vegetarier war. Immerhin kommen als Zombie die Urinstinkte, allen voran das Fressen, zurück. Wo andere zivilisierte, angelernte Dinge von Zombies nicht mehr gelebt oder beachtet werden können, wird ein solcher Weichbrötchenbereich moderner sozialkultureller Errungenschaften, wie das Nichtessen von Fleisch, als gesonderte Auswirkung auf das Verhalten Untoter bzw. mutierter Infizierter speziell berücksichtigt. Das ist doch vollkommener Schwachsinn.

Das Problem liegt aber auch darin, dass im heutigen Popkornkino alles auf Kosten der Logik schnell, schnell, schnell gehen muss. Wo im Original der dressierte Zombie das Ergebnis langer Dressur war, mit winzigen Ergebnissen, denen weitere winzige folgten, hat man in diesem gedankenlosen Schnellschussfilm Miners direkt das fertige brave Wesen auf dem Tablett präsentiert bekommen. Da der Typ schon als Mensch gewaltig nervte und nur unsympathisch wirkte, hat er null Chancen plötzlich als Untoter Sympathie zu ernten. Immerhin ist der Kerl der einzige Punkt, der etwas direkter auf seinen Vorgänger verweist. Unter solchen Bedingungen könnte man „Day Of The Dead“ aber auch als Remake von „28 Days Later“ bezeichnen. Da gab es auch Militär, einen leicht dressierten Zombie und die Untoten bzw. mutierten Infizierten waren auch flott auf den Beinen. Im Prinzip hat er mit diesem Werk viel mehr gemein als mit dem Romero Zombiefilm aus den 80ern.

In einem Zombiefilm achtet man nicht ganz so auf die Logik, aber wenn sie derart mit den Füßen getreten wird wie in diesem Möchtegern-Remake, dann kann man auch nicht mehr die Augen verschließen. Die Infizierten sehen aus wie Menschen, dann ist die Inkubationszeit vorbei und sie werden von einer Sekunde auf die nächste hässliche Mutanten. Zombies früherer Filme hatten immerhin noch genügend Zeit unter der Erde zu verschimmeln, Mutanten anderer Filme dieser Art welkten vom Virus hingerafft langsam vor sich hin. Diese plötzliche Blitzmutation ist zu realitätsfern.

Hinzu gesellen sich übliche Unlogiken, wie das sinnlose Munitionsverpulvern trotz einer Bedrohung, die zur weltweiten Katastrophe führen kann. Wenn geschossen wird, wird dabei auch nicht auf die Umgebung geachtet. Da ist ein unterirdischer Gang eines Bunkers, unser schwarzer Fascho, der für die Gangstermentalität fälschlicher Weise als Sympathiefigur eingebracht wurde, ballert mit seinem Maschinengewehr hirnlos umher, obwohl sichtlich jede Menge Röhren im besagten Gang angebracht sind. Der Zuschauer mag diese aus Dekozwecken und der vielen ablenkenden Dinge, die in einem solchen Film nun einmal passieren, ruhig übersehen und deren Nutzen nicht mehr hinterfragen. Die Figur im Film selbst müsste aber mit der Tatsache vertraut sein, dass ein falscher Schuss in einem Gang voller Röhren zu fatalen Folgen führen kann.

Nicht aber im Popkornkino dieses Jahrtausends. Das anspruchslose Publikum von Werken wie „Doom“ und „Transformers“ beachtet diese relevanten Dinge nicht. Intelligenz ist hinderlich für flotte Unterhaltung. Eine traurige Einstellung! Dick aufgetragene Charaktere, die Art warum das Militär wann eingesetzt wurde im Vergleich zum Zeitpunkt des tatsächlichen Ausbruches der Seuche (was war der Auslöser für das Einschalten des Militärs? Wie früh war man sich der Bedrohung bewusst, wenn das Militär wissentlich NICHT von den Wissenschaftlern gerufen wurden, welche die Katastrophe auslösten?) und viele andere Punkte reihen sich in die endlose Schlange unlogischer Elemente mit ein.

Die Geschichte ist uninteressant erzählt, die Figuren langweilig, blöde und beleidigend, das Szenario ebenso. Die Zombies bewegen sich zu hektisch, die Musik ist zu durchschnittlich um gewisse Momente retten zu können, und die Logik ist so hohl, dass sich ihre Abgründe nicht ignorieren lassen. Anfangs gibt es noch den ein oder anderen freiwilligen Lacher, das wäre aber auch das einzig positive, was ich zu diesem Film schreiben kann. Ich habe wirklich keine Ahnung was man an diesem Film finden könnte, er ist unterste Schublade.

Als „Zombie Night 2“ hätte er mich mit seinem Ergebnis nicht sonderlich überrascht, als „Day Of The Dead“ war er allerdings besonders peinlich. Immerhin schreibe ich das als einer der wenigen, denen der Jahre zuvor herausgekommene „Day Of The Dead 2 –Contagium“ auf Trashbasis gefallen hat. Über Steve Miners „Day Of The Dead“ hätte ich genau so geschimpft, wenn er als namenloses Etwas auf dem DVD-Markt erschienen wäre. Der große Name hatte keinen direkten Einfluss auf meine Meinung, nur der Informationen und Vergleiche wegen wurde er in diesem Review ständig mit dem Original verglichen.

Finger weg! Aufgrund seiner großartigen anderen Horrorbeiträge verzeihe ich Steve Miner dieses Filmverbrechen. Aber nächste mal bitte wieder was anständiges drehen, Herr Miner!


1 Kommentar:

  1. Also bis auf den peinlichen Vegetarier-Zombie hat mich der Streifen prächtig unterhalten. Dennoch hätte man den Film nicht "Day of the Dead" nennen sollen denn mit dem Original hat der so gut wie gar nichts gemein. Besser wie Zack Snyders Schnarchversion von "Dawn of the Dead" ist er aber allemal.

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