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Sonntag, 4. September 2016

UNTERNEHMEN DELTA 3 (The Shape of Things to Come 1979 George McCowan)


Seit dem letzten Roboterkrieg ist die Erde unbewohnbar geworden. Die letzten Menschen haben sich auf dem Mond eine neue Heimat aufgebaut, abhängig vom Planeten Delta 3, auf welchem das Heilmittel Radic-Q2 abgebaut wird, welches die Mondbewohner vor der Strahlung schützt, die sie umgibt. Als der wahnsinnige Omus auf Delta 3 die Herrschaft an sich reißt und mit Hilfe seiner Roboterarmee Monddiktator werden will, reist Dr. John Caball gegen den Willen der Regierung zusammen mit zwei jungen Begleitern mit einem sich in der Testphase befindendem Raumschiff nach Delta 3, um den Kriegstreiber aufzuhalten...


Krieg der Dämel...

Zwar war es der durchschlagende Erfolg von „Krieg der Sterne“, der eine Welle an Science Fiction-Produktionen Ende der 70er Jahre losschlug, „Unternehmen Delta 3“ ist jedoch hauptsächlich beeinflusst von dem ein Jahr vor ihm erschienenden „Kampfstern Galactica“, tritt er doch nicht nur aufgrund dessen Naivität in seine Fußstapfen, sondern auch aufgrund der tödlichen Roboterarmeen, der Flucht von zu Hause aus selbigem Grund und der in der Mode der 70er Jahre feststeckenden Helden, alles Faktoren die ihn heute so sehr der Lächerlichkeit Preis geben, dass es schwer fällt ihm inmitten der unfreiwilligen Komik eine echte Chance zu geben.

Wussten die Roboter im Vorbild „Kampfstern Galactica“ tatsächlich düster zu wirken, so strahlen die Stahlgesellen im hier besprochenen Streifen keinerlei Bedrohung aus, wirbeln sie meist doch nur wild mit den Armen um sich, und sind sie doch mit großen Metallstäben leicht außer Gefecht zu setzen. Ebenso wie jedwede andere Person des Streifens verfügen sie über keinerlei Schusswaffen, so dass sie in ihren effektivsten Momenten wie ein Bud Spencer wild prügelnd agieren, was aber die meiste Zeit über nicht geschieht.

Dass sie so gar keine besonderen Fähigkeiten haben, macht die Aussage des Bösewichts Omus um so lustiger, er habe die Roboter im Gegensatz zur Vorgeneration stark perfektioniert. Besagter Hauptgegner wird gekleidet in einem „Superman“-artigen Kostüm verkörpert von Jack Palance, dem man ansieht dass es ihm inmitten des vollkommenen Unsinns, in welchem er agieren muss, schwer fällt ernst, geschweige denn böse, zu spielen. Omus ist ähnlich gefährlich wie seine Roboter, schwingt stets nur große Reden anstatt wahrhaftige Macht zu beweisen und ist im Finale ebenso einfach zu bezwingen wie seine Blechkameraden.

Dass sich das komplette Spektakel trotz Kampf zwischen Mentor und Schüler, übergroßen Raumschiffen und mörderischen Robotern nicht halb so episch guckt, wie es die Geschichte gerne hätte, liegt jedoch nicht einzig an der völligen Harmlosigkeit der Gegner, es liegt auch am Miniuniversum welches uns hier vorgesetzt wird, ist doch allein schon die Mondkolonie lediglich eine größere Stadt, und damit überwiegt sie von ihrer Population her der Einwohnerzahl auf Delta 3 um Längen. Im Herrschaftssitz von Omus können die Rebellen ein und aus gehen, und noch bevor er diese Kleingruppe besiegt hat dürstet es den Möchtegern-Imperator bereits nach der Herrschaft auf dem nicht all zu weit entferntem Mond.

Dies ist nur eine Unsinnigkeit inmitten eines völlig naiv durchdachten Plots, in welchem man zur Rettungsaktion beispielsweise einen ehemaligen Roboter des zu bekämpfenden Herrschers mitnimmt, eine unnötige Gefahrenquelle, die von den Autoren nicht einmal als eine solche erkannt wurde. Die in der Demokratie lebenden Menschen wirken mit ihren emotionslosen, gleichgeschalteten Gesichtern und Charakteren, gekleidet in gleichaussehenden Uniformen, die dabei helfen zu verhindern dass aus ihnen Individuen werden, wie kleine Nazis, was den Kampf gegen einen Diktator zum Erhalt der freien Welt um so lustiger wirken lässt.

Freilich achtete man in einem familienfreundlichen, fast gewaltfreien Streifen nicht nur auf die Modewelle der Erscheinungszeit, sondern auch auf den Anteil des weiblichen Publikums, so dass es in einem Nebenplot ein paar verstrahlte Mondkinder um des Kitschfaktor Willens zu retten gibt und eines der Crewmitglieder ein putziger, vermenschlichter Roboter sein darf, der, immerhin das nimmt man von Anarcho-Stoffen wie „Lexx“ und „Space Truckers“ vorweg, in die junge Frau der Crew verliebt ist - warum auch immer. Diese darf ganz Frau sein, ist der emotionale wie auch attraktive Teil der Truppe, so wie jede andere Figur des Streifens in ihrem jeweiligen Stereotyp badet, vollkommen frei von möglichen Abweichungen.

Da sich „Delta III - Wir wollen nicht zur Erde zurück“ (Alternativtitel) so bereitwillig seinem unsinnigen Plot hergibt, schaut er sich wesentlich unterhaltsamer als sein eher maues Vorbild. Zwar erntet er seinen Unterhaltungswert eher aus unfreiwilligen Elementen, aber es ist sein naiver Charme im Stile eines „Das schwarze Loch“ und seine dämliche Geschichte, die jedes vorhersehbare Storyklischee brav Schritt für Schritt erfüllt, was das Ergebnis schließlich so erträglich ausfallen lässt. Wusste ein „Krieg der Sterne“ trotz Storyklau diverser Vorbilder und naivem Szenario tatsächlich monumental zu wirken, so wirkt der sich in diesem Punkt schwer abstrampelnde und nie das anvisierte Ziel erreichende „Delta III“ (Alternativtitel) wie dessen kleiner, behinderter Bruder.


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