Donnerstag, 23. Februar 2017

BLUT FÜR DRACULA (Dracula: Prince of Darkness 1966 Terence Fisher)


Eine herrenlose Kutsche fährt vier britische Touristen auf das Schloss des verstorbenen Grafen Dracula, in welchem dessen Diener die Auferstehung seines Meisters vorbereitet...


Das eisige Grab des Grafen Dracula...

Während Christopher Lee und mit ihm die Figur des Dracula in der ersten Fortsetzung von „Dracula“, „Dracula und seine Bräute“, pausierte, kehrt er nun in Teil 3 der Reihe zurück. Dafür müssen wir diesmal auf Dr. van Helsing und somit auf Peter Cushing verzichten, der uns nur zu Beginn in Rückblicken aus dem Finale des Originalfilms über den Weg läuft. Inklusive des hier besprochenen Teils blieb Regisseur Terence Fisher bis zu diesem Zeitpunkt der Reihe treu, und es ist gut dass er die Wiedererweckung des titelgebenden Grafen umsetzen durfte, scheint er doch der einzige zu sein, der Christopher Lee zu jener schrecklichen Bestie animiert bekommt, die er auch in seinem ersten Auftritt 1958 verkörperte.

Aufgrund ungünstiger Umstände habe ich zunächst die beiden Fortsetzungen des hier besprochenen Streifens gesichtet bevor ich einen Blick auf "Blut für Dracula" werfen konnte, und musste in diesen ein wenig enttäuscht feststellen, dass die Filme zwar durchaus passabel ausgefallen sind, Lee in der Rolle des Grafen Dracula jedoch nicht mehr halbwegs den unheimlichen Eindruck machte, der ihm in Teil 1 so hervorragend gelang. Mag sein Treiben auch in „The Bloody Scream of Dracula" (Alternativtitel) nicht mit dieser Leistung mithalten können, so ist sie doch trotzdem nah dran, so unmenschlich wie Christopher Lee die Figur des Dracula anlegt, und so legendär mystisch wie die Rolle bei einem zweiten Auftritt noch wirken darf.

In den noch folgenden Fortsetzungen sind Worte wie die in Teil 3 eingangs erwähnten längst vergessen, die betonen Dracula habe über ein Jahrhundert über sein Land geherrscht und viele hätten versucht ihn zu töten, ohne dies zu schaffen. Dracula ist ein mächtiges Wesen und konnte erst mit Hilfe der Forschung endlich besiegt werden. Während die immer leichter zu bewerkstelligenden Mordmethoden der zukünftigen Helden immer mehr an die späteren Finalkämpfe gegen Freddy Krueger und Jason Vorhees erinnerten, was an der Glaubwürdigkeit der Unbesiegbarkeit Draculas nagte, darf hier noch das nur einmal besiegte Grauen auferstehen. Aber schon das Finale von „Dracula 3“ (Alternativtitel) wird zeigen, dass es hiermit zu Ende ist, wird der Graf doch bereits hier auf recht schlichte und etwas zu unspektakuläre Art getötet, zudem eher dem Zufall geschuldet als der Heldenhaftigkeit seiner Gegner.

Dies ist aber dann auch der einzige nennenswerte Schwachpunkt von „Revenge of Dracula“ (Alternativtitel), der seine Geschichte von Beginn an sehr stimmig erzählt. Als Zuschauer taucht man dank interessanter und schnell liebgewonnener Charaktere schnell ins Geschehen ein und vermisst aufgrund der versprühenden Kurzweile auch den Grafen nicht wirklich, der erst sehr spät ins Geschehen tritt. Aber das Warten lohnt sich, spielt Lee, wie erwähnt, den Vampir doch noch mit Herzblut, zumindest in den meisten seiner Szenen, so dass diese Momente tatsächlich ihm allein gehören, so stark wie er seine Präsenz in diesen entfaltet.

Dennoch muss angemerkt werden, dass Lee nicht der einzige Trumpf dieser wundervollen Fortsetzung ist. Die Art wie heimtückisch seine Gehilfen agieren, weiß zu gefallen. Die Schloss-Location ist so beeindruckend ausgefallen wie man es von den Hammer-Studios gewohnt ist, und der Aufbau der Geschichte, in all seinen einzelnen Phasen, ist professionell ausgefallen. Durch die dichte Atmosphäre, die der Film trotz aller nostalgischen Leichtigkeit versprüht, lässt es Terence Fisher nie zu, dass so etwas wie Langeweile oder Stillstand Einzug halten könnte, dafür sind die einzelnen Szenarien viel zu gut ausgearbeitet und die Geschehnisse zu abwechslungsreich konzipiert.

Zwar darf es aus der Sicht sonst typisch angegangener Horror-Klischees ein wenig verwundern, dass schwarze Pferde nur von den Guten geritten werden, während Dracula braune, manchmal gar weiße bevorzugt, und auch manche zu deutlich bei Tageslicht abgefilmte Nachtszene sorgt für leichte Abstriche, schaden können diese winzigen Kritikpunkte dem stark inszenierten Streifen jedoch nicht. Die Harmlosigkeit seines direkten Vorgängers fehlt dem dritten Teil völlig. Fisher baut diesmal nicht mehr auf dessen naivem Charme. Dracula soll ein ehrfürchtiger Gegner sein, und dafür war eine ernstere und düstere Fortsetzung auch zwingend nötig. So sehr mir Teil 2 auch gerade wegen seiner braven, klassischen Art gefallen hat, so sehr begrüße ich es andererseits auch diesmal, dass mit der Wiederkehr Draculas die Naivität großteils über Bord geworfen wurde.


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