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Freitag, 17. Oktober 2014

ZWEI HINREISSEND VERDORBENE SCHURKEN (Dirty Rotten Scoundrels 1988 Frank Oz)


Zwei Gauner, die Frauen um Geld prellen, jagen im selben Revier. Eine Wette soll entscheiden wer bleiben darf...


Ein Gauner zuviel?...

Kaum zu glauben, aber Steve Martin sollte ursprünglich die Rolle des stilsicheren Gauners Lawrence spielen, bestand aber auf die Rolle des Freddy. Sicherlich darf dessen Charakter mehr Wandlungen erfahren und dank eines einfallsreichen Drehbuchs in verschiedene Rollenmuster fallen, aber eigentlich liegt die wahre Herausforderung in der Rolle des Lawrence, die perfekt beherrscht werden muss, um die kleinen, leisen Töne dementsprechend wirken lassen zu können. Verstehe einer Martin, der in seiner Wunschrolle aufblüht und umwerfend komisch spielt, aber immerhin haben wir seiner Entscheidung wegen Michael Caine als Ersatzbesetzung des Lawrence zu verdanken, der geradezu perfekt erscheint diesen Charakter auszufüllen.

Mit diesen beiden Stars, welche in der einfallsreichen Geschichte eines pointensicheren Drehbuchs mitspielen, kann ein Film schon nicht mehr scheitern, und „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ darf man wohl zu den besten eher unbekannten Werken mit Steve Martin zählen, so skurril manche Situationen hier sind, so stilsicher, konsequent und wendungsreich die Geschichte erzählt ist und so ur-komisch wie sich der Streifen schaut. Martin kalauert sich durch eine intelligent erzählte Story, die stilreiche Momente ebenso zulässt wie völlig durchgeknallte, wobei Regisseur Frank Oz selbst diese stilvoll zu inszenieren weiß. Würde bleibt selbst dann bestehen, wenn Martin in einem völlig idiotischen Outfit am Tisch sitzend während einer Mahlzeit vor den Augen eines Gastes seine Notdurft verrichtet.

Ob ein Korken auf einer Gabel, schmerzhafte Erfahrungen eines Rollstuhlfahrers mit einem Schwert, eine Belehrung wie man Geld auszugeben habe, eine Liebesnacht mit ungewöhnlichem Ausgang oder ein Allesklebereinsatz während einer Party, „Dirty Rotten Scoundrels“ (Originaltitel) sprudelt nur so vor schräger Ideen, ordnet diese aber dem Sinn und roten Faden seiner Handlung unter, und achtet mit größtem Respekt auf die Glaubwürdigkeit und psychologischen Gesetze seiner jeweiligen Charaktere.

Mag der Witz manches Mal im Dialog, ein anderes Mal in einer lustigen Mimik und hin und wieder in der Situationskomik liegen, so oder so dürfen die drei Profis Caine, Martin und Oz dem Projekt ihren persönlichen Stempel aufdrücken, Martin beispielsweise in einer Knastszene, in welcher sein Humor kaum klassischer hätte ausfallen können. Caines stilvolles Spiel hingegen wirkt als würde er bereits für seine wunderbare Rolle in „Miss Undercover“ üben, in welcher er die Grundeigenschaften von Lawrence noch einmal perfektionierte, wenn vom Niveau her auch im schwächeren Umfeld. So oder so gehört die absolute Körperbeherrschung zu Caines Vorzügen, wie auch sein gekonntes Spiel in „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ beweist.

Frank Oz, der mit Steve Martin bereits in „Der kleine Horrorladen“ zusammen gearbeitet hat, beweist Überblick und das Talent für niveauvolles Humor-Entertainment, das er meiner Erfahrung nach erst in seinem „Die Frauen von Stepford“ verloren hat. Seine Werke „Was ist mit Bob?“, „In und out“ und „The Score“ (ein ernster Film) hingegen sind alle zu empfehlen, und dass seine erneute Zusammenführung mit Steve Martin in „Housesitter“ nichts wirklich Geglücktes hervor gebracht hat, lag weder an ihm noch an Martin. Aber davon erzähle ich ein andermal.

Interessant ist, dass „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ der unterschiedlichsten Gattung Cineast gefallen kann. Egal wie konservativ man sein mag oder wie albern man es mag, für jeden ist etwas dabei in einem harmonierenden Cocktail, der bei so viel Abwechslung nicht, wie man erwarten könnte, so viele Kompromisse eingehen muss bis er nicht mehr schmeckt. Der Ton trifft nie daneben, die Geschichte erfährt nie Leerlauf und das Gekabbel der beiden völlig unterschiedlichen Gauner verläuft sich nicht in einer sich ewig wiederholenden Schleife ähnlicher Ereignisse. Das oberste Prinzip der Geschichte heißt Weiterentwicklung, und das betrifft Personen ebenso wie den Verlauf, oftmals sogar den Humor. Da an diesem nicht gespart wird und alles andere auch so positiv wirkt, kann man „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ wirklich nur empfehlen.


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