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Dienstag, 21. Oktober 2014

EINE WAHNSINNSFAMILIE (Parenthood 1989 Ron Howard)


Gil Buckman gibt sich große Mühe ein toller Vater zu sein, von seinem eigenen arg enttäuscht, und er versucht es noch mehr, als die Lehrerin eines seiner Kinder ihn darauf aufmerksam macht, dass sein Großer zu langsam für die Regelklasse ist. Damit fühlt sich sein Schwager bestätigt, der Gils Erziehungsmethoden intelektuell schon immer zu nachlässig fand, während er seine eigene Tochter durch seinen verkopften Erziehungsstil so sehr überfordert, dass sie sich sozial wunderlich benimmt. Gils andere Schwester, vom Vater ihrer Kinder sitzengelassen, hat mit bereits pubertierenden Kindern ganz andere Probleme, und Gils Vater merkt anhand Gils Bruders, dass der Job der Eltern niemals aufhört...


Vatersein dagegen sehr...

Die 80er Jahre waren nicht nur der Start für Steve Martins Starruhm, dieses Jahrzehnt war in der Klasse seiner Komödien auch sein Höhepunkt. Und sein letztes 80er-Werk sollte allen Freunden von Martins provokativem Humor vor den Kopf stoßen, führte doch nicht umsonst der massentaugliche Regisseur Ron Howard Regie. „Eine Wahnsinnsfamilie“ sollte keinesfalls provozierend oder skurril ausfallen, sich damit von Martins Frühwerken stark unterscheiden, durch seine Positionierung als Tragikomödie sogar von späteren, bodenständigeren Erfolgen wie „Roxanne" oder „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“. Interessanter Weise steht „Parenthood“ (Originaltitel) den anderen 80er Jahre-Filmen Martins qualitativ in nichts nach, und das ist die wahre Überraschung daran. Allerdings muss man sich als Bewunderer seiner Filme auf etwas völlig anderes einlassen.

Den Drama-Bereich mit im Gepäck habend muss man als Europäer zunächst einmal darauf verweisen, dass es die Amerikaner nur selten schaffen lebensechte Tragik in einem Film durchgehend durchzuziehen. Gute Dramen und Tragikomödien aus diesem Land sind am Ende oftmals lediglich schön erzählte Geschichten, die einen durchaus traurig und nachdenklich stimmen können, aber im Kopf doch immer erzählte Geschichte bleiben. Werke wie "Wild Boys", „Stand By Me“, „Die Royal Tenenbaums“ und „Peggy Sue hat geheiratet“ zeigen, dass das auch gar nicht schlimm ist, kann diese Art der Erzählung doch eine starke Wirkung entfalten, und so ist es auch in dem im deutschen so unpassend benannten „Eine Wahnsinnsfamilie“ der Fall.

Der präsentiert uns anhand einer großen Familie verschiedene Perspektiven auf das Elternsein. Jeder Erwachsene hat andere Probleme mit seinen Kindern, die es zu bewältigen gibt. Fast jeder löst sie so gut es geht, den Idealfall gibt es nie, und Fehler die begangen werden, können nicht immer easy behoben werden. Das hat wie gesagt nicht immer wirklich mit einer glaubwürdigen Realität zu tun, aber das Gefühlsmeer reißt einen mal heiter, mal traurig mit, manchmal haarscharf am Sozialkitsch vorbeirutschend, aber haarscharf ist glücklicher Weise immerhin auch daneben. Gut so!

Steve Martin steht zwar im Zentrum des Streifens, trotzdem ist er nur Teil dieser großen Familie, und dass der Film so gut funktioniert liegt nicht nur an einem guten Drehbuch, das sich Zeit für Einzelsituationen nimmt und am Ende doch alles zu vereinen weiß, es liegt auch an der starken Besetzung, die ihre größten Talente neben Martin in den Schauspielern Jason Roberds als Gils Vater, Rick Moranis als Gils Schwager und Dianne Wiest in der Rolle von Gils alleinerziehender Schwester besitzt. Gerade Letztgenannte legt großes Schauspiel an den Tag, eine Leistung die häufig neben Keanu Reeves stattfindet, der trotz schwacher Begabung trotzdem nie negativ auffällt, da er die richtige Rolle zugeschrieben bekommen hat, in welcher er innerhalb seines Rahmens zu wirken weiß.

Am Ende darf man es den Talenten in Sachen Drehbuch, Schauspiel und Besetzung zuschreiben, dass „Eine Wahnsinnsfamilie“ ein solch sehenswerter Film geworden ist, der es sich zur Aufgabe macht aufzuzeigen was es für ein Geschenk ist Eltern zu sein. Das ist schon eine Leistung für sich innerhalb einer Gesellschaft, in der gerne darüber diskutiert wird welchen Vorteil das bitte haben soll, wenn man in Sachen Freizeit und Finanzen als kinderloses Paar oder Single doch viel besser darsteht. Mag die Geschichte von „Parenthood“ auch immer zu sehr Kino sein, seine Kernaussage trifft ins Schwarze, gibt Kinder-Skeptikern eine ehrliche Antwort, und wen der Film kalt lässt, der bleibt vielleicht wirklich besser kinderlos, der wird mit der Thematik einfach nichts anzufangen wissen. Jedem anderen sei diese warmherzige Komödie jedoch ans Herz gelegt.


Kommentare:

  1. Ich liebe ja die zugehörige TV-Serie "Parenthood" über alles, die lose auf dem Film basiert. So eine schöne Serie! Hach. In den Film sollte ich wohl auch noch einmal reinschauen, wenn man nach deiner Kritik gehen kann... :)

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    1. Die Serie ist komplett an mir vorbei gegangen. Habe selbst erst drüber in der OFDb gelesen, als ich meine Review zum Film eingetragen habe. Von daher kann ich leider keinen Vergleich ziehen. Aber der Film lohnt sich. :)

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