04.05.2019

ANGRIFF DER KILLERTOMATEN (Attack of the Killer Tomatoes! 1978 John De Bello)


Amerikaner werden urplötzlich von Tomaten bedroht. Ob als Saft, in ihrer ursprünglichen Größe attackierend, oder zur Übergröße mutiert, ob an Land, zu Wasser oder in der Luft, überall lauert die Gefahr. Während die Regierung versucht die immer größer werdende Bedrohung möglichst vor den Bürgern zu vertuschen, wird ein Team von vier Spezialisten zusammengestellt, in der Hoffnung der Lage Herr werden zu können...


Puberty Love...

Kurz nach der Hochphase der 70er Jahre Tierhorror-Welle in den amerikanischen Kinos, kam John De Bello auf die Idee, die immer unsinniger werdende Tendenz, sich auf harmlose Tiere als Aggressoren zu versteifen, zu nutzen, um etwas völlig Blödsinniges auf die Menschheit loszulassen: Killertomaten. Um die wirklichen Gesetzmäßigkeiten des Tierhorrors geht es De Bello bei der Umsetzung eigentlich gar nicht, eine wirklich zielorientierte Parodie auf das Sub-Genre ist der Streifen nun wahrlich nicht geworden, höchstens in einigen wenigen Passagen, wie jene in welcher überdeutlich "Der weiße Hai" zitiert wird. Viel mehr schwebte dem guten Mann das Mitreiten auf einer anderen gerade aktuellen Kinowelle vor, und so reiht sich "Attack of the Killer Tomatoes!" (Originaltitel) in jene Art Komödienmode ein, in welcher auf anarchistische Art die Regeln eines Filmes ausgehebelt werden, Sehgewohnheiten satirisch hinterfragt werden und das ganze Wertesystem eines konservativen Amerikaners auf den Kopf gestellt wird. Ob der diesbezüglich eher im Ansatz orientierte "Frankenstein Junior", die Medienparodien "Big Gäg - Movie Station" und "The Kentucky Fried Movie", oder der am meisten mit dem hier besprochenen Streifen verwandte "Schlock - Das Bananenmonster", sie alle gehören mehr oder weniger zu dieser Gattung Film dazu, so dass "Angriff der Killertomaten" mit seinem ungewöhnlichen Stil nicht ganz so innovativ und provokativ ausgefallen ist, wie er einem zunächst vorkommen mag.

Interessant ist hingegen die Humororientierung des fertigen Werkes, liegt sein Reiz doch nicht nur in der amateurhaften Umsetzung und Darstellung, die ganz freiwillig Professionalität ausgrenzt und mit Unvermögen in Sachen Schauspiel, Spezialeffekte und funktionierender Geschichte provoziert. Viel mehr macht man sich die Eigenschaft des trockenen Erzähltons der 60er und 70er Jahre zunutze, indem "Angriff der Killertomaten" einen ebenso trockenen Grundton präsentiert, und man in dieses Format pausenlos Albernheiten und Zoten hinein schmeißt, mal klamaukig dargeboten, mal subtil, mal pseudo-subtil, aber immer plump und so gar nicht tiefsinnig. Das mag manchem zu niveaulos sein, wer sich aber auf diesen Nonsens einlassen kann, der bekommt aufgrund dieses sich fremd anfühlenden Mixes eine ungewöhnliche Komödie geboten, zwischen Affentheater und drögen Bildern / drögem Erzählton pendelnd. Da John De Bello sich zusätzlich einer tatsächlich flüssigen Erzählung verweigert, und uns hauptsächlich eine Nummernrevue des Unvermögens präsentiert, weiß diese einfallsreich einfallslose Wundertüte so überraschend gut zu funktionieren. Witze, für die man manch anderes Werk verurteilt hätte, können hier fußen, frei von der Interpretation ob es sich um einen funktionierenden, missglückten oder absichtlich missglückten Witz handelt. Da wird die Sicht von Zuschauer zu Zuschauer und von Moment zu Moment unterschiedlich ausfallen.

Letztendlich funktioniert dieses wilde Zusammenwürfeln unterschiedlicher schräger Ideen und Ansätze zu dem übergeordneten Thema Killertomaten so gut, weil man sich für nichts zu schade ist. Eine urplötzlich aus dem Nichts auftauchende Gesangsszene, die in ihrer Art so gar nicht zu den Umständen passen will, ein sprechender Hund, der nie wieder auftaucht und auch innerhalb seiner Szene nie von Bedeutung war, ein absichtlich peinlich drein guckender Android, eine völlig unmusikalische Parodie auf Teenager-Love-Songs, Riesentomaten auf Rollbrettern (ein nicht verschleierter Spezialeffekt), absichtlich verkrampftes Schauspiel (sehr skurril dargeboten durch die Rolle der Journalistin), Finletters ständiges Herumstolpern mit einem nicht abmontierten Fallschirm, eine Besprechung in einem viel zu kleinen Raum, alles was einem Gutes und Schlechtes einfällt, wurde in den offenen Plot integriert, meist im Stil eines Amateurfilms umgesetzt.

Da scheiden sich sicher die Geister, auch in der heutigen Zeit, in welcher alternatives Kino in verschiedensten Formen bekannt ist (man denke nur an die tollen Helge Schneider-Filme), aber der Titel hält zumindest was er verspricht. Wer ihn dämlich findet, wird auch mit dem dazu gehörenden Produkt nichts anfangen können, wer darüber schmunzelt hat gute Chancen auch mit dem Humor des Filmes zu sympathisieren. Mir persönlich gefällt zwar die Fortsetzung "Die Rückkehr der Killertomaten" besser, aber vom Erstling habe ich mich ebenfalls gut unterhalten gefühlt. Erst mit "Die Killertomaten schlagen zurück" und "The Killer Tomatoes Eat France!" wurde mir die Reihe zu mainstreamig und funktionierte meiner Meinung nach deshalb auch nicht mehr wirklich. Albern blieb die Reihe jedoch bis zum Schluss. Anbei gab es auch eine Zeichentrickserie zu dem oft für Gemüse gehaltenen Killerobstes, und auch sie trägt den Titel "Angriff der Killertomaten".


Weitere Besprechungen zu Angriff der Killertomaten:


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. :D Auch so ein Teenager-Guilty Pleasure von mir. Ich weiß nicht, ob der heute noch so wirken würde wie damals...

    AntwortenLöschen