06.04.2021

COLUMBO - MORD NACH REZEPT (1968)

Ein Psychiater ermordet mit Hilfe einer Patientin, die Schauspielerin ist, seine Frau. Trotz ausgeklügelter Planung ahnt Inspektor Columbo was Sache ist, kann aber keinerlei Beweise vorweisen. Ein Psychoduell zwischen zwei klugen Köpfen beginnt...

Das schwache Glied im Plan...

Wie der Abstand von drei Jahren vermuten lässt, scheint "Columbo - Mord nach Rezept" schlichtweg ein Kriminalfilm gewesen zu sein, der für das TV gedreht wurde, nach einem Pilotfilm fühlt er sich nicht an. Ebenso wie das spätere Rezept der Serie des in die Irre führenden Inspektors, welches hier aufgrund der Sachlage noch wie ein individueller Schachzug Columbos anstatt wie Routine wirkt, um im aktuellen Kriminalfall überhaupt vorwärts zu kommen. Es gibt nur die Möglichkeit des Psychoduells mit dem Intellekt des Täters, um ihn überführen zu können, und dieser Kampf ist hart und scheint aussichtslos. Der Gegner ahnt erst mit der Zeit, wie intensiv Columbo ihn tatsächlich auf den Kieker hat und somit nicht nur kurzfristig einer fixen Idee nachgeht, so dass die Rededuelle zwischen beiden immer weniger getarnt vonstatten gehen, was dem Spannungsgehalt auf verkopfte, anstatt auf klassische Art, geradezu hochkochen lässt. Die Qualität des Erstlings ist dementsprechend höher als die, zugegebener Maßen ebenfalls unterhaltsamen, Fließbandarbeiten, welche die Drehbuchautoren ab 1971 in Serie ablieferten. 

Regisseur Richard Irving, der später auch den ersten Teil der Reihe "Columbo - Lösegeld für einen Toten" drehen sollte (der dementsprechend Columbos zweiter Fall ist), inszeniert unauffällig, immer mal mit kleinen optischen Raffinessen versehen, aber doch stets die beiden Hauptdarsteller die Oberhand gewinnen lassend. Als Zuschauer ist man hin und her gerissen, wer von beiden die Identifikation darstellt. Man bangt um jede Erkenntnis, bzw. um das Gelingen des Plans bereits während der gewagten Durchführung, gleichzeitig findet man Sympathie an der verschmitzten Art des Kommissars und ist gespannt darauf, wie er den Mörder doch noch überführt bekommt. Das mag nicht so zauberhaft künstlerisch geschehen wie in manch späterem Fall der Reihe, gewitzt ist die Methode jedoch allemal und rundet damit einen interessanten Kriminalfilm gekonnt ab. Hier im Original ist der Mörder mehr Hauptfigur als der Ermittler, auch wenn, rein der klassischen Orientierung in den USA wegen, der Rechtschaffende im Abspann zuerst genannt wird.

Nicht nur die später variierte Methode der Ermittlung genießt in "Prescription: Murder" (Originaltitel) noch Unterschiede, ohnehin wirkt Columbo hier noch etwas anders, optisch ebenso wie handelnd. Allein wie er die Gehilfin des Psychiaters mit überraschend klassischer Polizei-Arbeit unter Druck setzt, wirkt mit Kenntnis der späteren Filmreihe ein wenig befremdlich. Aufgrund der großen Wirkung dieser Szene, auch die Figur Columbos betreffend, wäre es schön gewesen, dieser etwas harte Charakterzug wäre beibehalten worden, bildet er doch einen glaubwürdigen Ausgleich zur vertrottelten Rolle, die der Inspektor meist nach Außen mimt - hier anbei noch subtiler dargeboten als meistens in späteren Episoden. Nichtsdestotrotz ist es schön zu wissen, dass man das Kaliber dieser Figur erkannt hat, um sie in Serie zu setzen. Uns wäre sonst eine unterhaltsame Filmreihe entgangen, vielleicht sogar der hier besprochene Film, der ohne die Popularität der Reihe eventuell als ein trügerisch unscheinbarer TV-Krimi unter vielen im Laufe der Zeit untergegangen wäre.  OFDb

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