Donnerstag, 4. Oktober 2012

MUMMY RAIDER (2001 Brian Paulin)


In Berlin werden eine Frau und ihr Vater von Nazis festgehalten, da beide über das Geheimnis verfügen, wie man eine Mumie zum Leben erwecken kann. Die Lebensgefährtin der festgehaltenen Frau ist eine bekannte Abenteurerin. Sie eilt zur Hilfe, kommt aber zu spät, da der Untote bereits erweckt wurde. Nun gibt es drei Dinge zu erledigen: Die Nazis bekämpfen, die Mumie stoppen und die Nazianführerin mittels Sex zu den guten Dingen des Lebens bekehren...


Die Erbin Captain Kirks – Bösewichter jagt man am besten oben ohne...

Mein zweiter Ausflug in die Welt der Misty Mundae war immerhin schon eine Spur besser, als mein erster Gehversuch mit „Silk Stocking Strangler“. Er war aber immer noch weit entfernt von netter Unterhaltung. In diesem Mix aus Mumienhorror, „Tomb Raider“ und die für Mundae typische Lesbenerotik, wird man keinerlei schauspielerisches oder inszenatorisches Talent entdecken. Das Produkt ist schlichtweg ein Amateurwerk, was ihm in der ersten Hälfte einen Sympathiebonus einbringt.

Zunächst muss man den üblen Vorspann hinter sich bringen, in dem bereits die wenigen Action-Highlights präsentiert werden, die wir 10 Minuten später sichten werden. Nicht dass dies ein überraschungsreicher Film wäre, aber wenn man schon wenig zu bieten hat, sollte man diese kleine Dosis dann nun wirklich nicht zu früh verstreuen.

Nach dem Vorspann, bestehend aus billigsten Computereffekten, beginnt der beste Part. Hier erleben wir, wie eine böse Nazifrau in Berlin Mistys lesbische Freundin und deren Vater verhört, weil diese über das Wissen verfügen, wie man eine Mumie zum Leben erwecken kann. Eine Mumie haben sich die Nazis freilich auch schon gekrallt. Wir dürfen teilhaben an amateurhaftem Schauspiel auf einer Ebene, wie man sie in einem solchen Werk als Trashfreund sichten möchte. Kleinere Dialogschmunzler werden mit eingebracht und paaren sich mit der Billigkeit in Sachen Dekoration, Restdialoge, Story, ach was, eigentlich allem.

Nach einer sexuellen Bedrohung der dicken Art, verrät die verhörte Wissenschaftstochter, trotz ihrem ewigen Glaubens Misty würde sie noch retten kommen, das Mumien-Familiengeheimnis und spricht magische Worte auf englisch aus. Die Mumie erwacht, sieht völlig dämlich aus, aber eben wieder auf die sympathische Art, und will partout dem Naziweib nicht gehorchen. Grund: Die Mumie versteht kein englisch (warum dann englische Wiedererweckungsworte? Ach was, die Logik parkt ohnehin drei Filme weiter). Nach einem deutschen Fluchwort erfährt die böse Nazibraut, dass auch deutsch nicht im Sprachrepertoire der Mumie vorhanden ist. Nach 7 Minuten Gerede und weiteren paar Minuten grad beschriebener Mumienaction, eilt die Hauptrolle zur Rettung.

Ihr erster Auftritt ist recht unspektakulär. Nach dem leichtem Hinhalteversuch hätte ich da doch einen imposanteren ersten Auftritt erwartet. Stattdessen erlebt der erfahrene Cineast nun ein Déjà-vu, in dem die Heldin zum gefangenen Herrn Papa der Lebensgefährtin eilt und sie diesen erst von der Realität ihrer Anwesenheit überzeugen muss. Ja, wer denkt da nicht an „Pippi in Taka-Tuka-Land“, wenn die freche Göre dort im hohen Turm ihren Vater aufsucht.

Mistys Rettungsversuch wird zunächst von Nazis gestoppt, aber mit ihrer Freizügigkeit weiß sie sich zu helfen und die Bösewichter außer Gefecht zu setzen. Von nun an gibt es die kleine Dosis Action, oftmals oben ohne, in der dann doch auf recht nette Art das Genre verarscht wird. Hier wird hirnlos und sinnlos geballert bis der Arzt kommt, natürlich ohne große Effekte zu verwenden, dafür mit einer maschinengewehrumherballernden Heldin, die von dem Wort Rückstoß noch nie etwas außerhalb ihres Bettes gehört hat und in einer augenzwinkernden Sequenz gleich mit einer Wumme in jeder Hand Nazis töten darf. Recht schnell findet auch die Mumie ihr überraschendes und halbwegs witziges Ende und der Film ist vorbei. Ist er das?

Nein! Wir sind nämlich erst irgendwo zwischen der 20. und 25. Minute angelangt. Bis hier hin könnte das komplette Werk noch als unsinniger aber witziger Amateur-Trashstreifen durchgehen, wenn auch mit etwas viel Augenzudrücken. Man wäre nur verwundert, wie zahm Misty ausnahmsweise agiert, und dies neben Darstellerinnen die sichtlich aus dem Pornobereich kommen.

Aber für das unzüchtige Treiben kleiner Lesben ist nun die zweite Filmhälfte da, die trotz süßer Darstellerinnen und kleinem Erotikreiz einfach völlig uninteressant ist. Es passiert einfach nichts weiter außer brav gehaltenem Beischlaf. Erst zu zweit vor den Augen der gefangenen Nazibraut, schließlich zu dritt und die böse Deutsche damit gleich zur guten Seite der Macht bekehrt (zum Glück ersparte uns George Lucas einen nackten Luke, der seinen Vater verführen wollte). Wieder einmal hält die Kamera bei diesen monotonen Liebesakten zu lange drauf, wieder einmal ist man dem Gähnen nicht mehr nur nahe, man erlebt es bereits.

Wenn nun jede Frau jede beglückt hat, kommt man noch immer nicht auf halbwegs eine Stunde Laufzeit. Deshalb darf man vor dem Abspann noch ein drittes Mal diverse Actionszenen sichten plus Rückblicke, die im Vorspann nicht bereits als Vorschau zu sichten waren. Das ist dann eine Art Best Of Misty Mundae, sowohl in Actionszenen als auch im Erotikbereich, Best Of natürlich nur „Mummy Raider“ betreffend, sonst hätte die Idee ja noch einen etwas mageren Reiz haben können. Entfallene oder erweiterte Szenen gibt es auch nicht. Es wird einfach noch einmal Zeit gestreckt, in einer Dreistheit, die nicht einmal Charles Band kennt, und das muss schon was heißen. Schließlich kommt endlich der Abspann und das unausgegorene Werk ist zu Ende.

Immerhin war die Hintergrundmusik diesmal akzeptabel, das machte gerade die Fummelszenen in der zweiten Hälfte wesentlich erträglicher als das Fleischbegrapsche in „Silk Stocking Strangler“. Wo andere Erotikwerke es eventuell noch schaffen den Bereich nackte Haut in die Story zu integrieren, erfahren wir hier einen Genrewechsel zur Mitte hin, ähnlich einem „From Dusk Till Dawn“ oder „Pledge Class“, diesmal allerdings auf die schlechte Art.

Wer netten Trash mag sollte nach 25 Minuten ausschalten, dann wurde man immerhin noch passabel, wenn auch auf arg banaler Basis, unterhalten. Wer lieber Gefummel sehen will, könnte zwar theoretisch zur zweiten Hälfte greifen, aber ebenso das Nachtprogramm von 9 Live oder diversen Sportsender sichten, welche dem Begriff Sport einen völlig neuen Sinn geben. Das würde zumindest das Geld für die teure DVD sparen. Mehr als brave Andeutungen und harmlose Erotik gibt es ohnehin nicht zu sehen.

Eine völlig trashige erste Hälfte und eine Hauptdarstellerin, die immerhin die lahmen Szenen in der zweiten Hälfte noch etwas zu verzuckern wusste, lassen „Mummy Raider“ zumindest noch zu einem schlechten Film werden, der kurzfristig unterhält. 


OFDb

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