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Sonntag, 8. Februar 2015

BRUTAL RELAX (2010 Adrián Cardona)


Ein leicht reizbarer Patient einer Nervenheilanstalt soll kurz vor Vollendung seiner Heilung noch angenehme Tage am Meer verbringen und dabei jeglicher Aggression aus dem Weg gehen. Selbst als Zombies dem Meer entsteigen bleibt der gute Mann ruhig, immerhin weiß sein Walkman ihn zu beruhigen. Aber dann geben plötzlich die Batterien ihren Geist auf...


Wenn Bud Spencer je auf Zombies gestoßen wäre...

Wer auf das von Peter Jackson mit „Bad Taste" begründete Sub-Genre des Splatstick steht und 15 Minuten seines Lebens entbehren kann, der wird Freude haben mit dem spanischen Kurzfilm „Brutal Relax“, der sich nach einer kurzen Einführung in der Klinik auf das wesentliche seiner Geschichte konzentriert. Es ist dem Wahnsinn der Hauptfigur zu verdanken, dass er nicht zu den ersten Opfern der Wesen, die dem Meer entsteigen, gehört, hat er sich doch eine gemütliche Schlammpfütze ausgesucht in die er sich hineingesetzt hat, und nach einem gemütlichen Bad im Schlamm sieht er gut getarnt den kurz darauf auftauchenden Biestern doch recht ähnlich.

Es ist nicht ganz klar ob die Viecher nun Zombies oder Dämonen sein sollen. Ihr grünes Blut und der Text im Abspann sprechen für Dämonen. Die komplette Chose erinnert jedoch wesentlich mehr an das was Zombies- und Infizierten-Horrorfilme der letzten Jahre so hervorgebracht haben, vielleicht einmal abgesehen von Lamberto Bavas „Dance of the Demons“-Reihe, in welcher die Dämonen ein ähnliches Blutbad anrichteten wie im Zombie-Genre und die ebenso Vorbild für „Brutal Relax“ gewesen sein könnten.

Man liest es schon anhand der Geschichte heraus: „Brutal Relax“ ist als Komödie konzipiert und verlässt sich fast hauptsächlich auf die durch die übertriebene Brutalität zelebrierte Komik, was mittlerweile keine Seltenheit mehr im Horror-Genre ist. Werke wie „Dead Snow“, „Evil Aliens“ und Co genießen trotz lediglich erreichtem Mittelmaß ihren Kult-Ruf, sich einzig auf den Ekel-Gag ausruhend. Dass dieser kleine spanische Kurzfilm wesentlich mehr Freude bereitet als das was üblicher Weise auf Splatstick-Art zelebriert wird, liegt nicht nur an der kurzen und damit erträglicheren Laufzeit (wobei „Brutal Relax“ auch wirklich nicht viel länger als seine 15 Minuten hätte laufen dürfen), es liegt auch an der unverkrampften, verspielten Art mit welcher sich der Film auf charmante Art freiwillig im Trash suhlt.

Dieses Rezept kommt auch den Spezialeffekten zugute, die zwar handgemachte Effekte mit denen aus dem Computer mischen, aber das sterrile unechte CGI-Gematsche drängt sich leider wesentlich mehr auf. Was in jedem anderen Film stören würde, wird hier durch die freiwillig schundige und manchmal absichtlich schlecht umgesetzte Art aufgefangen, so dass viele der Computermomente aufgrund der Umstände tatsächlich zu gefallen wissen. Zumindest passt dieses unechte Schlachtfest zum Reststil des Streifens, was allein ein Blick auf die Dämonenzombies selbst zeigt.

Meiner Meinung nach sollten Zombies viel öfter so aussehen wie hier eingesetzt. Das ist ein Mix aus schundig, charmant und wirkungsvoll, wenn vom Aufwand her auch nicht sonderlich verzwickt umzusetzen. Die Biester sind eine Augenweide für jeden Freund monströser Schundware, erinnern an manchen Italo-Beitrag der ersten harten Zombiewelle, was aber auch das einzige ist das einen gewissen Retro-Charme enthält. Zugegeben, wenn die Zombies dem Wasser entsteigen erinnert das ein wenig an Ken Wiederhorns 70er Jahre-Streifen „Schreckensmacht der Zombies“, aufgrund der Location sogar ein wenig an "Horror of Party Beach", aber es sind nur kurze Momente von Atmosphäre die hier eingefangen werden. Im Zentrum steht das Schlachtfest und die Komik, und damit lässt sich der aktuelle Zeitgeist auch gar nicht übersehen.

Der Abspann bleibt mit dem Zeigen von Urlaubsfotos, die nach dem Massaker aufgenommen wurden, so witzig wie der Film selbst, den sollte man also unbedingt mitgeguckt haben, allein schon weil der allerletzte Schluss-Gag eine Idee zum Hintergrund der Geschichte und eine wesentlich schwierigere Herausforderung für unseren Helden für eine mögliche Fortsetzung bereit hält. „Brutal Relax“ mag in keinster Weise innovativ sein und ruht sich etwas arg penetrant auf seiner blutrünstigen Komik aus. Aber er macht Spaß und hat durchaus Potential als Grundlage für eine Langfilm-Produktion herzuhalten. Ich habe allerdings keine Ahnung ob da schon wer beim Regie-Trio diesbezüglich angefragt hat oder nicht.


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Kommentare:

  1. Fand den auch recht unterhaltsam. Eine abendfüllende Variante bräuchte ich aber absolut nicht.

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  2. Das ist schon richtig. Wie gesagt:länger als 15 Minuten hätte er auch gar nicht laufen dürfen. Mit der Idee eines Langfilms meinte ich auch lediglich "Brutal Relax" als Grundlage für einen Spielfilm, sprich entweder als Anfang des Films oder zur Vorbereitung des Finales. Der Rest bräuchte freilich dringend mehr Handlung und mehr wichtige Figuren. In der Regel werden zu Kurzfilmen neu gedrehte Langfilme ja nicht endlos langgestreckt sondern inhaltlich um andere Aspekte erweitert.

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