DER BEWEGTE MANN (1994 Sönke Wortmann)


Da er sie wieder einmal betrogen hat, wirft Doro ihren Freund Axel vor die Tür, der über Umwege beim schwulen Norbert unter kommt. Als Doro entdeckt, dass sie schwanger ist, will sie Axel zurück. Zu dumm dass sie ausgerechnet in einer Situation auf ihn trifft, die Norbert sexuell fehlinterpretiert hat, so dass sie auf die beiden sexuell unterschiedlich orientierten Männer in einem missverständlichen Augenblick stößt...


Die Männer sind schon die Liebe wert...

Die auf den Ralf König-Comics "Der bewegte Mann" und "Pretty Baby" basierende Komödie "Der bewegte Mann" war in Deutschland ein großer Überraschungserfolg an den Kinokassen und genießt auch heute noch einen ausgesprochen guten Ruf, und ich finde den besitzt sie zu recht. Der Film ist in seiner hochgradig guten Besetzung, die selbst ignorante Gestalten wie Til Schweiger-Hasser gut heißen müssten, charmant ausgefallen, besitzt ebenso wie die Comicvorlage eine hervorragende Pointensetzung und ist von seiner Geschichte her einfach ein Glücksgriff, der sich zu erzählen lohnt. Im Gegensatz zur Printvorlage wird das Geschehen etwas weniger provokant thematisiert und sympathischer vorgetragen, besetzt und beendet, aber in diesem Punkt ist die Geschichte um die kurzfristige WG zweier sexuell verschieden orientierter Männer ein Lehrstück wie anders unterschiedliche Medien funktionieren. Während der direktere Ton dem Comic besser steht, gibt man den Verantwortlichen des Filmes in den vorgenommenen Änderungen Recht, da der Streifen mit diesen runder läuft, ohne auf das Massenpublikum angepasst zu wirken.

Allerdings sollte man sich nicht vertun. Mag der Humor mit Kenntnis auf Sönke Wortmanns Vorgänger-Werke "Kleine Haie" und "Allein unter Frauen" auch geradezu nach dessen Handschrift aussehen, so sind viele der großen und kleinen Lacher des Filmes tatsächlich bereits im Comic vorhanden, so dass man dieses wahrlich unterschätzen kann. Das sollte man aber ohnehin nicht, präsentiert es, ebenso wie der Film, doch nicht einzig eine schlicht vor sich her erzählte Geschichte, die einzelne Punkte mal eben so nacheinander abarbeitet, sondern stattdessen einen durchdachten Plot mit pfiffigen Ideen, gekonnten Wendungen, interessanten wie liebenswerten Charakteren und in seiner zweigeteilten Geschichte einen guten Aufbau aufeinander und eine treffsichere Kompatibilität beider Hälften. Die beiden Hauptdarsteller Til Schweiger und Joachim Król sind ein Glücksgriff um dieses theoretisch so großartige Konzept nahe an die Perfektion zu geleiten, und Nebendarsteller wie Rufus Beck und Armin Rohde verzuckern das Ganze noch in einem skurrilem Ton, jeder wie die Faust aufs Auge zur konzipierten Rolle passend, und damit der Festlegung Wortmann zum Regisseur dieses Projektes zu machen in dieser Treffsicherheit in nichts nachstehend.

Gleiches gilt für den Humor, der auf mehreren Ebenen gekonnt zu funktionieren weiß. Hemmungsloses Herumalbern und empathische Tragikomik, die das fertige Werk jedoch nie zur Tragikomödie werden lassen, laufen gekonnt Hand in Hand und dürften wahrlich nur Humorlegastheniker nicht schmunzeln lassen, so herzerfrischend witzig wie die irrtümlich schlicht anmutende Geschichte ausgefallen ist. "Der bewegte Mann" lässt sich immer wieder gucken, schaut sich keineswegs in seinem Jahrzehnt feststeckend und hat das Herz am rechten Fleck, so gut wie hier Tragik in dritter Reihe parkend den Humor gehaltvoll zu unterstützen weiß und damit aus dem erreichten Produkt keine hohle Gagparade macht oder einen tuntig anmutenden, anbiedernd schrillen Schwulenfilm. "The Turbulent Man" (Alternativtitel) ist eine geistreiche Komödie mit psychologischem und empathischen Verständnis für Figuren und Situationen, vortrefflich mit Offenheit für Andersartigkeit umgehend, auch im Alltag ungern gesehene Eigenschaften betreffend. Er teilt entlarvend nach allen Seiten aus, ohne dabei zu verurteilen oder zu sanft vorzugehen, sondern versucht erfolgreich inmitten einer übertriebenen Comicatmosphäre alles ein wenig alltäglich und lebensnah einzufangen. Dass derartiges beim Folgefilm "Kondom des Grauens" ausblieb, mach deutlich dass man damals scheinbar dachte, der Erfolg des hier besprochenen Filmes wäre einzig der Comicvorlage und ihrem lauterem Humor zu verdanken. Somit muss es nicht verwundern, dass der Schwulen-Krimi nicht im Ansatz so erfolgreich ankam wie das Liebhaberstück für Freunde treffsicherer Komik, welches Wortmann uns beschert hat.


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Kommentare:

  1. Einer der wenigen Filme, in denen Herr Schweiger sogar gut ist. ;)

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    1. Was tun wenns brennt, Der Eisbär, Kokowääh, Manta Manta, Keinohrhasen, der Gastauftritt in Bang Boom Bang... von wenigen Filmen würde ich da nicht sprechen. In den Ami-Filmen weiß er meist nicht zu wirken, zugegeben, aber im deutschen Kino hat Schweiger schon oft beweisen können, dass er mehr drauf hat als seine Spötter ihm zugestehen wollen.

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